Unimog Black Edition König der Kiesgrube

Große und vornehme Geländewagen gibt es viele. Doch keiner ist so gewaltig, exklusiv und teuer wie die Luxusausgabe des Unimog. Neben der "Black Edition" des "Universal-Motor-Geräts" wird auch der Hummer zum Zwerg - und die M-Klasse zum Pflegefall.


Was tut man, wenn die Stammkundschaft ausbleibt? Man erobert neue Märkte. So weit, so gut. Doch damit das gelingt, muss das Produkt auf diesen neuen Märkten erst einmal bekannt gemacht werden. Mercedes beispielsweise kennt etwa in Arabien jedes Kind. Doch vom Unimog haben viele Scheichs noch nie etwas gehört. Das soll sich ändern. Denn hierzulande sparen Kommunen, Militärs und Katastrophenschützer und bestellen folglich immer weniger Exemplare des "Universal Motor Geräts" - kurz Unimog. Daher hat Produktmanager Thorsten Robbe die Arabischen Emirate als neues, wichtiges Absatzgebiet auserkoren, um die Jahresproduktion weiter bei rund 2150 Fahrzeugen halten zu können.

Also haben Robbe und seine Kollegen sich für das Debüt in Dubai etwas besonders einfallen lassen: Eine Kooperation von Mercedes und Brabus, und damit die Zusammenarbeit zweier Marken, die bei der Oberschicht in Nahost besonders hoch im Kurs steht. Nur dass Brabus-Chef Bodo Buschmann diesmal eben keine Limousine und keinen Geländewagen zu veredeln hatte, sondern einen urtümlichen Offroad-Laster, der seit mehr als fünf Jahrzehnten für kompromisslosen Einsatz steht.

"Wir wollten uns nicht leise in den Markt schleichen, sondern mit einem Paukenschlag starten", erinnert sich Robbe stolz an das Debüt der auf zehn Exemplare limitierten "Black Edition", die vor Jahresfrist ihren Einstand auf der Motorshow in Dubai gegeben und dem Unimog zu einem beachtlichen Grad an Aufmerksamkeit verholfen hatte. Und zwar nicht nur in den Emiraten. "Dort ist unser Fahrzeug jetzt in aller Munde", sagt Robbe.

Doch plötzlich gehen von überall aus der Welt Bestellungen für die Sonderserie aus Bottrop ein. "Den ersten Black Edition haben wir noch auf der Messe an ein hochrangigen Geschäftsmann verkauft, der sonst Volvo, Toyota und Honda importiert, zwei sind fest bestellt und drei weitere werden gerade aufgebaut", berichtet der Produktmanager. Unter der noch kleinen Kundenschar ist auch Tennis-Manager, Brabus-Freund und Mercedes-Importeur Ion Tiriac: Er will künftig mit der Black Edition zur Jagd in die Karpaten fahren.

Rund 260.000 Euro Kaufpreis inklusive Steuern

Angesichts dieses Echos macht sich Robbe keine Sorgen um den Verkauf der Kleinserie. Obwohl der Preis exorbitant ist. Schon der kleinste Unimog fürs städtische Fuhramt kostet – netto versteht sich - etwa 79.000 Euro. Das Flaggschiff U 500 steht mit 135.000 Euro in der Liste, und das Brabus-Paket kommt mit 85.000 Euro noch obendrauf. So summiert sich der Preis rasch auf den zweier Mercedes S-Klassen. Den Scheich aber stört das nicht. "Der macht aus dem Arbeitsgerät ein Luxusspielzeug, mit dem er in Wüste mächtig Eindruck schinden kann", sagt Robbe.

Allerdings ist der Produktmanager froh, dass noch nicht alle "Black Edition" verkauft sind. Und wir freuen uns mit ihm, als er uns zur Testfahrt in den mit feinem Leder ausgeschlagenen, mit Carbon verzierten, dem Command-System der S-Klasse aufgewerteten und von außen beinahe stromlinienförmig verkleideten Luxuslaster bittet. Es geht auf die werkseigene Buckelpiste.

Da werden selbst Porsche-Fahrer neidisch

Dort zeigt der Unimog, warum er der ungekrönte König der Kiesgrube ist. Mit einem wilden Brüllen erwacht der Sechszylinder zum Leben und schickt ein feines Beben durch die klimatisierte Kabine. 6,4 Liter Hubraum, 286 PS und mehr als 1100 Nm Drehmoment – das sind die Eckdaten, mit denen die Black Edition selbst Porsche-Fahrer neidisch macht. Die mannshohen Reifen mit dem auf Knopfdruck regelbaren Luftdruck zucken im Schlamm, dann geht es los.

Schlaglöcher, die Robbe auch Bombenkrater nennt, Bodenwellen, so hoch wie ein Kleinwagen, eine schlammbraune Seenplatte und Steigungen, bei denen Fußgänger nach Seil und Haken fragen, sind dank permanentem Allradantrieb und drei zuschaltbaren Differentialsperren kein Hindernis. Selbst die breite Betontreppe, die mit 70 Prozent Steigung aufwärts führt, nimmt der Unimog locker. Spätestens jetzt würde man den stolzen Besitzer einer Mercedes M-Klasse weinen sehen. "Weil hier Fahrer und Fahrzeug oft ihre Grenzen aufgezeigt bekommen", sagt Robbe stolz. Den Unimog dagegen lässt der Aufstieg kalt. Mit dem kleinen Finger kann man den schwarzen Riesen auf den Gipfel führen. Nur das Wenden ist anstrengend, weil der 5,40 Meter lange Zweisitzer eben doch kein Kleinwagen ist.

Zwar bleibt die "Black Edition" mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 11,99 Tonnen knapp unter der Mautpflicht. Doch schneller als 80 darf der Wagen trotzdem nicht fahren, obwohl "auch 120 km/h kein Problem wären", sagt Robbe. Und weil der U 500 schon unbeladen 7,5 Tonnen wiegt, braucht man für ihn außerdem den Lkw-Führerschein. "Wenn es der Kunde partout möchte, wird der Wagen auch so weit abgespeckt, dass er unter 7,49 Tonnen kommt und mit einem Führerschein der alten Klasse 3 gefahren werden darf", verspricht Robbe. "Aber wer so viel Geld ausgibt, der wird auch den neuen Führerschein noch verschmerzen können."



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.