Autogramm Suzuki Celerio Einfach zu schlicht gestrickt

Der Suzuki Celerio bringt alles mit, was ein Kleinwagen braucht: viel Platz, guter Fahrkomfort, sechs Airbags. Und trotzdem hinterlässt der Wagen ein ungutes Gefühl beim Fahrer.

Suzuki

Der erste Eindruck: Endlich ein Kleinwagen, der nicht mehr sein will, als er wirklich ist - nämlich schlicht und einfach: ein simpler Kleinwagen. Der Celerio besitzt weder eine messerscharfe Tornado-Linie noch funkelnde Glubschaugen-Scheinwerfer. Auch kein Bling-Bling vorn, kein Tätschel-Heck hinten, ja nicht einmal Glitzerlack oder Zweifarb-Lackierung.

Das sagt der Hersteller: Großmütter statt Großstadt-Yuppies nennt Suzuki-Sprecher Jörg Machalitzky als Zielgruppe und will den Celerio erst gar nicht in die Ecke der Lifestyle-Knirpse gerückt wissen, wo sich bereits Minis wie der Renault Twingo, Smart Forfour, Fiat 500 oder Opel Adam tummeln. Vielmehr soll der Kleinwagen, der die beiden bisherigen Modelle Alto und Splash beerbt, den Alltagspraktiker geben. "Der ideale Zweitwagen", sagt Machalitzky über den Celerio. Kofferraumvolumen oder der Fußraum im Fond seien wichtiger als Klebetatoos und eine Facebook-App.

Das ist uns aufgefallen: Außen klein, innen groß - angesichts der bescheidenen Grundfläche bietet der Celerio, der seinen Namen aus dem Spanischen von "Celeste" für Himmel und "Rio" für Fluss hat, tatsächlich überraschend viel Platz. Weil der Radstand mit 2,43 Meter überdurchschnittlich groß ist und sich das Dach höher wölbt als üblich, wirkt das Konkurrenzmodell zum VW Up innen so geräumig wie ein VW Polo. Vorn sitzt man ausgezeichnet, hinten kann man es zumindest aushalten. Und während man bei Twingo & Co. mit einer Sprudelkiste schon geschickt hantieren muss, um sie über die hohe Ladekante in den Kofferraum zu fädeln, schluckt der Celerio problemlos einen großen Wochenendeinkauf.

Ein kleines, sparsames und bezahlbares Auto wie der Celerio passt eigentlich perfekt in eine Zeit, in der selbst VW mit Hochdruck an einem Billigauto arbeitet und Dacia binnen zehn Jahren fast so bekannt und bliebt wurde wie die Schwestermarke Renault. Doch der Celerio fühlt sich nicht zeitgemäß an, sondern als käme er aus den Neunzigerjahren. Harte Kunststoffe mit glatten, glänzenden Oberflächen, Displays so verpixelt wie bei den ersten Atari-Konsolen und über dem Blech oft nur dünner Filz - so schlicht und schmucklos waren Autoinnenräume zuletzt, als die ersten Importmodelle aus Korea auf den europäischen Markt kamen.

Das muss man wissen: Der Preis des Celerio fällt mit mindestens 9690 Euro nicht wirklich billig aus. Dafür bekommt man auch Konkurrenzmodelle wie etwa einen Citroën C1, Renault Twingo oder Skoda Citigo, die allesamt nicht nur lebenslustiger daher kommen, sondern auch etwas höherwertiger und auch ein paar zeitgemäße Extras und Optionen anbieten - von der Onlinenavigation bis zum Schiebedach.

Zwar verweist Suzuki-Sprecher Machalitzky stolz auf eine Grundausstattung mit sechs Airbags, elektrischen Fensterhebern vorn und einem höhenverstellbaren Fahrersitz. Aber eine wenigstens App-basierte Navigationslösung, ein Faltdach, eine Sitzheizung oder eine Klimaautomatik gibt es nicht einmal gegen Aufpreis; von Assistenzsystemen wie einer automatischen Notbremse für den Stadtverkehr ganz zu schweigen.

Und das ist nicht das einzig Mysterium in der Modellpolitik. Sondern auch beim Motorenangebot legt man die Stirn in Falten. Denn dort bietet Suzuki zwei nahezu identische Triebwerke an. Beide haben einen Liter Hubraum, leisten 68 PS und entwickeln rund 90 Nm Drehmoment, und selbst die für das Segment absolut üblichen Fahrleistungen - 0 auf 100 in, nun ja, gemütlichen 14 Sekunden und Spitze 155 km/h - sind gleich. Was sie unterscheidet, ist lediglich die Ventiltechnik und mit ihr der Verbrauch von 4,3 oder 3,6 Liter. Allerdings muss man verdammt viel fahren, bis sich die 1100 Euro Aufpreis für den sparsameren "Eco+"-Motor rentiert haben.

Das werden wir nicht vergessen: Das zwiespältige Gefühl, mit dem man den Testwagen wieder abstellt. Einerseits überzeugt das überdurchschnittliche Platzangebot und das tadellose Fahrverhalten für diese Klasse. Auf der anderen Seite nerven die scharfen Plastikgraten und harten Kunststoffe. Der Celerio wirft Fragen auf: Sind die anderen Autos wirklich so viel besser? Oder sind wir mittlerweile einfach nur unglaublich verwöhnt?



insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
fx33 06.11.2014
1. Verwöhnt?
"Oder sind wir mittlerweile einfach nur unglaublich verwöhnt?" Aber sehr wohl! Wer bei einem solchen Auto ein App-gesteuertes Navi und eine Klimaautomatik, eine Sitzheizung oder gar eine Notbremsassistenten, der ist nicht nur verwöhnt, sondern hat jedes Maß verloren. Als ernstzunehmender Auto-Autor hat sich Herr Grünweg damit vollends disqualifiziert. Mein Tip an die Redaktion: lasst Grünweg die Dingensverlängerungen besprechen und einen kompetenten Autor den normalen Rest.
felisconcolor 06.11.2014
2. Also einen UP!
oder einen Citigo mit dem Clelerio zu vergleichen. Auauaua. Und dann im Artikel auch noch erwähnen der Celerio schluckt mühelos einen Wocheneinkauf. Na damit mal viel Spass im Up und Konsorten. Sicher sind UP und Citigo wertiger in der Ausstattung aber das war es dann auch schon. Schreibt ihr Autobesprechungen nur nach dem Blättern in den prospekten oder seid ihr die Dinger auch gefahren. Und ein Autobericht lebt von realen Vergleichen. Also den Celerio den UP den Citigo und den Twingo alle nebeneinander und losgetestet und dann die Pros und Contras. Das sind Autoberichte alles andere ist kalter Kaffee
deesdrei 06.11.2014
3. Komisch gebaut
Also, das tief in den eigentlichen Fußraum heruntergezogene Armaturenbrett wird Fahrer und Beifahrer mit Sicherheit Ärger machen. Da wird man ständig gegenstoßen. Das Handschuhfach ist auch lustig angeordnet: entweder der Beifahrer streckt, wenn er da ran will, die Beine kerzengerade aus, dann klappt ihm das Fach direkt auf die Knochen und er muss faktisch im Liegen da drin rumkramen. Oder er zieht die Beine an, aber dann dürfte er kaum noch an das Fach gelangen, weil es eben so tief liegt. So oder so, schon etwas komisch konstruiert, das Ganze. das Auto wird trotzdem seine Abnehmer finden.
kabian 06.11.2014
4. Komisch
"Allerdings muss man verdammt viel fahren, bis sich die 1100 Euro Aufpreis für den sparsameren "Eco+"-Motor rentiert haben." Und wieso fehlt dieser Satz bei den vielen anderen Öko-Fahrzeugen? Diese Vehiekel um die 10.000€ ist wirtschaftlicher und ökologisch sinnvoller als jeder andere dessen Wert 12.000 € überschreitet. Richtig pervers wird es ja bei Elektro- oder Hybridwagen die weit über 30.000€ kosten. Oder "ökologischen Sportfahrzeugen". Warum gibt es da nicht einen Zusatz das dem Käufer nur ein Gimmik angedreht werden soll?
jupp78 06.11.2014
5.
Zitat von felisconcoloroder einen Citigo mit dem Clelerio zu vergleichen. Auauaua. Und dann im Artikel auch noch erwähnen der Celerio schluckt mühelos einen Wocheneinkauf. Na damit mal viel Spass im Up und Konsorten. Sicher sind UP und Citigo wertiger in der Ausstattung aber das war es dann auch schon. Schreibt ihr Autobesprechungen nur nach dem Blättern in den prospekten oder seid ihr die Dinger auch gefahren. Und ein Autobericht lebt von realen Vergleichen. Also den Celerio den UP den Citigo und den Twingo alle nebeneinander und losgetestet und dann die Pros und Contras. Das sind Autoberichte alles andere ist kalter Kaffee
Warum "Auauaua"? Die Kofferraumvolumina sind praktisch identisch, genauso wie die Platzverhältnisse vorne und hinten. Auch die Außenabmessungen liegen auf vergleichbarem Niveau. Das einzige was ich in der Klasse tatsächlich ernsthaft vermissen würde, ist die Sitzheizung. Warum sollte man frieren im Winter, nur weil man ein kleines Auto fährt?
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