Suzuki Grand Vitara Ein Dreckskerl und stolz darauf

Während andere Hersteller ihre kleinen Geländewagen nur noch in urbanen Häuserschluchten zeigen, geht das Abenteuer bei Suzuki weiter. Wenn am 15. Oktober der neue Grand Vitara an den Start geht, darf sich der Wagen deshalb weiter im Schlamm suhlen.


Suzuki Grand Vitara: Dorthin fahren, wo es staubt und poltert

Suzuki Grand Vitara: Dorthin fahren, wo es staubt und poltert

Das Anzeigenmotiv ist unmissverständlich: "Ich bin ein Dreckskerl und auch noch stolz darauf", scheint der neue Suzuki Grand Vitara dem Betrachter entgegenzuwerfen. Denn während gerade im Segment der kompakten Geländewagen immer mehr Autos für den Asphalt gemacht und deshalb im Großstadtgewühl oder allenfalls auf romantischen Landstraßen fotografiert werden, zeigt Suzuki die dritte Auflage des Dauerbrenners dort, wo die Idee von Freiheit und Abenteuer hinführen könnte: in einem ausgetrockneten Flussbett und mit einer Staubfahne im Schlepptau.

Die Rolle als charmanter Dreckskerl für Alltag und Abenteuer spielt der neue Grand Vitara ganz überzeugend - schließlich hat er darin reichlich Erfahrung. Denn schon der erste Suzuki in Deutschland, der 1980 eingeführte LJ 80, war ein Geländewagen. Und mit dem Debüt des ersten Vitara 1989 haben die Japaner noch vor Toyota RAV4 oder Opel Frontera den Boden für die kompakten Freizeit-Offroader bereitet, die heute vor jedem Supermarkt, Tennisclub oder Fitnesscenter stehen. Ein Feld, auf dem der Vitara mit bis dato 1,9 Millionen Zulassungen über lange Jahre als weltweiter Bestseller gegolten hat.

Grand-Vitara-Innenraum: Mehr Platz, weil der Radstand deutlich wuchs

Grand-Vitara-Innenraum: Mehr Platz, weil der Radstand deutlich wuchs

Damit er trotz des erstarkten Wettbewerbs zumindest halbwegs an diese Erfolge anschließen kann, haben die Japaner den Wagen beim Generationswechsel gründlich erneuert. Wenn am 15. Oktober zu Preisen ab 19.690 Euro die dritte Auflage zu den Händlern kommt, bietet sie deshalb nicht nur mehr Eleganz und deutlich mehr Platz als früher, sondern auch mehr Leistung, mehr Komfort und mehr Ausstattung. Der Charakter eines Geländewagens allerdings bleibt, anders als bei einigen Konkurrenten, bewusst erhalten.

Angeboten wird der Grand Vitara in zwei Karosserievarianten als Drei- oder Fünftürer, die beide deutlich mehr Radstand bekommen und in der Länge gegenüber dem Vorgängermodell um bis zu 47 Zentimeter zulegen. Weil der Allradler zudem etwas in die Breite gegangen ist, gibt es innen jetzt deutlich mehr Platz. So können hinten nun guten Gewissens auch Erwachsene sitzen, und der Kofferraum fasst beim Fünftürer künftig bis zu 1386 Liter; das Reserverad ist übrigens weiterhin außen befestigt. "Das bringt nicht nur mehr Kofferraumvolumen und bessere Böschungswinkel im Gelände", sagt Produktmanager Dominik Eiland, "sondern natürlich sieht der Grand Vitara damit auch wieder wie ein echter Geländewagen aus."

Fahrzeugschein
Hersteller: Suzuki
Typ: Grand Vitara
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Benziner
Hubraum: 1.995 ccm
Leistung: 140 PS (103 kW)
Drehmoment: 183 Nm
Von 0 auf 100: 12,5 s
Höchstgeschw.: 175 km/h
Verbrauch (ECE): 9,1 Liter
CO2-Ausstoß: 216 g/km
Kraftstoff: Superbenzin
Kofferraum: 398 Liter
umgebaut: 1.386 Liter
Preis: 24.290 EUR
Für die Optik mag das stimmen, doch unter dem Blech machen die Japaner sehr wohl ein paar Konzessionen an den Fortschritt. Denn die Karosserie trägt sich jetzt selbst und wird zum Wohl der Verwindungssteifigkeit im Gelände nur noch von einem Hilfsrahmen gestützt. Und die Räder sind nun nicht mehr an Starrachsen befestigt, sondern einzeln aufgehängt. Davon profitieren vor allem der Fahrkomfort und die Fahrstabilität bei etwas schneller durcheilten Kurven. Nicht diskutiert wird bei Suzuki allerdings über den Antrieb. Auch wenn viele Wettbewerber auf Wunsch als reine Fronttriebler ausgeliefert werden und in Deutschland rund zehn Prozent der Zulassungen auf Geländewagen ohne Allradantrieb entfallen, ist das 4x4-Paket beim Grand Vitara Standard.

Erstmals in der Modellgeschichte ist der Allradantrieb permanent und ohne Zuschaltung aktiv. Zudem rüsten die Japaner den Grand Vitara in einigen Fällen sogar mit einem sperrbaren Mittendifferential und einer Geländeuntersetzung aus, was sich bei einer Tour auf dem Strand oder in der Kiesgrube sehr wohl bemerkbar macht. Weil Suzuki das eine tut, ohne das andere zu lassen, erfindet die Marke sogar die Mathematik neu und lobt den Grand Vitara als "200-Prozent-Auto": ein Wagen für 100 Prozent Offroad und 100 Prozent Onroad.

Suzuki-Motor: Ein bisschen schwach für den voluminösen Geländewagen

Suzuki-Motor: Ein bisschen schwach für den voluminösen Geländewagen

Selbst wenn diese ungewöhnliche Addition auf den ersten Blick aufgehen mag, macht Suzuki unter der Motorhaube zunächst einen Rechenfehler. Denn zum Start gibt es den Grand Vitara ausschließlich mit Benzinmotoren, die in diesem Segment weniger stark nachgefragt werden und zudem etwas schwach auf der Brust wirken. So bauen die Japaner im Fünftürer einen Zweiliter-Motor ein, der zwar auf 140 PS kommt und mit 183 Newtonmeter zu Werke geht, für den Sprint auf Tempo 100 aber dennoch 12,5 Sekunden braucht und seine Wettbewerber bei 175 km/h vorbeiziehen lassen muss. Im Dreitürer gibt es vorerst nur einen 1,6-Liter-Benziner. Die Maschine ist mit 106 PS und 145 Newtonmeter zwar stärker als das Vorgängeraggregat, aber noch immer zu schwach.

Da lohnt wahrscheinlich das Warten auf den Diesel, den Suzuki bei Renault einkauft und der im Frühjahr in beiden Varianten nachgereicht werden soll. Der 129 PS starke 1,9-Liter-Motor bekommt serienmäßig einen Rußpartikelfilter und kann mit bis zu 300 Newtonmeter Drehmoment punkten. Mit einem Sprintwert von 12,5 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h ist er dem kleinen Benziner allemal überlegen.

Grand-Vitara-Heck: Das Reserverad sitzt natürlich wieder außen

Grand-Vitara-Heck: Das Reserverad sitzt natürlich wieder außen

Ohne Tadel bleibt die Ausstattung: Sie umfasst bei allen Modellen schon in der Basisversion sechs Airbags sowie ein CD-Radio mit Lenkradfernbedienung. Beim 4600 Euro teureren Fünftürer sind zudem Klimaanlage und Alu-Räder inklusive. Im zweiten Ausstattungsniveau "Comfort" gehören beim Dreitürer auch Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer und Sitzheizung sowie beim großen Bruder zusätzlich Navigation und Tempomat zum Lieferumfang. ESP wird gegen Aufpreis erhältlich sein.

Die Neuauflage des Grand Vitara kommt für Suzuki zu einer günstigen Zeit. Denn die Nachfrage nach kleinen Geländewagen wächst nach Einschätzung von Nick Margetts, Deutschland-Chef des Marktbeobachtungsinstituts Jato Dynamics, munter weiter. Schon heute kommen nach seinen Angaben die kleinen und mittleren Geländewagen im wachsenden SUV-Segment auf einen Anteil von 55 Prozent. Und mit Neuheiten wie dem Toyota RAV4, dem in Frankfurt noch als Studie präsentierten Opel Antara GTC oder dem jetzt endgültig verabschiedeten kleinen VW-Geländewagen wird das Segment noch wachsen.

Als Gründe für die Beliebtheit der Fahrzeuge nennt Margetts die gemessen an den großen Modellen akzeptable Wirtschaftlichkeit: "Die beruhigend hohe Sitzposition und die Palette der Möglichkeiten steht dem großen SUV in nichts nach. Doch Anschaffung und Unterhalt sind deutlich billiger, und mit kleineren Motoren sind die kompakten Allradler gut gegen hohe Spritpreise gewappnet." Der Trend zum Kompakt-SUV wird laut Margetts deshalb weiter anhalten: "SUV sind deshalb nicht klein zu kriegen - außer in der Größe."

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