Triumph Spitfire, Baujahr 1972 Feuerspuckender Charmeur

Ein besonderes Gefährt kann auch dem Besitzer ungeahnte Popularität bescheren: bei Kindern, Hunden und sogar Polizeibeamten. SPIEGEL-ONLINE-Leser Frank R. Schulz berichtet von einer Freundschaft zwischen Mensch und Auto, die im zarten Alter von vier Jahren begann.


Das Durchschnittsalter der rund 46 Millionen Pkw in Deutschland liegt bei knapp acht Jahren, einige Autos sind noch deutlich älter. SPIEGEL ONLINE testet mit Hilfe der Leser, wo die Stärken und Schwächen des Altmetalls liegen. Diesmal berichtet Frank R. Schulz aus Mainz über seinen Triumph Spitfire aus dem Baujahr 1972.

Frank R. Schulz:
Mein Auto ist ein Triumph Spitfire 1300 aus dem Baujahr 1972 mit 69 PS. Schon als Vierjähriger habe ich mich hinter den Beifahrersitz gezwängt und von dort aus die beeindruckenden Armaturen bestaunt - der Wagen gehörte einer Freundin der Familie. Neben dem Geschwindigkeitsmesser (Lucas-Tacho, reicht bis zu wahnwitzigen 200 km/h) war dort ein Drehzahlmesser, weiter rechts ein Voltmeter und Öldruckmesser. Wofür das alles gut ist, wusste ich damals natürlich nicht.

Feuerspuckendes Sorgenkind

Dass ich knapp zwanzig Jahre später eben jenes Fahrzeug aus erster Hand übernehmen würde, war damals noch nicht klar. Die Elemente hatten dem Kleinen schwer zugesetzt, als ich ihn in der Pfalz abholte. Die folgenden 16 Jahre widmete ich seinen Wehwehchen mit viel Geduld. Der Kurzhuber machte seinem Namen „Spitfire“ während dieser Zeit stets alle Ehre. Er spuckte auf Kommando immer zuverlässig Feuer, entgegen aller Unkenrufe und silbernen Zitronen. So konnte ich jahrelang die unfertige, rollende Restauration als Alltagsfahrzeug nutzen. Der moderate Verbrauch (acht Liter), das knackig kurz übersetzte Viergang-Getriebe und die Go-Kart-tiefe Sitzposition machen einen Riesenspaß.

Offen ist die Silhouette meines Spitfires unschlagbar. Auch wenn es die Alfisti nicht gerne hören, er sieht einfach besser aus als alle Spider dieser Welt. Auch moderne Nachahmer wie der Mazda MX-5 oder Fiat Barchetta können ihm nicht das Wasser reichen - nur auf der Autobahn sind die Jungspunde überlegen. Da möchte die alte britische Dame nicht gehetzt werden und ich nehme darauf Rücksicht. Bei 120 km/h fühlen wir uns schnell genug, 163 km/h sind nach Werksangaben lärmend möglich.

Fachsimpeln statt Pusten

Schnell und elegant aussehen, das ist die Devise. Das gilt auch an roten Ampeln. Dort bringt der kleine Roadster Passanten regelmäßig zum Schmunzeln und lenkt sie mit dem knallorange-farbenen Blechkleid von vermeintlich kostbareren Vehikeln ab. In Alkohol-Kontrollen, die wir in meiner Sturm- und Drang-Phase gleich im Dutzend gemeinsam überstanden, lässt der Spitfire den Beamten gegenüber seinen Charme spielen. So konnte er einmal sogar den avisierten Alkoholtest in eine Fachsimpelei steuern und rettete mich vor möglichen Sanktionen.

In den Kofferraum passen mühelos die Wocheneinkäufe, und der Fußraum auf der Beifahrerseite ist groß genug für unsere Mischlingshündin Filia. Gemeinsam fahren wir immer weiter, am liebsten am Rhein entlang. Die Kilometer zählt dabei schon lange niemand mehr.

Doch das jährliche Highlight findet im Sommer statt. Da besuchen wir die Erstbesitzerin, das ist wie eine Familienzusammenführung. Ihre Augen leuchten, wenn sie sich hinter das schmale, große Lenkrad schwingt. Beim letzten Mal erzählte die 72-jährige pensionierte Lehrerin, dass sie neben dem Schulhof einmal einen ihrer Schüler hörte, wie er zu seiner Mutter sagte: "Mama, wir haben eine neue Lehrerin. Die ist klasse, sie fährt Spitfire."



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Germanasty 27.02.2007
1. Wir müssen draussen bleiben
Damit dürfte es bald ein Ende haben. Dank der Feinstaubverordnung dürfen alle Fahrzeuge ohne Kat anb Juni 2008 die meisten Innenstädte nicht mehr befahren. Ausnahmen für Oltimer sind nicht vorgesehen.
klezmertronic, 27.02.2007
2. Vermillion Red, Bj '72
"Schweren Herzens" - so überschrieb ich Anno '82 die Kleinanzeige zum Verkauf meines '72er Spitfires. Der war, allen warnenden Kommentaren zum Trotz ("Kauf Dir lieber einen Golf. Der ist solide!"), zwei wunderbare Sommer lang mein motorisierter Begleiter ins Erwachsenenleben gewesen, für einen angehenden BAFöG-Empfänger aber nicht länger finanzierbar. Der Klang seines (vergleichsweise stabilen) 1300er Motors gehört mit zum Schönsten, was ich jemals aus einem Endtopf erklingen hörte, auch wenn zu meinen automobilen Gefährten seither vom Ur-Cinquecento bis zum grossen MB V8 so ziemlich alles zwischen 500 und 5000 ccm gehört hat. Ein Freund meiner Eltern beschied mir damals, mit dem Kauf des britischen Zweisitzers das Richtige gemacht zu haben: "So ein Auto muss man kaufen, wenn man jung ist. Sonst ärgert man sich im Alter darüber, es nicht getan zu haben." Und weil ich mich manchmal nach diesem unvernüftigen Klang zurücksehne, überlege ich mir, ob ich mir zum 25. Jahrestag des Verkaufs meiner ersten Autoliebe (Farbe "vermillion red") noch schnell einen kaufen soll, ehe Feinstaubverordnungen und Wirbelsäulenvorbehalte mich daran hindern.
the_internal, 27.02.2007
3.
8 Jahre hatte ich meinen '79er "Spiti". Von 1994 bis 2002. An dem Auto gab's keine Schraube, die ich nicht selbst angefasst hätte. Ein ewig undichter Motor, eine Hinterradaufhängung für die es keine Worte gibt und verlassen konnte ich mich meist auch nur auf eines: dass er NICHT anspringt, wenn ich ihn dringend brauchte. Aber die neidischen Blicke all jener, die keine Ahnung hatten, um was für ne Technik-Gurke es sich eigentlich handelt, haben alle Unannehmlichkeiten immer wieder aufgewogen. ;) Denn optisch, ja optisch war er immer eine Granate. Trotz allem, das Komische ist: Irgendwie vermisse ich meine "kleine Katastrophe" auf 4 Rädern. :)
Henrich.Wilckens, 27.02.2007
4. Altmetall Spitfire
1973 habe ich mit Mitteln des Graduiertenförderungsgesetzes einen neuen dunkelbraunen Spitfire erworben, hatte auf den ersten 10.000 km drei veritable Motorschäden, alle verursacht durch eine nicht einwandfrei gehärtete Nockenwelle - und es genossen, diese sehr typische Fahrzeug von British Leyland zu fahren, mit allen Schrulligkeiten, die dieser Marke anhafteten: Für einen Kupplungswechsel mußte das Autoradio ausgebaut werden. Und die Steuerung des Doppelvergaser war ständig Quell von Überraschungen. Als Trainee einer Großbank habe ich mich 1977 dann schweren Herzens von diesem fahrenden Anachronismus getrennt - und den Spitfire IV nie vergessen - herzlichen Dank für den Beitrag, der zeigt: Nicht das Auto, sondern wir sind zu Altmetall geworden...
1ne2wo3hree, 28.02.2007
5.
Wenn man ganz ehrlich ist: eine Scheißkarre - aber eine schöne... ;) (ehemaliger Besitzer eines Triumph Spitfire 1500 MK IV, weitestgehend in Eigenarbeit restauriert)
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