Autogramm Suzuki Ignis Schrumpfinchen

SUV-Fahren ohne Gewissensbisse? Gut möglich mit dem neuen Ignis, einem Minimalfahrzeug für Metropolregionen. Das Beste: Klein ist nur das Format.

Suzuki

Der erste Eindruck: Das Spielzeugauto eines Riesen.

Das sagt der Hersteller: "Kleiner ist feiner", sagt Suzuki-Marketingmann Christian Andersen und rühmt den Ignis als erstes Fahrzeug eines neuen Segments. Seine Begründung: "Einen so kleinen SUV hat es auf dem deutschen Markt noch nicht gegeben." Zwar räumt er ein, dass auch Modelle wie der Fiat Panda 4x4, der Opel Adam Rocks oder der Cross Up von VW sehr kompakt sind und Abenteuerflair versprühen, doch seien das letztlich dann doch optisch rustikale, etwas aufgebockte Kleinwagen.

Der Ignis hingegen ist nach Andersens Ansicht ein echter Geländewagen, der von Grund auf auch fürs Grobe entwickelt wurde. "Deshalb wird der Wagen natürlich mit Allradantrieb und einem speziellen Traktionssystem angeboten", erklärt Andersen.

Das ist uns aufgefallen: Einsteigen, anschnallen - und einschlafen. Das war bislang der übliche Dreiklang, wenn man es mit einem Suzuki zu tun hatte. Zuletzt hatten die Autos der japanischen Marke in etwa den Charme und Esprit eines Stadtbusses auf der Nachtlinie - vom Platzangebot mal abgesehen.

Suzuki

Der neue Ignis jedoch hat nicht nur eine markante Karosserie, die mit einem schmalen Aufbau über den breiten Radkästen, der Dreistreifenprägung auf der C-Säule und dem schrägen Heck ähnlich polarisieren dürfte wie seinerzeit die des Nissan Juke. Er bekennt auch Farbe. Und zwar nicht nur beim Blech, sondern auch im Innenraum. Warum? Der Bonsai-SUV soll laut Marketingangaben vor allem die sogenannte "Generation Y" ansprechen und so den Kundenstamm der Marke verjüngen. Das wäre mit der üblichen Tristesse in Grau kaum geglückt.

Suzuki setzt bei der Eroberungsmission aber nicht nur auf Emotionen, sondern auch auf Elektronik. Daher erhält der Ignis zwei für diese Klasse eher ungewöhnliche Extras: Hinter dem Innenspiegel etwa eine Stereokamera, die Fußgänger oder Vorausfahrende in Gefahrensituationen mit einer Notbremsung schützt, bei der Spurführung hilft und zudem die Aufmerksamkeit des Fahrers überwacht. Und über der Mittelkonsole thront ein großer Touchscreen, der neben der Navigation auch der Smartphone-Integration mittels Apple Car Play oder Android Auto dient.

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Autogramm Suzuki Ignis: Der bunte Knirps

Obwohl sich der Ignis so an die Generation Smartphone ranschmeißt, beherrscht er auch ein paar klassische Tugenden und bietet zum Beispiel auf kleiner Fläche überraschend viel Platz. In der ersten Reihe sitzt man sehr bequem und in der zweiten zumindest leidlich. Und wem die 260 Liter Kofferraumvolumen nicht genügen, der kann die beiden Hälften der geteilten Rückbank einzeln um rund 15 Zentimeter in Längsrichtung verschieben. Die Rücksitzlehnen umklappen geht natürlich auch, dann wächst der Stauraum auf 1100 Liter. Auch das ist eher selten bei Autozwergen.

Fahrfreude ist weniger eine Stärke des Suzuki Ignis. Dass der Kleinwagen vor allem in der Stadt großen Spaß macht, liegt weniger am müden Motörchen, das ordentlich Drehzahl braucht, um überhaupt auf Trab zu kommen, das dann aber mit penetrantem Knurren quittiert. Die Würze liegt vielmehr in der Kürze und darin, dass der Ignis klein, leicht und handlich ist, und man ihn so spielend durch die engsten Lücken zirkeln kann. Trotz der breiten C-Säule und der schräg stehenden Heckscheibe ist die Aussicht aus dem Auto überraschend gut.

Das muss man wissen: Der Modellname Ignis ist nicht neu bei Suzuki. So hieß zwischen 2002 und 2007 ein eher langweiliger Kleinwagen, mit dem das neue Auto jedoch nichts gemein hat. Der neue Ignis wird ab 14. Januar bei den Händlern stehen und in der Basisversion 11.900 Euro kosten; mit allen Extras inklusive Allradantrieb steigt der Preis dann auf knapp 18.000 Euro.

Hinter dem konventionell gestalteten Kühlergrill steckt bei jedem Ignis ein 1,2 Liter großer Vierzylinder-Benziner mit 90 PS Leistung und 120 Nm Drehmoment, der den Wagen auf bis zu 170 km/h beschleunigt und, je nachdem ob mit Front- oder Allradantrieb ausgestattet, im Durchschnitt 4,6 oder 5,0 Liter verbraucht. Wer sparsamer unterwegs sein möchte, kann den Ignis auch als "Smart Hybrid" bestellen.

Der Begriff Hybrid mag technisch korrekt sein, tatsächlich verbirgt sich dahinter grob gesagt nur eine bessere Start-Stopp-Automatik, die 800 Euro Aufpreis kostet, dafür aber eine Lithium-Ionen-Batterie bietet. In Verbindung mit einem leistungsstarken Startergenerator soll die Technik immerhin 0,3 Liter Sprit je 100 Kilometer sparen.

Das werden wir nicht vergessen: Die trommelförmige Klimakonsole nach Art eines Ghettoblasters aus den Achtzigerjahren.

Fahrzeugschein
Hersteller: Suzuki
Typ: Ignis
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.242 ccm
Leistung: 90 PS (66 kW)
Drehmoment: 120 Nm
Von 0 auf 100: 11,9 s
Höchstgeschw.: 165 km/h
Verbrauch (ECE): 5,0 Liter
CO2-Ausstoß: 114 g/km
Kofferraum: 204 Liter
umgebaut: 1.086 Liter
Gewicht: 945 kg
Maße: 3700 / 1660 / 1595
Preis: 15.990 EUR
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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
deBeers 02.01.2017
1. Hübsch
Ein attraktiver Zwerg
cindy2009 02.01.2017
2. und wieder mal...
800 Euro Aufpreis für etwas, dass bei anderen kostenlos dabei ist. Es geht mal wieder um den unsäglichen Flottenverbrauch.
upalatus 02.01.2017
3.
Beim Anblick des wie ein angedocktes Tablet wirkende Touchscreen kann man mancherlei Vision haben. Das Fahrzeug, die Hülle, geht ins Beliebige; Kernstück, Kommandozentrale, das Herz, wird das persönliche Tablet, das simpel angedockt wird (in jedes beliebige Grundfahrzeug) und von ambience light steuerung bis Routensteuerung und natürlich die online vernetzung liefert und abarbeitet. Nebenbei auch die Nutzungszeit fürs gesharte Basisfahrzeug erfasst, und aus Daten wie Fahrweise oder gescannte Augenbewegungen (müde=Risikozuschlag, Fit=Rabatt) das optimale Nutzungsentgelt ermittelt, und gleich überweist. Die Basisfahrzeuge können dann modul class gold, class premium und class nixerreicht benannt werden. Obwohl ein simpler Farbcode a la ampelart anstatt Bezeichnungen noch hipper daherkäm. Heut fahr ich Grün (klein, mager, leicht, partiell aus Bast geknüpft (ernsthaft) ...), oder Heut fahr ich Orange (stark, Alu/Titanmix, allrad, Hinternmassage und Nebelhorn....) ....... . Heut fahr ich Schwarz oder gar Blau wär dagegen historisch zu sehr belastet. Oder man pappt sämtlichste tablet features auf den ultimativ ausentwickelte personal cubbo. Alles drauf, identity, driving licence, Krankenakte, Leistungsstatus, Lieblingsmusik, Paarungsbereitschaft, einfach alles...... . Reinstecken und los.
Leser161 02.01.2017
4. Schick
Das Marketingsprech und die Smartirgendwasfeature sind zwar für die Tonne, aber das Design finde ich sehr ansprechend. Inwieweit 90 PS sich müde anfühlen können verstehe ich nicht, muss der Autor halt schalten. Wermutstropfen: Solange Autos mit niedrigem Verkehrsflächenverbrauch nicht vom Gesetzgeber bevorteilt werden, bietet das Auto leider keine Vorteile gegenüber einem gleichteuren Kompaktkombi mit mehr Ladevolumen und besserer Langstreckentauglichkeit.
garfield 02.01.2017
5.
Wenn schon "Fahrzeugschein", dann gehören da auf jeden Fall auch die Schlüsselnummern für Hersteller UND Typ(en) hin, damit sich Interessenten schon mal schlau machen können, wie weit die Versicherung die Hand aufhält. Nun ja, ich bin für orange im Auto wohl etwas "über" dem angepeilten Zielgruppen-Alter. Wenn schon Design-Auflockerung, stehe ich nach wie vor auf "Holz". Dafür ist der Kleine aber wohl nicht die richtige Preisklasse. Allerdings sind die heute üblichen Farbtöne bei "Holz" - also sowas wie "Silberesche", "Schwarzpappel" und "Alu-Birke" oder was es da an so ungemein "natürlichen" Holztönen gibt, noch grausliger als ein orangefarbener Türgriff.
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