Volvo V50 Drive Weniger reicht auch

Fast alle tun es, nun macht auch Volvo mit. Seit Spritsparen modern ist, fällt den Herstellern plötzlich allerlei ein, um die Autos genügsamer zu machen. Bei Volvo kommen diese Maßnahmen in den Drive-Varianten zum Einsatz. SPIEGEL ONLINE war im V50 Drive unterwegs.


Econetic, Blue Motion, Eco2, Greenline oder Blue Efficiency - die Liste der neuen Zusatzbezeichnungen für die besonders sparsamen Modellvarianten ist lang, fast jeder Hersteller hat inzwischen ein eigenes Öko-Label ausgewiesen und entsprechende Autos ins Angebot aufgenommen. Volvo ist seit einigen Monaten auch mit von der Partie. Bei der schwedischen Marke heißen die auf Spritgeiz getrimmten Versionen DRIVe - und zwar genau so geschrieben: mit kleinem e nämlich.

Das Drive-Programm, so heißt es bei Volvo, umfasse "sämtliche Aktivitäten, Umwelteinflüsse durch unsere Automobile zu verringern." Den Autokunden interessiert in diesem Zusammenhang vor allem, wie viel Sprit der Wagen verbraucht, denn das ist maßgeblich für den Schadstoffausstoß eines Autos - und es ist unmittelbar spürbar im Portemonnaie.

Ist das nun eine neue Marketing-Masche, oder funktioniert das auch? Beides. Ohne die entsprechende Begleitung durch Werbung und kernige Slogans führten die Sparvarianten der meisten Hersteller wohl nur ein Nischendasein. Andererseits aber bringen die zahlreichen technischen Details, die den Durchschnittsverbrauch senken sollen, tatsächlich den gewünschten Effekt - eine entsprechende Fahrweise des Menschen an Lenkrad und Pedalen vorausgesetzt.

Der Volvo V50 zum Beispiel, ein schmucker, noch einigermaßen kompakter Familienkombi der seit knapp fünf Jahren auf dem Markt ist, verbraucht in der Drive-Variante offiziell 4,5 Liter und stößt somit 118 Gramm CO2 aus. Motorisiert ist das Auto mit einem 1,6-Liter-Commonrail-Diesel mit 109 PS und 240 Nm, der mit dem 4,52 Meter langen und zirka 1,4 Tonnen schweren Auto gut zurecht kommt. Jedenfalls ist der Wagen weder untermotorisiert noch träge - im Gegenteil: Die Maschine kommt flott aus dem Drehzahlkeller und macht durchaus Spaß. Wäre statt des Fünf- ein Sechsgang-Schaltgetriebe angedockt, könnten wohl Beschleunigungs- und Sparpotential noch mehr ausgereizt werden.

Sparen ist das Stichwort. Wir fuhren mit dem Auto gut 300 Kilometer - darunter immer wieder im Stadtverkehr mit viel Stop-and-Go, längere Landstraßenpassagen und auch etwa 60 Kilometer auf einer weitgehend unbeschränkten Autobahn. Dabei war das Auto meist mit drei Personen plus Gepäck besetzt. Der Durchschnittsverbrauch während dieser ganz normalen Alltagsfahrerei: 5,2 Liter laut Bordcomputer. Verglichen mit dem offiziellen Wert ist das nicht doll, angesichts der Größe und Klasse des Autos aber durchaus respektabel.

Kleine Verbesserungen für das große Ziel

Die Volvo-Ingenieure erreichen den Verbrauchsvorteil von 0,5 Liter pro 100 Kilometer gegenüber dem identisch motorisierten Modell ohne Drive-Paket durch eher unspektakuläre Details. Die Leichtmetallfelgen sind aerodynamisch günstiger gestaltet als zum Beispiel Räder mit deutlich sichtbaren Speichen, außerdem sind Leichtlaufreifen aufgezogen. Das Fahrwerk wurde um einen Zentimeter tiefer gelegt, der Frontspoiler und die Luftführung für die Motorkühlung wurden optimiert. Das etwas anders übersetzte Getriebe ist mit Leichtlauföl befüllt, die Software des Motors sowie die Servolenkung wurden umprogrammiert und es gibt eine Schaltanzeige im Cockpit, die den Fahrer darauf hinweist, wenn es im Sinne eines ökonomischen Fahrstils angebracht wäre, den nächsthöheren oder -niedrigeren Gang einzulegen.

So einfach kann also Spritsparen sein. Und wenn man dann noch vorausschauend fährt und nicht an jede rote Ampel heranbraust, als gäbe es auf den letzten Metern noch etwas zu gewinnen, dann lässt sich auch ein vergleichsweise großes Auto zügig und sparsam bewegen. Warum dann nicht gleich alle V50-Modelle Leichtlauföl, Leichtlaufreifen und ein tiefergelegtes Fahrwerk erhalten? Das ist dann eben Marketing. Wer auf ein umweltfreundlicheres Auto Wert legt, will das vermutlich auch zeigen - und soll dafür bezahlen. Das Drive-Modell kostet gegenüber dem ganz normalen Typ mit gleichem Motor und identischer Ausstattung 450 Euro mehr.

Ein entspanntes Auto mit brauchbarem Laderaum

Was bei den Testfahrten mit dem Volvo V50 Drive noch auffiel, war das ruhige Fahrgefühl, die gut austarierte Lenkung und das angenehme Interieur. Sitze, Cockpit, Armaturen - die Einrichtung strömt Seriosität und Eleganz aus, ohne sich mit Schickimicki-Zierrat hervorzutun. Ein Kritikpunkt sind die zu kleinen Tasten auf der Mittelkonsole und das nun wirklich nicht intuitiv zu bedienende Navigationssystem (2310 Euro Aufpreis), für das es zwar eine Fernbedienung gibt, damit der Beifahrer sein Glück versuchen kann, doch das hilft auch nicht weiter.

Absolut konkurrenzfähig ist der Laderaum des V50, obwohl das Volumen von 417 bis 1307 Liter keineswegs danach klingt. In diesem Fall aber lässt sich der Raum wirklich gut nutzen. Ein großer Kinderwagen etwa passt zusammengeklappt völlig problemlos durch die Hecköffnung. Eine Übung, die bei zahlreichen größeren Kombis und auch SUV-Modellen nicht funktioniert. Da muss man erst die Räder der Kinderkarre abmontieren, ehe sie dann gerade so ins Gepäckabteil bugsiert werden kann. Es kommt eben auch hier, wie so oft, nicht auf die Papierform an.



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