Autogramm Toyota Corolla Cooles Comeback

Toyota mustert den Auris aus und fährt einen alten Bekannten vor. Der neue Kompakte der Japaner heißt: Corolla. Er vertreibt mit frischem Design die Langeweile der Vorgänger - und bietet dank kräftigem Hybrid sogar Fahrspaß.

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Der erste Eindruck: Bunter Hund statt graue Maus.

Das sagt der Hersteller: Chefingenieur Yasushi Ueda weiß, dass dem Corolla ein eher langweiliges Image anhaftet. "Ich bin zuversichtlich, dass wir dieses Bild mit der neuen Generation umkehren können", sagt er. Tatsächlich wirkt das neue Auto selbstbewusst. Wer möchte, bekommt sogar eine Zweifarblackierung. So wird Toyotas VW-Golf-Rivale vom farblosen Mitläufer zum Blickfang.

Ueda verweist bei der Präsentation des Wagens zudem auf die engagiertere Fahrwerksabstimmung, das mutigere Design und auf die Option eines zweiten, deutlich stärkeren Hybridantriebs. Die ersten Reaktionen von Testfahrern während der Entwicklung erfreuen Ueda: "Sie alle hatten ein breites Lächeln im Gesicht, als sie hinterm Steuer der Prototypen saßen. Diese Art von Wertschätzung macht mich stolz."

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Autogramm Toyota Corolla: Sportlich, sportlich!

Das ist uns aufgefallen: Dass der Corolla neuerdings tatsächlich Fahrspaß bieten will, merkt man schon vor dem Losfahren. Die Sitzposition ist tief, die Geometrie von Lenkrad und Pedalen wurde verändert und die Stühle so tief ausgeformt, dass sie einen förmlich einsaugen. Fast automatisch stellt man die Rückenlehne etwas steiler, greift fester zum Lenkrad, drückt erwartungsfroh den Startknopf und ist erst mal überrascht. Denn während das Display im Cockpit ein Pixel-Feuerwerk abbrennt, hört man - nichts.

Für ein Auto mit 180 PS ist das eher ungewöhnlich, für einen Toyota dagegen normal. Auch das sportlichste Corolla-Modell ist ein Hybrid, und der startet nun mal elektrisch. Doch der stille Start täuscht. Dank eines stärkeren E-Motors, der 80 statt 53 kW leistet und 202 statt 163 Nm Drehmoment bereitstellt, und einer größeren Pufferbatterie als Energiespender, dank eines kräftigeren Benziners, eines verfeinerten Getriebes und einer besseren Schalldämmung kommt tatsächlich Fahrspaß auf. Man hält bei einem Sprintwert von 7,9 Sekunden mit der TDI-Fraktion mit, und man lernt zu schätzen, dass Chefingenieur Ueda und sein Team viel Aufwand in die präzisere Lenkung und das neue Fahrwerk gesteckt haben.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Toyota Corolla - mit unserem 360-Grad-Foto:

So engagiert sich der starke Hybridantrieb anfühlt, es bleiben ein paar systembedingte Haken: Die elektrische Reichweite ist mit höchstens zwei Kilometern verschwindend gering (was normal ist bei Hybriden), und die Höchstgeschwindigkeit ist auf 180 km/h limitiert. In den meisten Ländern mag das mehr als genug sein. Doch solange es auf der hiesigen Autobahn noch kein allgemeines Tempolimit gibt, muss sich der Corolla von deutlich schwächeren Konkurrenten die Rücklichter zeigen lassen. Immerhin holt er sie aufgrund weniger Tankstopps (Normverbrauch 3,7 Liter) vermutlich trotzdem wieder ein.

Auffallend ist auch die neue Liebe zum Detail, die sich hie und da gegen den Kostendruck durchsetzt. So gibt es am Armaturenbrett endlich halbwegs hochwertige Materialien mit weichen Oberflächen, Farben jenseits der fifty Shades of Grey und eine kabellose Ladeschale fürs Smartphone. Andererseits fehlt Apple CarPlay, die digitalen Instrumente füllen nur das halbe Cockpit. So faszinierend die Grafiken über den Bildschirm flimmern, so altbacken sehen daneben analoge Instrumente wie Drehzahlmesser, Tankuhr und Temperaturskala aus.

Das muss man wissen: Wenn die zwölfte Generation des Corolla ab Mitte März zu Preisen ab 20.990 Euro in den Handel kommt, dann tritt der VW-Golf-Konkurrent in gleich drei Varianten an. Es gibt ihn als 4,37 Meter langen Fünftürer mit Steilheck, als Kombi und als Limousine. Der Kombi trägt den Namen Touring Sports, kostet mindestens 22.190 Euro, misst 4,65 Meter und bietet zwischen 598 und 1606 Liter Kofferraumvolumen. Dritte und zugleich langweiligste Variante ist die mindestens 27.990 Euro teure Limousine, deren Stufenheck bei 4,63 Meter Länge 471 Liter Fassungsvermögen bietet.

Neben dem Hybridmodell mit dem 2,0-Liter-Benziner und dem Lächeln im Gesicht der Testfahrer bietet Toyota für den Corolla noch zwei weitere Antriebsvarianten an. Den 1,8-Liter-Hybrid aus dem Prius, der auf eine Systemleistung von 122 PS kommt und im Schnitt 3,3 Liter Sprit schluckt. Zudem als einzigen konventionellen Antrieb einen 1,2-Liter-Turbobenziner mit 114 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h für das Basis-Modell. Der ist bei gleicher Ausstattung 3500 Euro billiger, verbraucht auf dem Prüfstand jedoch 1,5 Liter mehr (also 5,2 l/100 km) als der große Hybrid. Ein Dieselmotor wird nicht mehr angeboten.

Das werden wir nicht vergessen: Die Sitze, die Projektleiter Ueda für den sportlicheren der beiden Hybridtypen ausgewählt hat. Zum einen wirken sie mit ihrer tiefen Kontur, den hohen Seitenwangen und den nahezu integrierten Kopfstützen fast ein bisschen übertrieben, weil man auch bei 180 PS nun wirklich keine Schalensitze braucht. Andererseits zeigen sie, wie ernst Ueda das Fahrspaßversprechen ist. So ernst, dass es trotz vier Zentimeter mehr Radstand im Fond schon wieder eng wird.

Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: Corolla
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzlinder-Benziner plus Elektromaschine
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.997 ccm
Leistung: 180 PS (132 kW)
Leistung (E-Motor): 108 PS (80 kW)
Drehmoment: 190 Nm
Drehmoment (E-Motor): 202 Nm
Von 0 auf 100: 7,9 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Verbrauch (ECE): 3,7 Liter
CO2-Ausstoß: 85 g/km
Kofferraum: 313 Liter
umgebaut: 1.024 Liter
Gewicht: 1.340 kg
Maße: 4370 / 1790 / 1435
Versicherung: 27290 (HP)
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insgesamt 105 Beiträge
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1435mm 21.02.2019
1. Wer auf der Autobahn...
... schneller als 180 km/h fahren möchte, wird auch weiterhin einen Diesel fahren müssen. Der Benziner wird da einfach zu durstig und vom "Akkutriebwagen" brauchen wir da gar nicht erst zu reden, der wird dass, bei brauchbarer Reichweite, erst einmal nicht können. Ich denke, der Corolla Hybrid richtet sich an Menschen, die ohnehin nicht der Bleifussfraktion angehören, dort würde der Hybrid seine Stärken auch nicht wirklich zeigen können. Was mich etwas stutzig macht ist die Aussage, dass erst ab 180km/h Schalensitze benötigt werden, dies kann ich nicht so nachvollziehen. Bei uns sind es doch überwiegend die Landstraßen, die auch bei erlaubtem Tempo durchfahren, die engsten Kurven haben, und hier machen sie dann Sinn.
quark2@mailinator.com 21.02.2019
2.
Das heißt Twix eben wieder Raider ... Was gab es nicht für goldige Lyrik, als aus dem Corolla der Auris wurde. Nun also die Rückwärtsrolle. Den Käufern dürfte es egal sein. Das Auto selbst war immer praktisch und bleibt seiner Linie treu ... Vielleicht kommt es mal zum Aurolla :-).
Alias_aka_InCognito 21.02.2019
3.
Der Corolla hat wegen seiner Zuverlässigkeit und Robustheit eine sehr große weltweite Verbreitung. Als ich vor einigen Jahren dienstlich unterwegs war in den Scheichländern, Türkei und Mexiko, konnte man eine regelrechte Corolla-Monokultur beobachten. Die Fahrer meinten, dass durch das einheitliche Modell der Service und die Ersatzteilbeschaffung viel besser verfügbar sind, deutsche Autos sind dort eher Exoten und Nischenmodelle. Das ist auch dadurch bedingt, dass die meisten Länder eben keine eigene Autoindustrie haben und so eine Situation man in Deutschland gar nicht kennt. Persönlich fahre ich auch schon lange einen Japaner, der aber eher zur oberen Mittelklasse tendiert.
derfriemel 21.02.2019
4. Toyota?
Toyota? Das sind doch die, die diese dubiose Deutsche Umwelthilfe finanziell unterstützt haben, damit sie den Dieselskandal lostreten können. Nee lasst mal lieber. Von dem Laden würde ich nicht mal eine Schraube kaufen. Lieber zu Fuß laufen als einen Toyota fahren.
seemann65 21.02.2019
5. Welchen Sinn
Machen 180ps wenn bei 180 Schluss ist ,das schaffen Polo und Mazda 2 auch mit 90 und liegen im Vergleich zum Verbrauch auf fast gleichen Werten als das sinnlose Hybrid System. Von der Optik schlimmer wie der Vorgänger .
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