Suzuki Swift Rallye Röhrendes Hirschlein

Suzuki ist gründlich, was den Image-Neuaufbau als Autohersteller anlangt. Sportlich und frisch soll die Marke erscheinen, deshalb engagieren sich die Japaner beim Rodeln, BMX-Radeln, Biathlon und im Rallyesport. Das Rallye-Auto können nun auch Alltagsfahrer erwerben.

Von Jürgen Pander


Wahrscheinlich bin ich knallrot und vermutlich erwecke ich den Eindruck, als würde ich am liebsten im Erdboden - oder soll ich sagen im Rennschalensitz - versinken. Der Eindruck ist nicht falsch. Doch weder klappt das mit dem Versinken, denn ich bin mit einem Sechspunkt-Gurt befestigt, noch verschwindet die Gesichtsfarbe auf Wunsch, denn der Grund des Errötens verschwindet ja auch nicht: es handelt sich um monströses Gedröhn und heiseres Fauchen, das der HJS-Sportauspuff-Anlage entweicht, über die der Suzuki Swift Rallye ausatmet. Mitten im feinen Hamburger Elbvorort Blankenese wirkt das ähnlich deplatziert wie eine Baseballkappe bei den Salzburger Festspielen.

Dabei verbreitet das Auto, der Suzuki Swift im Rallyetrimm, einen durchaus possierlichen Eindruck. Der Kleinwagen sieht trotz seiner grellroten Lackierung und den vielen Aufklebern noch immer nach fröhlich-flinkem Stadtauto aus. Nichts martialisches ist an ihm - außer eben jenem wütenden Gebrüll, das dem 1,6-Liter-Vierzylinder entweicht, der auf 135 PS gekitzelt ist und das Wägelchen in 7,8 Sekunden von 0 auf Tempo 100 katapultiert sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h möglich macht.

Eigentlich bietet Suzuki dieses Auto für Nachwuchs-Rallyefahrer an, die in der Gruppe N erste Erfahrungen sammeln wollen. Die Japaner haben dazu extra den Suzuki-Rallye-Cup ins Leben gerufen, in dem derzeit 21 Teams eingeschrieben sind und mit eben jedem aufgebrezelten Swift um den schnellsten Drift und die fixeste Etappenzeit kämpfen. Suzuki ist mit einem sehr viel wilderen Modell (zunächst mit dem Typ Ignis, dann mit dem Swift) seit 2002 in der Junior Rallye Weltmeisterschaft (JWRC) aktiv und ergatterte dort vor drei Jahren den Titel.

Suzuki bereitet sich auf die Rallye-Königsklasse vor

Noch in diesem Jahr werden die Japaner in der Königsklasse des Rallyesports, in der WRC nämlich, antreten. Bei der Frankreich-Rallye auf Korsika und bei der Großbritannien-Rallye in Wales. Die Auftritte sind als Testläufe gedacht, denn im kommenden Jahr dann steigt Suzuki mit dem Modell SX4 WRC in das Weltmeisterschaftspektakel ein.

Echte Fans können dann, mit dem straßenzugelassenen Swift-Rallye-Modell, die Drifts und Schwenks der Asse auf heimischen Feldwegen nachfahren. Oder jedenfalls so tun als ob. Die Atmosphäre im Auto jedenfalls stimmt. Man sitzt im Rennschalensitz ähnlich unbeweglich wie in einem Schraubstock, Verkleidungen im Innenraum gibt es so gut wie keine, dafür bilden die Stangen eines Überrollkäfigs ein ungewohntes Bild für einen Pkw. Derart gestrippt wiegt der Suzuki Swift Rallye gerade mal 990 Kilogramm.

Wenn man mit dem Auto unterwegs ist - und zwar auf normalen Straßen und unter strikter Beachtung der Straßenverkehrsordnung -, spürt man durchaus den Unterschied. Dies ist Fahren pur: direkt, laut, rau. Man guckt auf derbe Schalter, greift zu einem nackt emporragenden Schaltknüppel und erhält auf jede kleinste Bewegung am Lenkrad, Gas- oder Bremspedal eine prompte Rückmeldung. Für kurze Zeit ist das aufregend und animiert zu kurzen Zwischengasstößen (mit unmittelbar darauf folgender Gesichtsröte) sowie zu zackig gefahrenen Kurven. Doch schon nach ein paar Minuten wird dieser Stil extrem anstrengend und der Spaßfaktor sinkt gen null.

Zum Glück sind moderne Kleinwagen ganz anders

Es hat schon seinen Sinn, dass moderne Kleinwagen - auch der zivile Swift - so sind wie sie sind. Komfortabel gefedert, moderat motorisiert und behaglich eingerichtet. Mit bequemen Sitzen, flüsterleisem Gebläse und einem Fahrverhalten, dass dem einer sehr viel größeren Limousine zumindest nahe kommt.

Suzuki setzt natürlich dennoch weiter auf den Rallyesport, denn die flotten Feger färben durchaus ab auf die normalen Serienautos. Und das ist ja der Sinn der Aktion. Wer den Swift Rallye ordert, um damit am Werkscup teilzunehmen, zahlt übrigens 22.500 Euro für das Auto. Erforderlich ist dann noch eine "Motorsportlizenz National A", um an den Start gehen zu dürfen. Praktischerweise bieten die Japaner einen dreistufigen Fahrertrainingskurs an, der schließlich genau mit eben jener Lizenz endet. Es können aber auch Privatiers den Swift im Rallyedress und mit allen Schikanen erwerben. Dann kostet das Auto 27.900 Euro. Bis jetzt aber hat sich noch niemand getraut.



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