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VanMoof S3

Foto: Hans Dorsch

Ratgeber Rad: VanMoof S3 Das wummert

Das VanMoof ist ein Design-E-Bike mit smarter Elektronik und Diebstahlschutz. Das neue Modell ist 40 Prozent günstiger als das alte. Der Hersteller hat Großes vor.
Von Hans Dorsch

Der erste Eindruck: Ist das echt oder eine Designstudie?

Das sagt der Hersteller: Die Firma VanMoof, 2009 von den Brüdern Taco und Ties Callier in Amsterdam gegründet, hat sich viel vorgenommen. Sie will eine Milliarde Menschen aufs Rad bringen. Damit die leichter aufsteigen können, kostet das neue Model 40 Prozent weniger als der Vorgänger, der für 3400 Euro verkauft wurde. "Der Maßstab für eine autofreie Zukunft – für nur 1998 €". So beschreibt der Pressetext die neuen Modelle S3 und X3.

Deutlich günstiger und trotzdem in mehreren wesentlichen Punkten verbessert: mit neuem Motor, verbesserter Gangschaltung und leistungsfähigeren Bremsen. Wie geht das? "Wir haben mit 100 Prozent eigenem Design und einem eigenen Standort in Taiwan die gesamte Lieferkette übernommen und dadurch Fertigung und Vertrieb optimiert", sagt Sofia Gerung, die Kommunikationschefin für Deutschland. "Der Standort in Taipeh erlaubt uns neben Design und Produktion, die Hand in Hand gehen, Arbeitskonditionen und Qualitätsstandard unserer Partner zu kontrollieren."

Außerdem habe man den Direktvertrieb weiter optimiert: Weiterhin gibt es das Rad nur im Versand oder über eigene Brandstores (in Deutschland zurzeit nur in Berlin). Statt vollständig aufgebaut liefert der Hersteller es aber nun mit demontiertem Vorderrad in einem kleineren Versandkarton aus. Das spart Kosten bei Lagerung und Versand.

Das ist uns aufgefallen: Schon das Auspacken ist ein Erlebnis. Mit allem nötigen Werkzeug (sogar eine Fußpumpe ist dabei) ausgestattet und einer Schritt-für-Schritt-Anleitung klappt die Inbetriebnahme innerhalb kürzester Zeit. Angeblich liegt den Serienmodellen sogar eine Packung Konfetti bei, um die Montage zu feiern. Auch der Start ist einfach: App auf dem Smartphone installieren, mit dem Rad verbinden und warten, was passiert.

Foto: Hans Dorsch

Ein sonores Wummern ertönt – VanMoof hat tatsächlich Lautsprecher eingebaut – Front- und Rücklicht leuchten sanft auf, während wie aus dem Nichts auf dem dunklen Oberrohr weiße Lichtkreise pulsierend erscheinen. Das Rad erwacht, es hat uns über die Bluetooth-Verbindung unseres Telefons erkannt. Zum Öffnen des Schlosses müssen wir es nur ein Stück nach vorn schieben.

Aber vorher bewundern wir noch das Design. Auf dem dunkelgrauen Rahmen schimmert sanft das Licht, kein Kabel, kein Anbauteil stört das Linienspiel, sogar die Scheibenbremsen sehen aus wie vom Designer gezeichnet. Wo andere Hersteller auf abfallende Rahmen setzen, macht VanMoof das klassische gerade Oberrohr zum Erkennungsmerkmal und zeichnet mit kräftigen Strichen das ikonische Bild eines Fahrrads. Diese Formensprache zieht auch Menschen an, die sich eigentlich nicht für Fahrräder interessieren. "Junge, stilorientierte Menschen beiderlei Geschlechts", berichtet Gerung. Eine Generation, die mit dem Smartphone aufgewachsen ist und für die ein Transportmittel unbedingt mit diesem verbunden sein muss.

Van Moof-S3/X3

Typ: City-E-Bike
Einsatzzweck: Pendeln, Stadtverkehr
Motor: Vorderrad-Nabenmotor 250 Watt (500 Watt Boost)
Akku: 504Wh, Im Unterrohr integriert.
Tretunterstützung: bis max. 25 km/h, abschaltbar
Rahmen/Gabel: Aluminium-Unisex, S3 für Körpergröße von 170 bis 210 cm, X3 von 155 bis 200 cm
Schaltung: Sturmey-Archer 4-fach-Nabenschaltung mit elektronischer Schaltautomatik von VanMoof
Beleuchtung: Frontlicht mit 40 Lux und Rücklicht im Rahmen integriert
Diebstahlschutz: Kick-Lock im Hinterrad, Automatisches Öffnen über Bluetooth und App, Tracking über GSM and Bluetooth, diebstahlsichere Muttern und Schrauben.
Bremsen: VanMoof hydraulische Scheibenbremsen
Bereifung: Pannenschutzreifen von Schwalbe; S3 28", X3 24"
Gewicht: 19 Kilo
Preis: 1998 Euro
Auslieferung: Bestellbar ab 21.04.2020. Lieferung ab Juni 2020
Versicherungsoptionen: Peace-of-Mind-Paket für 3 Jahre Diebstahl (290 EUR), Wartung (290 EUR), Combo (490 EUR)

Das S3 ist komplett connected, zeigt es aber nicht. Kein klobiges Display am Lenker, stattdessen eine Matrix aus 160 LEDs unter dem Lack auf dem Oberrohr. Die zeigt in reduzierter Grafik den Ladezustand, die gewählte Fahrstufe und die aktuelle Geschwindigkeit.

Und wie fährt es sich? Mit dem nach hinten gebogenen Lenker angenehm aufrecht, selbst bei 193 cm Körpergröße. Das Rad ist für die Stadt gemacht: Die dicken Reifen dämpfen die Unebenheiten der meisten Straßen und rollen geschmeidig über Kopfsteinpflaster, auch ohne Federgabel.

Der Motor im Vorderrad unterstützt kraftvoll und, im Gegensatz zum Vorgänger, praktisch lautlos. Häufig hört man, der Frontmotor sei die schlechtere Wahl gegenüber Mittel- oder Heckmotor. Aber wer vorwiegend auf befestigten Wegen im urbanen Umfeld unterwegs ist, wird keinen Unterschied feststellen. Tatsächlich wissen viele Kunden gar nicht, wo der Motor an ihrem Fahrrad ist.

In der Ebene genügt uns die erste der vier Unterstützungsstufen, um bequem voranzukommen. Ist mehr Power nötig, liefert der Turbo-Boost-Knopf rechts am Lenker sofort die volle Motorleistung.

Das S3 hat vier Gänge statt der zwei des Vorgängers, sie werden automatisch elektronisch gewechselt. Für die meisten Kunden ist die Automatik perfekt. Wer sich für technische Details interessiert, kann in der App exakt die Schaltschritte einstellen.

Auch das Abschließen ist einfach. Das Schloss ist unsichtbar am Hinterrad montiert. Ein Kick mit dem Fuß auf den Knopf am Rahmen blockiert das Rad und aktiviert die elektronische Diebstahlsicherung. Wir haben es beim Bäcker ausprobiert: Vorfahren, absteigen, kleiner Kick und kurz auf den satten Bestätigungssound warten, fertig.

Das muss man wissen: Man kann das Rad auch über Nacht auf der Straße stehen lassen, sagt der Hersteller. Machen sich Diebe daran zu schaffen, aktivieren Bewegungssensoren die Leuchten, das Display zeigt einen flackernden Totenkopf (wirklich!) und die Lautsprecher geben laut Alarm. Ist es trotzdem am Morgen nicht mehr da, meldet man es in der App als gestohlen und aktiviert den Tracking-Modus. Der zeigt weltweit über Mobilfunk den Standort des Fahrrads an. Die Suche sollte man aber der Polizei überlassen.

Wer seiner Hausratversicherung nicht vertraut, kann sich mit der "Peace-of-Mind-Garantie" absichern. Dann schickt VanMoof seine "BikeHunters” los, um das Rad zurückzuholen, oder ersetzt es, falls das nicht innerhalb von zwei Wochen gelingt. Das Paket kostet 290 Euro für drei Jahre, für 200 Euro mehr gibt es noch eine Wartungsgarantie dazu. Dann ist zum Beispiel der Besuch beim Bike Doctor im Store kostenlos.

Der Akku des VanMoof ist fest installiert. Das klingt nach einem Ausschlusskriterium für Stadtbewohner. Allerdings ist er mit einer Kapazität von 504 Wh auch ziemlich groß und reicht so, je nach Unterstützung, für 60 bis 150 km. Mit ein wenig Organisation finden die meisten Menschen einmal die Woche eine Lademöglichkeit zu Hause oder im Büro. Mit 19 Kilo lässt sich das Rad auch noch gerade die Kellertreppe hinuntertragen.

Das werden wir in Erinnerung behalten: den Boost-Knopf. Man gewöhnt sich schnell an ihn. Anfahren an der Ampel: Lostreten, Knopf drücken und die Autos stehen lassen. Ein Bus auf dem Radweg: Schulterblick, Knopf drücken, vorbeiziehen - ohne fester zu treten. Ein Schub Mobilitäts-Selbstbewusstsein für die Stadt. Immer und immer wieder.