Subaru Tribeca Mannheim statt Manhattan

Vans gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Und oft heißen sie Crossover. Dieses Spiel spielt jetzt auch Subaru. Aber der Tribeca wäre kein Subaru, wenn er ein Van wie jeder andere wäre. Als einer von wenigen hat er Allradantrieb. Und als Einziger einen Boxer-Motor.


Subaru spreizt die Modellpalette auf. Um gut situierte Kunden künftig nicht mehr an Anbieter von Quattros, 4Matic- oder Xi-Modellen abtreten zu müssen, bringt der japanische Allradspezialist jetzt auch in Deutschland sein neues Flaggschiff Tribeca an den Start. Gleichzeitig beugt sich der notorische Nischenanbieter damit erstmals dem Trend zum Crossover. Denn der nach einem hippen Stadtteil von New York benannte Hoffnungsträger ist kein Kombi, kein Van und kein Geländewagen, sondern will von allem ein bisschen sein und so möglichst viele Kunden ansprechen.

Ganz neu ist der Tribeca freilich nicht. In den USA wird der Wagen bereits seit mehr als einem Jahr verkauft und hat den Subaru-Absatz dort mit rund 15.000 Zulassungen im Jahr 2005 knapp an die 200.000er Marke gebracht. Weil die Japaner erkannt haben, dass dieses Konzept auch andernorts funktionieren kann, wurde in den letzten Monaten eine Europa-Version auf den Weg gebracht, die sich zu Preisen ab 42.500 Euro statt in Manhattan vom Oktober auch in Mannheim, Münster oder Magdeburg bewähren soll. Das Auto hat nach Subaru-Auskunft eine Fahrwerksabstimmung, die näher am europäischen Geschmack liegen soll. Für Lenkung und Federung mag das gelten, weil der Tribeca ohnehin eher Reise- als Rennwagen ist. Aber die Bremsen könnten durchaus mehr Biss vertragen.

Weil Subaru-Modelle bislang leicht übersehen werden, setzen die Japaner beim Tribeca auf ein unkonventionelles Design. So trägt der 4,86 Meter lange Viertürer vorn gleich drei markante Öffnungen für die Kühlluft, aus der Flanke wächst eine breite Falz auf Höhe der Gürtellinie, und hinten macht die leicht entgegen der Fahrrichtung geneigte Klappe einen unverwechselbaren Knick. Ungewöhnlich ist auch die geringe Höhe: Der Tribeca misst gerade 1,68 Zentimeter und überragt damit einen normalen Kombi nur knapp. Mehr Kopffreiheit braucht eigentlich niemand, argumentieren die Entwickler und schwören stattdessen auf einen niedrigen Schwerpunkt.

Der Innenraum des Tribeca ist ebenfalls etwas unkonventionell. Eine geteilte und verschiebbare Rückbank kennen wir schon. Die Option auf zwei weitere Sitze für gelegentliche Mitfahrer, die ansonsten im Kofferraumboden verschwinden, ist geschickt, aber gewöhnlich. Und ein variables Kofferraumvolumen sowie ein paar zusätzliche Staufächer im Unterboden verstehen sich bei diesem Package beinahe von selbst. Doch ein neues Gefühl hat man in der ersten Reihe: Dort sitzt man ähnlich wie in einem Sportwagen in einer tiefen Nische, die in fließenden Linien aus dem Armaturenbrett und den seitlichen Konsolen herausgeschnitten scheint.

Die Armaturentafel umrundet die vorderen Insassen

Ohne dass man sich beengt fühlen würde, wird man förmlich von den Bedienelementen eingeschlossen. Besonders pfiffig erscheinen dabei das Kombiinstrument, in dem die leuchtend roten Zeiger auf schwarzem Grund rotieren, und das Multi-Media-Center auf der Mittelkonsole. Hinter dem großen Touchscreen verbergen sich nicht nur Navigation oder Bordcomputer, sondern auch der mutmaßlich erste in einem Auto eingebaute Taschenrechner.

Die Ausstattung ist umfangreich: So gibt es bereits im fünfsitzigen Basismodell neben sechs Airbags und ESP auch eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, ein gutes Dutzend elektrischer Helfer, Tempomat und eine Musikanlage mit CD-Wechsler, neun Lautsprechern und Subwoofer. Und wer für 49.900 Euro die Top-Version bestellt, bekommt nicht nur beheizte Lederpolster, die Sitze sechs und sieben und das Panorama-Dach, sondern auch ein Navigationssystem mit Rückfahrkamera und einen DVD-Spieler für den Rücksitz.

Wie jeden Subaru auf dem deutschen Markt gibt es den Tribeca ausschließlich mit Allradantrieb. Und als wäre das für einen Van trotz der Annäherung an einen Geländewagen noch nicht exotisch genug, treibt den Wagen auch der obligatorische Boxer-Motor an. Er hat drei Liter Hubraum, kommt auf 245 PS und 297 Nm. Geregelt von einer fünfstufigen Automatik beschleunigt er den immerhin fast zwei Tonnen schweren Tribeca in 9,7 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht bis zu 195 km/h. Dabei klingt der Motor so rau und kehlig, wie nur ein Boxer klingen kann, doch bezahlt man diesen Sound mit einem stattlichen Verbrauch.

Natürlich würde ein Diesel den Verkauferwartungen sicher gut tun, doch ist der für den Tribeca bislang noch nicht in Reichweite, wie Geschäftsführer Jens Becker eingestehen muss. Zwar haben die Japaner einen Selbstzünder nach dem Boxer-Prinzip in Arbeit, der Ende nächsten Jahres fertig wird. Aber erst mal gibt es nur einen Vierzylinder, der für diesen Wagen etwas zu schwach sein dürfte. Dennoch macht Becker sparsamen Zeitgenossen Hoffnung: "Die Kollegen in Japan arbeiten mit Hochdruck daran, dass der Dreiliter-Motor für den Betrieb mit Flüssiggas umgerüstet werden kann", sagt der deutsche Subaru-Chef und lockt mit günstigen Konditionen an der Zapfsäule: "Dann tankt man für die Hälfte und kann auf einen Sechszylinder-Diesel getrost noch etwas warten."



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