USA-Tour im Mercedes SLK 55 AMG Sparfahrt auf der Route 66

Wenn's drauf ankommt, protzt der neue Mercedes SLK 55 AMG mit 422 PS. Doch wer nicht rasen, sondern reisen möchte, kann den Wagen auch sparsam bewegen. Wie viel der Roadster dann verbraucht, haben wir auf der berühmtesten Langstrecke der Welt ausprobiert: der Route 66.

Konstantin Tschovikov

Aus Chicago und Los Angeles berichtet


Den ersten Reisenden auf dieser Route musste noch die Kraft von einem oder zwei Pferden reichen. Und als vor etwas mehr als hundert Jahren das Automobil aufkam, wuchs zwar die Leistung, doch viel schneller als Pferde waren die ersten Autos auch nicht. Der Weg nach Westen war auch zu Beginn der Massenmotorisierung ein Abenteuer, für das man gut vier Wochen einplanen konnte. Heutzutage geht das natürlich schneller. Unser Gefährt, der neue Mercedes SLK 55 AMG hat immerhin 422 Pferdestärken unter der Haube. Wenn wir hier in Chicago also jetzt gleich auf der legendären Route 66 Richtung Los Angeles starten, dann wäre das angesichts der Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h in 16 Stunden reiner Fahrzeit zu schaffen. Wir werden uns fünf Tage Zeit nehmen, und schon das ist eine Herausforderung.

Auf den ersten Blick gibt es für die rund 4000 Kilometer lange Strecke quer durch die USA geeignetere Autos als den Roadster mit dem 5,5 Liter großen V8-Motor und 540 Nm. Ein Aggregat des Überflusses, das wiederum den Verbrauch in die Höhe treibt. Das wissen auch die AMG-Entwickler in Affalterbach, weshalb sie dem Motor eine Zylinderabschaltung verpasst haben: Wenn man stärker Gas gibt, sind alle acht Brennkammern im Einsatz. Schwimmt man gelassen im Verkehr mit, fährt der SLK dagegen auf quasi auf "halb acht" - denn die Motorelektronik legt dann vier Zylinder vorübergehend still. Als Fahrer merkt man davon praktisch nichts. Nur eine kleine Anzeige im Cockpit und der bei genauem Hinsehen trotz spezieller Schallklappen im Auspuff doch etwas dünnere Sound verraten den Trick der Ingenieure. Aber das ist eine geringe Einbuße gegen den Vorteil: Der Verbrauch geht zurück.

Noch ehe die Skyline von Chicago ganz aus dem Rückspiegel verschwindet, ist der im Stadtverkehr trotz Start-Stopp-Automatik auf bis zu zwölf Liter gestiegene Verbrauch schon deutlich gesunken. Jetzt, auf der Interstate 55 gen Westen, hat sich der Durchschnittswert klar unter neun Liter eingependelt. Tempo 120, knapp 2000 Touren und eine schier endlose Gerade durch die Ebene Richtung St. Louis. "Bis zu 87 Prozent der Strecke lief der Motor auf solchen Etappen als Vierzylinder", analysiert AMG-Mechaniker Olaf Schulte später den Datenschreiber der Bordelektronik.

Ab und zu werden die stillgelegten Zylinder kurz durchgeglüht

Dass der 5,5-Liter-Treibsatz trotzdem immer mal wieder in den V8-Modus wechselt und dabei ein leichter Ruck durch den Wagen geht, liegt weder am Gasfuß des Fahrers, noch an der Topografie. "Damit die stillgelegten Zylinder nicht auskühlen und kein Öl ansaugen, wechselt die Elektronik regelmäßig für ein paar Sekunden in den V8-Modus", erklärt ein Ingenieur.

Würde der Wagen immer so weiter auf der Interstate nach Los Angeles rollen und korrekt das Tempolimit einhalten, wäre die Tour wahrscheinlich mit einem Durchschnittsverbrauch von weniger als acht Liter zu schaffen. Aber die Schnellstraße war nicht nur der Tod der legendären Route 66 und ein Fluch für Hunderte kleiner Orte, in denen seit der Verlegung der amerikanischen Lebensader das Leben stehen geblieben scheint - die neue Interstate ist aufgrund der monotonen Streckenführung und der dort möglichen, immer gleichen Geschwindigkeit auch der Killer jeden Fahrvergnügens. Wann immer möglich, suchen wir deshalb wie Pfadfinder die originale Route 66, wechseln von Highways auf Byways und folgen den mittlerweile zahlreichen historischen Straßenschildern durch acht Bundesstaaten nach Westen.

Hier gibt es sogar ab und an ein paar engere Kurven, in denen man die nachgeschärfte AMG-Lenkung spüren kann. Das deutlich härter abgestimmte Fahrwerk müht sich mit dem schartigen Asphalt und den gelegentlichen Etappen auf Sand und Schotter. Das Dach ist trotz des deutlich schlechteren Luftwiderstands und dem damit negativen Einfluss auf den Verbrauch im Kofferraum verschwunden und in der Einsamkeit von Missouri, New Mexico oder in der Mojave-Wüste erlauben wir uns auch mal einen kleinen Sprint. Immerhin kann der Wagen in 4,6 Sekunden von 0 auf 100 preschen und ist fixer als der neue Porsche 911 (4,8 Sekunden). Der Motor bekommt auf solchen Abschnitten natürlich mehr zu tun, bleibt aber trotzdem noch überraschend oft im Vierzylinder-Modus. "Sieht man von den kurzen Strecken im Stadtverkehr ab, lag der V8-Anteil immer unter 50 Prozent", sagt AMG-Mann Schulte.

Nach knapp 4000 Kilometern liegt der Durchschnittsverbrauch bei 8,7 Liter

So rollt der Roadster weiter auf der Route 66 gen Westen und taucht nach fünf Tagen, fünf Tankstopps, 50 Stunden reiner Fahrzeit und mehr als 3800 Kilometern nach der Überquerung der San Bernadino Mountains pünktlich zum Sonnenuntergang in den Kessel von Los Angeles ein - besser hätte man die Ankunft kaum planen können. Als der von Staub und Schmutz der Kontinentalquerung gezeichnete Sportwagen zum letzten Foto an den offiziellen Endpunkt der Route 66 am Santa Monica Pier rollt, zeigt der Bordcomputer 3939 Kilometer, eine angesichts der Tempolimits und der Landstraßen nicht so schlechte Durchschnittsgeschwindigkeit von 75 km/h - und einen Durchschnittsverbrauch von 8,7 Litern.

AMG-Motorenchef Friedrich Eichler rühmt den intern M152 genannten V8-Motor mit Zylinderabschaltung als "effizientesten Achtzylinder der Welt", und tatsächlich sind für einen 422-PS-Sportwagen 8,7 Litern ein respektables Ergebnis. Doch bevor die Entwickler in Affalterbach abheben, sei ihnen ein Blick in die Zentrale nach Stuttgart empfohlen. Denn dort wurde der SLK unlängst tatsächlich zum Sparer gemacht. Zum ersten Mal nämlich gibt es den Roadster nun auch mit Dieselmotor. Der SLK 250 CDI hätte die Strecke von Chicago nach Los Angeles mit zwei Tankstopps weniger geschafft - und wahrscheinlich keine Minute Zeit verloren.

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insgesamt 156 Beiträge
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timbuktu 04.11.2011
1. So ein Wahnsinn
Zitat von sysopWenn's drauf ankommt, protzt der neue Mercedes SLK 55 AMG mit 422 PS. Doch wer nicht rasen, sondern reisen möchte, kann den*Wagen auch sparsam bewegen. Wie viel der Roadster dann verbraucht, haben wir auf der berühmtesten Langstrecke der Welt ausprobiert: der Route 66. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,794995,00.html
Wer braucht so ein Auto ? Und das an einem Tag an dem im Spiegel dieser Artikel erscheint : http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,795806,00.html Es darf doch nicht wahr sein, das die Kiste fast 9 Liter verbraucht bei einem Schnitt von 75 ! Unfassbar. TOLL! Und trotzdem 8,7 Liter/100km... Eine super Leistung der AMG-Leute... Und das SPON dann noch von Sparfahrt redet ist doch wirklich nicht wahr oder? Wenigstens Anführungszeichen wären angebracht gewesen. Wann endlich gibt es "vernünftige" Autos ?
sampleman 04.11.2011
2. Antwort an Tibuktu
"Wer braucht so ein Auto?" ist die falsche Frage, denn niemand, der sich ein solches Auto kauft, kauft es sich, weil er es unbedingt braucht, sondern weil er es haben will. Und vermutlich ist der Welt mehr geholfen, wenn sich ein paar tausend Leute, die Geld genug für ein solches Auto haben, einen AMG kaufen statt eines Lamborghini, der doppelt so viel Sprit braucht, als wenn ein paar tausend Timbuktus, deren Geld nur für einen gebrauchten Renault Twingo reicht, das ultimative Zero-Emission-Vehicle fordern, das sie sich dann mangels Geld dennoch nicht kaufen würden.
wolltsnursagen 04.11.2011
3. zieh dirn rock an und geh weinen
Zitat von timbuktuWer braucht so ein Auto ? Und das an einem Tag an dem im Spiegel dieser Artikel erscheint : http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,795806,00.html Es darf doch nicht wahr sein, das die Kiste fast 9 Liter verbraucht bei einem Schnitt von 75 ! Unfassbar. TOLL! Und trotzdem 8,7 Liter/100km... Eine super Leistung der AMG-Leute... Und das SPON dann noch von Sparfahrt redet ist doch wirklich nicht wahr oder? Wenigstens Anführungszeichen wären angebracht gewesen. Wann endlich gibt es "vernünftige" Autos ?
Niemand. Aber jeder der Lust hat kann sich sowas in die Garage stellen, ist doch toll? Vernünftig sind ÖPNV.
mixedup11 04.11.2011
4. @timbuktu
Oh Mann, Oh Mann... was soll denn dieses Geschrei... Hier geht es um Fahrspaß, Ingenieursleistung und etwas Abenteuerlust, warum muss man denn hier immer direkt mit der political correctness Keule kommen? Natürlich gibt es Autos mit weniger CO2 Verbrauch, natürlich braucht man so ein Auto nicht, aber mal ganz ehrlich an solchen Autos wird unsere Welt nicht zugrunde gehen... das besorgen uns schön die ganzen 3. Welt und Schwellenläner, die unsere ausrangierten Autos fahren und einen ungleich höheren Verbrauch haben. Ich fidne wir sind in kurzer Zeit bei einem so niedrigen durchschnittlichen Verbrauch in Westeuropa gelandet, dass es erheblich sinnvoller wäre die ganzen Gelder die wir hier verwenden um den CO2 Ausstoss bei uns zu reduzieren nehmen um Schwellenländern zu helfen den ihrigen zu reduzieren. Strafzölle auf Produkte von Umweltverpestern wie China, Indien und auch den USA wären sinnvoller als diese dämlichen Diskussionen um unsere Autos...
reinhard_m, 04.11.2011
5. Der Verbrauch ist doch absolut nebensächlich
Zitat von timbuktuWer braucht so ein Auto ? Und das an einem Tag an dem im Spiegel dieser Artikel erscheint : http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,795806,00.html Es darf doch nicht wahr sein, das die Kiste fast 9 Liter verbraucht bei einem Schnitt von 75 ! Unfassbar. TOLL! Und trotzdem 8,7 Liter/100km... Eine super Leistung der AMG-Leute... Und das SPON dann noch von Sparfahrt redet ist doch wirklich nicht wahr oder? Wenigstens Anführungszeichen wären angebracht gewesen. Wann endlich gibt es "vernünftige" Autos ?
Ich fahre als Drittwagen auch ein hammermäßiges Sportcabriolet und ich achte dabei zu keiner Sekunde auf den Verbrauch. Das Fahrzeug dient mir auch nicht zur Fortbewegung von A nach B, sondern zum reinen Vergnügen. Das Gebarme irgendwelcher Umweltapostel berührt mich in keinster Weise. Auch wenn der Liter Sprit 5 Euro kostet fahre ich genau so viel und genau so begeistert wie bisher.
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