Volvo S40 Flexifuel Wahre Schönheit kommt von Innen

Volvo hat die Limousine S40 und den Kombi V50 aufgefrischt. Außen sind die Korrekturen eher kosmetischer Natur - mit verbessertem Innenraum und Ethanol-Motoren können die Schweden aber punkten.


Volvo S40, Modelljahr 2008: Vertraute Formen

Volvo S40, Modelljahr 2008: Vertraute Formen

Michael Gerber hat ein Problem. Mehrere Millionen Euro hat der Volvo-Manager in Modellpflegemaßnahmen investiert, aber keiner merkt's so richtig. "Mehr als ein Facelift", übertitelt der Marketing-Chef deshalb trotzig seinen Vortrag über die Neuerungen bei den Baureihen S40 und V50. Doch dann zählt er die üblichen Retuschen auf, mit denen die Hersteller ihre Autos zur Hälfte der Laufzeit auffrischen. Also beispielsweise neue Konturen an Bug und Heck, ein paar frische Zierstreifen im Innenraum, einige Extra-Positionen auf der Ausstattungsliste und Feinschliff für die Motoren. So ließe sich zusammenfassen, was die Schweden getan haben, um Limousine und Kombi auf dem Laufenden zu halten.

Aber ganz so einfach ist es nicht, auch wenn man es erst auf den zweiten Blick sieht. Von vorn betrachtet nämlich rücken Limousine und Kombi weiter auseinander und orientieren sich stärker an ihren großen Brüdern, den Modellen S80 und V70. Und hinten wandern beim Kombi die künftig mit LED bestückten und bei Vollbremsung blinkenden Bremsleuchten drei Zentimeter nach oben, was sich natürlich auch auf alle Bauteile ringsum auswirkt.

Im Innenraum sieht man die Veränderungen hingegen auf Anhieb: Bislang punkteten die beiden Autos zwar mit der überaus eleganten, frei schwebenden Mittelkonsole, doch hatten die Designer über diese optische Neuerung damals die vermeintliche Nebensächlichkeiten wie Ablagen fast vergessen. "Damit ist jetzt Schluss", sagt Gerber und weist auf das neue Bauteil. Die Eleganz ist geblieben und kann nun sogar durch eine Auflage aus unbehandeltem Echtholz gesteigert werden. Doch wurde die Konsole deutlich verlängert. So entstand Platz für gleich drei Ablagen und einen großen Getränkehalter. Und in den Türtaschen kann man nun auch größere Flaschen und Papiere im Din-A4-Format verstauen.

Mehr PS für den ohnehin schon stärksten Motor

In der Preisliste sind jetzt 230 statt 220 PS für das Top-Modell T5 ausgewiesen. Auch eine Reihe neuer Optionen ist dort aufgeführt. Und künftig soll auch eine manuelle Schaltung, und damit 50 Nm mehr Drehmoment, für den stärksten Diesel erhältlich sein.

Zu den neuen Ausstattungen zählen beispielsweise das Warnsystem für den toten Winkel, der Anschluss für MP3-Spieler oder das Xenon-Kurvenlicht. Für alle Modelle verfügbar ist bald auch der Telematikdienst "On Call", der in zwei Ausbaustufen angeboten wird. Für Preise zwischen 1470 und 1800 Euro gibt es ein eingebautes Mobiltelefon, das bei einem Unfall mit Airbagauslösung oder nach einem Druck auf die SOS-Taste automatisch die Rettungskräfte alarmiert und zugleich die Koordinaten aus dem Navigationssystem übermittelt. Wer weitere 990 Euro drauflegt, schützt sich zudem vor Langfingern und Schusselei: Diebe können damit von einer Zentrale geortet und danach von der Polizei dingfest gemacht werden. Und wer seinen Schlüssel verliert, lässt den Wagen einfach per Telefon entriegeln.

Nun setzt auch Volvo auf Ethanol-Antrieb

Mag sein, dass all diese Verbesserungen tatsächlich von den Kunden gefordert wurden. Doch so richtig aufregend sind sie allein noch nicht. Spannend hingegen sind die neuen Motoren. Nachdem Ford und Saab es schon ein Jahr lang vorgemachen, startet nun als dritter Anbieter in Deutschland auch Volvo eine Ethanol-Flotte. Die Modelle C30, S40 und V50 gibt es ab sofort für 400 Euro Aufpreis mit einem 125 PS starken 1,8-Liter-Motor, der den Beinamen Flexifuel trägt.

Das Aggregat verträgt den mittlerweile an immerhin etwa hundert Tankstellen in Deutschland verfügbaren Kraftstoff, der aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt wird. Beim Verbrennen von Ethanol wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen während des Wachstums gebunden haben. Volvo verspricht unter dem Strich einen CO2-Vorteil von 80 Prozent. Anders als bei Autos mit Erd- oder Flüssiggas im Tank merkt man beim Fahren keinen Unterschied. Natürlich sind 125 PS nicht gerade viel für den schweren Schweden, doch mit maximal 165 Nm und einem gut gestuften Getriebe ist man zügig unterwegs. "Die Fahrleistungen sind absolut identisch mit denen der Benziner", sagt Gerber.

Der Verbrauch steigt, die Kosten sinken dennoch

Lediglich der Verbrauch geht wegen der geringeren Energiedichte des Ethanols um bis zu 30 Prozent in die Höhe. Aber dafür kostet der Liter dieses Sprits bislang auch nur zwischen 80 und 90 Cent. Selbst wenn 2009 die Steuerbefreiung ausläuft, bleibt der Öko-Sprit, den man beliebig mit normalem Benzin mischen kann, bis mindestens 2015 begünstigt.

Beim einen Ethanol-tauglichen Motor bleibt es aber nicht. Für die IAA kündigen die Schweden bereits drei grüne Innovationen an: Neue, sparsame Motor-Getriebe-Kombinationen, E85-Aggregate auch für die großen Modelle und Hybridantriebe. Diese Technologien kommen gerade recht. Denn bis zum Debüt des kleinen Geländewagen XC60 in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 hat Volvo eine Durststrecke, bei der ein Schluck aus der grünen Pulle kaum schaden kann. Na dann Prost!

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