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Tesla Model 3: Ein Display, um abzulenken

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Tesla Model 3 Die Flimmerkiste

Tesla will mit dem Model 3 in der Mittelklasse angreifen - nach Deutschland kommt das E-Auto jedoch erst 2019. Der SPIEGEL ist den Wagen trotzdem schon gefahren.

Licht und Schatten liegen beim Tesla Model 3 nah beieinander. Besonders offensichtlich wird das im Fond des Wagens. Von oben fällt Sonnenschein durch das große Panoramaglasdach, es gibt jede Menge Platz und zwei USB-Ports für die Passagiere auf dem Rücksitz - alles da, was man im Jahr 2018 eben so braucht. Doch nur wenige Zentimeter entfernt lauern, stets in Sichtweite, die Neunzigerjahre: In Form zweier Luftauslässe, die eher in einen 20 Jahre alten Kleinwagen passen würden als in ein 50.000-Euro-Auto.

Momente wie diesen erlebt man im Model 3 immer wieder. Leider. Denn eigentlich hat das Auto alles, um auch auf dem deutschen Markt richtig durchzustarten. Es passt beispielsweise wirklich auf europäische Straßen, im Gegensatz zum Model S: Der Neue ist zehn Zentimeter schmaler und rund 30 Zentimeter kürzer und passt damit auf die meisten Parkplätze diesseits des Atlantiks.

Dezente Alternative

Die geringere Größe macht ihn jedoch nicht weniger zu einem Tesla, das Model 3 ist unverkennbar ein Werk aus Elon Musks Elektroschmiede - allerdings ein angenehm dezentes. Wenn der Wagen im Verkehr vorbeischwimmt, fällt er im ersten Moment deutlich weniger stark auf als die Limousine S oder gar der SUV X - obwohl das Model 3 athletischer aussieht. Das liegt vor allem an der geschwungenen Front und den ausgeprägten Kotflügeln, die an den Fisker Karma erinnern.

Schlichtheit empfängt den Fahrer auch im Innenraum: Es gibt ganze sechs Knöpfe, jeweils ein Rädchen rechts und links am Lenkrad, sowie je einen an jeder Tür - ein klassischer Hebel wäre schließlich zu banal. Dazu gibt es noch ganze zwei Hebel, einen für die Scheibenwaschanlage, der andere wählt die Fahrstufe. Dahinter zieht sich eine schlichte Holzleiste quer durchs Cockpit, die Lüfter verstecken sich elegant in einem Schlitz darüber. Das Cockpit ist extrem aufgeräumt und lässt sogar das Cockpit des Model S beinahe wie ein Barockschlösschen aussehen. Das lenkt die Aufmerksamkeit entweder auf die Straße - oder auf die riesige Flimmerkiste in der Mitte des Wagens.

Alle Armaturen in einer

Denn in der Mitte des Armaturenbretts, das eigentlich besser Armaturbrett heißen sollte, thront das markentypische Mega-Display. Eine Armatur macht hier alles: Tacho, Reichweite, die Steuerung von Navigationssystem und Klimaanlage, was auch immer der Wagen kann, es wird auf diesem Bildschirm angezeigt.

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Tesla Model 3: Ein Display, um abzulenken

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Die Bedienung wird dadurch jedoch nur bedingt leichter. Statt piktogrammbewehrter Knöpfe und Schalter müssen sich Fahrer und Beifahrer jetzt durch Menüs und Untermenüs klicken - zum Beispiel, um das Handschuhfach zu öffnen. Braucht's das? Das Design des Wagens mag aus einem Guss sein, so fügt sich beispielsweise auch der schlanke, silberne Innenspiegel elegant ins Wageninnere ein. Trotzdem bleibt immer das Gefühl, dass sich hier vor allem Designer austoben durften. Die vielen Klavierlackelemente mögen zwar schön sein - sind aber Nullkommanichts voller fettiger Fingerabdrücke. Dasselbe gilt für die verchromten Türgriffe. Wen so etwas stört, oder wem der Umgang mit dem Smartphone Probleme bereitet, der sollte also besser die Finger vom Model 3 lassen - oder immer einen geduldigen Beifahrer samt Putztuch dabeihaben.

Elektrischer Landstraßenräuber

Andererseits: Sobald der Tesla rollt, ist das alles Nebensache. Denn das Model 3 ist wahrscheinlich das sportlichste Modell in dieser Preisklasse: Die Beschleunigung ist zwar nicht ganz so heftig wie im Model S, aber immer noch brachial genug. Beim Einbiegen auf die Landstraße ist plötzlich fast jede Lücke groß genug, statt der von Skeptikern viel zitierten Reichweitenangst breitet sich im Kopf eher die Angst vor Radarfallen aus - denn bis die Augen intuitiv den Tacho in der linken oberen Ecke des Displays finden, dauert es vermutlich etwas.

Das Auf und Ab des Model 3

Der ist beim Model 3 jedoch nötig, denn der Tesla ist wie gemacht für verwinkelte Landstraßen: Er ist nicht nur kleiner als die übrigen Modelle der Marke, sondern auch agiler und folgt jedem Lenkimpuls sofort. Der Wagen liegt durch den tiefen Schwerpunkt extrem gut auf der Straße und folgt den Händen des Fahrers so spielend, gefühlt reicht eine Viertelumdrehung des Lenkrads für einen U-Turn. Also Fenster runter und das beinahe lautlose Fahrerlebnis genießen.

Zu langer Bremsweg

Übertreiben sollte man es jedoch nicht, denn ein wichtiges Teil des Model 3 ist leider nicht besonders sportlich: die Bremsen. Bei einem Test des US-Verbrauchermagazins Consumer Reports  schnitt der Tesla schlecht ab: 46 Meter brauchte das Model 3, um aus 100 Kilometern pro Stunde zum Stehen zu kommen - deutlich zu viel für eine Mittelklasselimousine, normal wäre ein Wert nahe der 30-Meter-Marke.

Am Ende bleiben das grandiose Fahrerlebnis und der moderne, extrem spartanische Innenraum im Kopf - aber eben auch die vielen vermeidbaren Schwächen. Die gleicht der Tesla beim Öffnen der Tür jedoch charmant aus: Die Scheiben sind immer noch heruntergefahren und sind natürlich rahmenlos - und einem Auto mit rahmenlosen Scheiben verzeiht man doch fast alles.

Hersteller:Tesla
Typ:Model 3
Karosserie:Limousine
Motor:Elektrisch
Getriebe:Einstufenautomatik
Antrieb:Heck
Leistung PS:261 PS
Leistung kW:192 kW
Drehmoment:525 Nm
Von 0 auf 100:5,1 Sek.
Höchstgeschw.:225 km/h
CO2-Ausstoß:0 g/km
Gewicht:2.180 kg
Maße:4694/2087/1442
Preis:48.000 €
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