Autogramm Ssangyong Rexton Koloss aus Korea

Die Marke Ssangyong stand für SUVs im schrulligen Design. Doch mit dem Wechsel des Eigentümers trifft die Marke aus Südkorea endlich den Massengeschmack - ein großes Kompliment für den Rexton.

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Der erste Eindruck: Geht doch. Der neue Ssangyong Rexton ist vielleicht kein Blickfang, doch die Zusammenarbeit mit dem Designbüro von Pininfarina zahlt sich allmählich aus.

Das sagt der Hersteller: Das Leuchtschild im Foyer der Ssangyong-Hauptverwaltung in Pyoentaek, Südkorea, rühmt das Unternehmen zwar als "Most Innovative and Respected Korean Automotive Company", doch dessen Vorstandschef Choi Johng-sik sieht die Rolle des kleinsten der vier Hersteller aus Südkorea realistischer. "Wir stehen noch ganz am Anfang". Der indische Eigentümer-Konzern Mahindra hat gerade 900 Millionen Dollar für die Entwicklung weiterer Modelle freigegeben. Mindestens ein neues Auto pro Jahr will die Marke künftig vorstellen. Den Anfang macht nun die vierte Generation des Flaggschiffs Rexton. Als Vorbild für Ssangyong fungiert: Land Rover. "Genau wie die Briten sind wir auf Geländewagen spezialisiert. Und genau wie Land Rover gehören wir einem indischen Konzern", sagt Choi.

Das ist uns aufgefallen. Selten hat man sich in einem Ssangyong derart wohlgefühlt wie im neuen Flaggschiff. Statt über graues Hartplastik schweift der Blick über hübsche Konsolen mit Holz- und Chromoberflächen, das weiche Leder in den Türen und auf den Sitzen trägt ein Rautenmuster, wie man es aus der Oberklasse kennt. Auch die hausbackenen Instrumente mit funzeliger Beleuchtung sind einem strahlenden Display gewichen.

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Autogramm Ssangyong Rexton: Neustart mit Grillen

Dazu gibt es eine Ausstattung, mit der Ssangyong ein echter Generationensprung gelingt. Zwar fehlen nach wie vor ein Head-up-Display, ein Abstandsregeltempomat und LED-Scheinwerfer, doch beim Rangieren hilft jetzt eine 360-Grad-Kamera, die elektrische Kofferraumklappe öffnet automatisch, wenn man nur nahe genug herantritt. Es gibt zudem Sensoren, die bei der Spurführung helfen oder solche, die den toten Winkel überwachen. Und ja, auch die Smartphone-Anbindung via Apple Carplay und Android Auto hat Ssangyong entdeckt. Herzlich Willkommen im Jahr 2017.

Neben all diesen neuen Errungenschaften punktet der Rexton aber auch mit klassischen Tugenden - allen voran mit einem großen Platzangebot: Auf den klimatisierten Ledersitzen in der ersten Reihe thront man wie der König der Straße und wärmt sich die Finger am beheizten Lenkrad, auf der verschiebbaren Bank in der zweiten Reihe können auch Erwachsene lässig lümmeln, und der Kofferraum ist mit 820 bis 1977 Litern so groß, dass dort sogar noch Platz für eine dritte Sitzreihe ist, die es optional für 800 Euro extra gibt.

Zwar mischt sich Ssangyong mit dem Rexton unter den Mainstream der Mittelklasse-SUVs und macht sich mit dem 4,85-Meter-Brocken gemein mit Modellen wie dem Hyundai Santa Fe, dem Kia Sorento oder dem Nissan X-Trail. Technisch jedoch bleibt Ssangyong eigensinnig und setzt weiterhin auf einen Leiterrahmen. Der macht den Rexton ein bisschen schwerer als die Konkurrenz, und daher auch etwas langsamer und träger, doch zugleich sorgt die klassische Geländewagen-Konstruktion für die nötige Stabilität im Zugbetrieb. Nicht umsonst darf der Rexton bis zu 3,5 Tonnen ins Schlepp nehmen. Überhaupt hilft der rustikale Unterbau bei Offroadeinsätzen, zumal der Rexton einer der letzten Geländewagen in dieser Liga ist, die noch mit einem echten Untersetzungsgetriebe vorfahren.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Ssangyong Rexton - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Wenn der Rexton in diesen Tagen in den Handel kommt, dann gibt es ihn ausschließlich mit einem 2,2 Liter großen Vierzylinder-Diesel, der solide 181 PS leistet und den Koloss aus Korea mit bis zu 400 Nm Drehmoment tapfer voran wuchtet. Im Grundmodell für 30.990 Euro treibt er die Hinterachse an. Wer 2000 Euro mehr bezahlt, bekommt einen zuschaltbaren Allradantrieb sowie die Untersetzung und für weitere 2000 Euro gibt es ein Automatikgetriebe.

Es sind aber ein paar andere Positionen, die auf der Preisliste überraschen. Das Leder-Paket für 2000 Euro zum Beispiel, oder das Elegance-Paket mit 360-Grad-Kamera und sensorgesteuerter Heckklappe - und vor allem die Zahl unter dem Summenstrich. Denn wer alles zusammenrechnet, kommt erstmals bei Ssangyong auf mehr als 50.000 Euro. Auch das zeugt vom Willen zum Aufstieg.

Das werden wir nicht vergessen: In ihrer neu entdeckten Liebe zum Detail waren die Entwickler so eifrig, dass sie gleich fünf Töne für den Blinker programmiert haben, die sich in drei Lautstärkenstufen individuell einstellen lassen. Das klingt dann manchmal, als würde eine Grillenfamilie im Cockpit wohnen.

Fahrzeugschein
Hersteller: Ssangyong
Typ: Rexton
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Siebengang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.157 ccm
Leistung: 181 PS (133 kW)
Drehmoment: 410 Nm
Höchstgeschw.: 185 km/h
Verbrauch (ECE): 8,3 Liter
CO2-Ausstoß: 218 g/km
Kofferraum: 820 Liter
umgebaut: 1.977 Liter
Gewicht: 2.130 kg
Maße: 4850 / 1960 / 1825
Preis: 35.490 EUR
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insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
jay.boehner 12.12.2017
1. Tolles Auto
Nur 8 Liter Verbrauch (offiziell), und auch so klein. Da freut sich der Großstädter. Endlich mehr Platz für die Einkäufe aus dem Bioladen!
dabrain99 12.12.2017
2. Schade! 360Grad ist leider BMW
Hallo! Ich verstehe nicht wie man einen Alpina/BMW anstelle des Rexton zeigen kann! Bitte aufwachen.
springfield 12.12.2017
3. Hat sich der Massengeschmack gewandelt?
Ja, das Design is etwas schnörkelloser geworden. Aber ich glaube, dass sich mit dem völlig irrwitzigen "Siegeszug" der zwei oder mehr Tonnen-Dinosaurier auf den Straßen und unglaublich häßlichen Designausrutschern wie den entarteten MINI und Fiat-500-SUV-Ablegern der Kundengeschmack mehr als das Design des koreanischen Herstellers gewandelt hat.
bullermännchen 12.12.2017
4.
Bei den Abgaswerten (Katalog) wäre ein Einfuhrverbot das einzige was mir bei dieser weiteren, vollkommen unnötigen Ressourcenverschwendung einfällt.
f36md2 12.12.2017
5. Heckantrieb als Standardausstattung?
In der Standardausstattung für 31.000 Euro nur als "Heckschleuder" zu haben? Allrad gegen Aufpreis! Wer einen besseren Antrieb haben möchte, fährt dann einen Spritschlucker. Da ist jeder Golf oder jeder Corsa mit Frontantrieb dreimal sicherer, gerade jetzt im Winter!
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