Autogramm Tesla Model Y Das Raumschiff ist gelandet

Tesla will das Model Y bald in Brandenburg bauen. Mit einem US-Exemplar des SUV war unser Autor nun erstmals in Europa unterwegs. Manches hat ihn beeindruckt, doch ein paar deutsche Autotugenden könnte der Wagen gut gebrauchen.
Das Tesla Model Y soll der Verkaufsschlager des US-Elektrobauers werden

Das Tesla Model Y soll der Verkaufsschlager des US-Elektrobauers werden

Foto: Frank Ratering

Der erste Eindruck: Ein SUV mit Glattrasur. Während andere Modelle dieser Bauart sich bemühen, durch Planken und Kanten robust und rustikal zu wirken, ist das Model Y fast so konturlos wie ein Stück Seife.

Das sagt der Hersteller: Mit dem Tesla Y steigt die Marke in das stark wachsende Segment der kompakten SUV ein. Unternehmenschef Elon Musk will mittelfristig mehr Model Y produzieren als von den drei anderen Baureihen S, X und 3 zusammen. Den Erfolg bringen soll eine Kombination, die im Elektrobereich noch einzigartig ist. "Das Model Y bietet die Praktikabilität und die Variabilität eines SUV und die Fahrleistungen eines Sportwagens", schwärmt er. Der Elektroantrieb selbst ist längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr für Tesla - schon gar nicht in dieser Klasse. Neben dem Model Y rollt ein halbes Dutzend Elektro-SUV an den Start. Der VW-Konzern startet mit vier Modellen wie dem ID 4 bei der Muttermarke, dem Enyaq bei Skoda, dem Q4 E-Tron bei Audi und dem El Born bei Seat. Hyundai kommt mit einem 45, und bei BMW läuft sich der iX4 warm.

Das ist uns aufgefallen: Haaalloo? Wer zum ersten Mal ins Model Y einsteigt, möchte fast das Echo testen, so geräumig ist die Kabine. Dagegen wirken selbst deutlich größere Autos beklemmend - erst recht, wenn sie konventioneller Machart sind. Der Elektroantrieb lässt mehr Raum für die Passagiere. Zudem ist das Cockpit radikal reduziert. Tesla hat alle Schalter bis auf die Fensterheber und den Warnblinker verbannt und die Instrumente hinter dem Lenkrad eingespart. Einziges Anzeige- und Bedienelement ist der riesige Tablet-Computer. Dort indes verliert man sich schon mal in den Menüs, bis etwa Lenkrad oder Spiegel eingestellt sind, oder wenn während des Fahrens Informationen über Tempo, Reichweite und den erfreulich zuverlässigen Autopiloten eingeblendet werden. Der leer wirkende Innenraum ist zwar schon vom Model 3 bekannt. Im Model Y aber wird der Effekt durch die höhere Karosserie, die erhöhte Sitzposition und das riesige Panoramadach gesteigert. Bequemer ein- und aussteigen kann man bei diesem Zuschnitt auch.

Fotostrecke

Tesla Model Y - wird das der Volks-Tesla?

Foto: Frank Ratering

Komfortabler geht es besonders im Fonds zu, weil das Model Y zwei Handbreit höher ist als das Model 3 und etwas länger (4,75 Meter) sowie breiter (1,92 Meter). Erst recht, weil die Rücklehne in der zweiten Reihe in der Neigung verstellt werden kann. Dank der am Dach angeschlagenen Kofferraumklappe lässt sich das Gepäckabteil besser nutzten als durch die Luke im Model 3. Zumal das Model Y zusammen mit dem Staufach im Bug imposante 1900 Liter Laderaum bietet. Dass im Kofferraum allerdings wie vorgesehen eine dritte Sitzreihe Platz finden soll, ist kaum vorstellbar - es wäre indes ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des Model Y.

So anders sich Tesla gern gibt - beim Fahren setzen die Amerikaner auf alte Werte, die sonst allenfalls noch für Tuningschmieden wie AMG und Co. bedeutsam sind. Die wenigen Daten, die Tesla offiziell nennt, widmen sich - neben der Reichweite - Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit. Zwar gibt es kaum eine Antriebsart, bei der Raserei sinnloser ist als bei Stromern, weil die Batterie dabei schnell in die Knie geht. Und doch: Mit einem Sprintwert von 3,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und bis zu 241 km/h Höchstgeschwindigkeit löst das Model Y Elon Musks Versprechen vom Sportwagen unter den SUV ein. Die elektrische Konkurrenz ist in der Regel auf 180 km/h limitiert. Anders als das ungelenke Model X wirkt das Model Y fahrerisch souverän und lässt sich in engen Kurven nicht aus der Ruhe bringen.

360°-Ansicht

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Tesla Model Y mit unserem 360-Grad-Foto

Das muss man wissen: Weil die ersten Exemplare des Model Y im US-Werk Fremont noch kurz vor dem Corona-Lockdown produziert wurden, ist die vierte Tesla-Baureihe in den USA bereits im Handel. Die Autos für Europa will Elon Musk in der noch zu bauenden Gigafactory bei Berlin fertigen, daher wird der Verkauf hierzulande frühestens im Sommer 2021 beginnen. In Anbetracht der eher willkürlichen Fugen- und Farbverläufe am Testwagen können Übung bei der Montage und das Gütesiegel "Made in Germany" nur helfen.

Der späte Start hindert Tesla nicht daran, pro Auto schon mal 2000 Euro Reservierungsgebühr einzusammeln, für das Long-Range-Modell (Preis: 58.620 Euro) oder das Performance-Modell (65.620 Euro). Angetrieben werden beide Varianten von je einem Motor pro Achse. Das Long-Range-Modell soll 505 Kilometer bieten, die Performance-Version 480. Die Long-Range-Variante beschleunigt etwas weniger rasant, und die Höchstgeschwindigkeit liegt "nur" bei 217 km/h. Geladen wird im besten Fall an einem der weltweit 16.000 Supercharger, der in 15 Minuten Energie für 270 Kilometer liefert.

Noch später, vermutlich nicht vor Sommer 2022, wird es dann noch ein Basismodell geben, das in Deutschland um die 45.000 Euro kosten dürfte. Nur mit Hinterradantrieb ausgestattet, sind für diese Variante knapp 400 Kilometer Reichweite und rund 200 km/h Höchstgeschwindigkeit zu erwarten. 

Das werden wir nicht vergessen: Der Kofferraum ist zwar riesig, aber nicht so variabel wie bei manchen Konkurrenten. Und statt der Gestensteuerung, mit der man die Klappe durch einen angedeuteten Fußtritt öffnet, gibt's beim ansonsten schalterlosen Tesla einen Taster. Auch eine verschiebbare Rückbank bietet der Tesla nicht, und sogar die Kofferraumabdeckung wurde vergessen. Aber vielleicht ist eine Hutablage für Tesla auch einfach zu altmodisch. 

Hersteller:

Tesla

Typ:

Model Y Performance

Karosserie:

SUV

Motor:

zwei E-Maschinen

Getriebe:

Eingang-Automatik

Antrieb:

Allradantrieb

Reichweite:

480 km

Von 0 auf 100:

3,7 s

Höchstgeschw.:

241 km/h

Maße (Länge/ Breite/ Höhe - ca.-Werte):

4750 / 1920 / 1620

CO2-Ausstoß:

0 g/km

Kofferraum:

1900 Liter

Preis:

65.620 Euro

Dieser erste Test auf europäischen Straßen mit einem frei importierten Model Y wurde ermöglicht durch die Autovermietung Nextmove. Die Berichterstattung erfolgt davon unabhängig.

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