Schlitten von VW, Audi, Mercedes, BMW und Ford Mit diesen Automarken geht's bergab

Ein baugleiches Modell von Mercedes und BMW, Billigware von Audi: Was taugen die Rodelschlitten von Autoherstellern? Vier Drittklässler haben mit ihnen eine Rutschpartie unternommen. Ein schonungsloser Fahrbericht.

Jürgen Pander

Der erste Eindruck: Alles Plastik. Wer klassische Holzrodel liebt, dem kommen beim Anblick der Auto-Schlitten von Audi, BMW, Ford, Mercedes und VW erst mal die Tränen. Die Plastikrodel sind zwar bunt und mit Aufklebern verziert, wirken aber wesentlich plumper als die filigranen Old-School-Lattenkonstruktionen. Immerhin, die Modelle von BMW, Ford, Mercedes und VW tragen aufgeschraubte Metallkufen.

Das sagen die Hersteller: Je früher, desto besser. Kein Mensch ist zu jung, um nicht als potenzieller Kunde angelockt zu werden. Also besorgen sich die Autobauer von Spielwarenfirmen Schlitten, geben ihnen Namen wie "Crazy Bob" (VW) oder "Bobby-Benz" (Mercedes) und packen sie, beworben als "wahre Schneemaschine" (BMW) oder das "ideale Geschenk für kleine Ford-Fans im Winter" (Ford), in den Zubehör-Katalog.

Audi beispielsweise verspricht dort "Schneespaß für die Audi-Fans, die noch keinen Führerschein haben". Oder keinen Führerschein mehr haben - denn das simple Rutschgefährt der Firma Big in Burghaslach ist für eine Belastung von bis zu 100 Kilogramm ausgelegt.

Das ist uns aufgefallen: Bei den Schlitten gehen Autohersteller interessante Allianzen ein. Die Lenkbobs von BMW und Mercedes sind zum Beispiel baugleich.

Und dank der beweglichen vorderen Mittelkufe ließen sich die beiden silberfarbenen Modelle, die sich lediglich durch ihre Beklebung voneinander unterscheiden, am präzisesten um die Slalom-Hütchen steuern. "Die lassen sich am besten lenken", lautete das einhellige Urteil unserer Testkinder Kalina, Leni, Karol und Niklas, die die Schlitten in der Skihalle Snow Dome in Bispingen probefuhren. Allerdings wurde ebenso unisono kritisiert, dass die Lenkschlitten zu kippelig seien.

Im krassen Gegensatz dazu steht der Audi-Schlitten. Der knallrote Einsitzer mit zwei Haltegriffen ist nichts weiter als ein Rutschkissen, auf dem man zwar zügig, aber auch ziemlich unkontrolliert abwärts trudelt. Von wegen Premiumhersteller!

Die Schlitten von VW und Ford wiederum sind im Retro-Look gehalten, ahmen also die klassische Rodelform nach. "Von einem VW-Schlitten hätte ich eigentlich auch ein Lenkrad erwartet", kommentierte Karol die Starrkufen-Bauweise des GTI-Bobs.

Kalina wiederum gefiel gerade das althergebrachte Konzept, "lenkt gut, bremst gut und man sitzt gut". Leni sah das ganz ähnlich, favorisierte aber das etwas längere und höhere Modell von Ford, denn das sei "noch bequemer, noch schneller und auch für zwei oder drei Kinder geeignet".

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Schlitten von VW, Audi, Mercedes, BMW und Ford: Guter Rutsch!
Das muss man wissen: Auch wenn BMW suggeriert, den "Snow Pacer" selbst entwickelt zu haben ("... auch Ergonomie stand bei der Entwicklung dieses hochwertigen Schlittens im Fokus unserer Experten ...") - dieser und alle anderen getesteten Modelle werden von Spielwarenherstellern zugekauft. Es greift also auch hier das in der Autoindustrie übliche Zuliefererprinzip.

Die Markenliebe muss übrigens ausgeprägt sein, um statt eines normalen Modells einen von Autoherstellern beklebten Schlitten zu kaufen - bis auf das Design sind sie nämlich baugleich, aber teurer. Während der Lenkbob des Spielwarenherstellers Big im Original für knapp 50 Euro zu haben ist, kostet das identische Modell mit BMW- oder Mercdes-Markenlogo rund 30 Euro mehr.

Der einfache "Snow Bob mit Zugseil" von Audi ist mit einem Preis von 39 Euro der billigste der fünf getesteten Schlitten. Der teuerste ist der große Rodel von Ford für 84,90 Euro, und dazwischen liegt der von VW für 64,90 Euro.

Die Traglast der Rodel reicht von etwa 60 Kilogramm (BMW, Mercedes) über 75 Kilogramm (VW) bis hin zu 100 Kilogramm (Ford, Audi). Ein Zugseil, um den Schlitten nach der Rutschpartie auf eigenen Kufen wieder bergauf zu ziehen, gehört bei allen getesteten Modellen zur Serienausstattung.

Kleiner Tipp für Kinder vom Lande: Den Ford-Schlitten gibt es auch in grün und mit dem Logo des Traktorenherstellers John Deere.

Das werden wir nicht vergessen: Die erfrischende Unbefangenheit, mit der die vier Testkinder den Rodelmarathon absolvierten. BMW? Ford? Mercedes? Völlig egal. Viel wichtiger waren Leni, Kalina, Niklas und Karol die Farben der Rodel (Silber fiel durch) und dass es mit ihnen möglichst schnell abwärts ging.

Nach drei intensiven Stunden im Kunstschnee jedenfalls stand einmal mehr fest, dass kindliche Markenbindung - wenn überhaupt - sehr unbewusst vonstatten geht.

Von Anne Martin, Martin Jäschke (Video) und Jürgen Pander



insgesamt 8 Beiträge
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monolithos 16.12.2014
1. Alles wie im richtigen Leben
Alles wie im richtigen Autoleben: Mercedes und BMW bieten das gleiche an (A-Klasse = 1er, X6 = GLE Coupe; Schlitten = Schlitten), von Audi kommt nur Mist, VW macht auf Retro und allesamt sind sie zu teuer.
roflxd 16.12.2014
2.
Ein fahrbarer Untersatz mit einem Stern auf der Haube taugt immer mehr als ein "glamouröser" BMW. Merkt euch das und bleibt der edlen Marke treu, liebe Kinder.
Paradox77 16.12.2014
3. Sagen wir es mal auf deutsch
liebe-r-..roflxd... Hätten z.B. Opel, BMW, VW und Co, soviel Schrott produziert wie die Marke mit der Zielvorrichtung auf der Haube, sie wären längst Vergangenheit.Kann mich noch gut erinnern, dass die Dinger schon im Katlog gerostet sind, na bei manchen Modellen hat sich ja bis heute nicht viel geändert.
bembel71 16.12.2014
4. Unterschied zwischen Schlitten und Autos
Den Kindern sind die lächerlichen Auto-Logos auf den Schlitten ja offensichtlich egal. Denn auch Kinder wissen anscheinend, was der Unterschied zwischen einem Schlitten und einem Auto ist: Mit dem Schlitten kommt man schnell voran, steht nicht im Stau und muss nicht stundenlang einen Parkplatz suchen. Und natürlich ist man mit dem Schlitten an der frischen Luft und muss nicht im eigenen Benzin- und Abgasgestank verschmoren ;-)
elchfahrer 16.12.2014
5. da sieht
man, dass dies ein guter Test ist. Lasst mehr Kinder sprechen. Und Audi war immer schon überteuert. Unter dem Blech VW von der Stange.
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