Autogramm Volvo V60 T5 Ocean Race Vier Richtige

Volvo macht's eine Nummer kleiner: Fünf- und Sechszylinder sortiert der schwedische Hersteller nach und nach aus der Motorenpalette aus, ab sofort setzt er auf sparsamere Vierzylinder. Eine Testfahrt im Kombi V60 zeigt, dass der Verzicht funktioniert.

Volvo

Von Markus Bruhn


Der erste Eindruck: Wo genau sollen hier die Änderungen sein? Dieser Volvo V60 unterscheidet sich im Design überhaupt nicht zu seinem Vorgänger - Moment, hier vielleicht, auf dem beigefarbenem Leder sind orange Nähte zu erkennen, und auf der Kofferraumabdeckung ist die Route eines Segel-Rennens nachgezeichnet. Genau dieses Rennen sponsert Volvo, und deshalb heißt das Editionsmodell auch "Ocean Race".

Viel interessanter als die maritimen Details ist aber, was bei diesem Kombi unter der Haube steckt. Dort sitzt nämlich die wirklich wichtige Neuerung - der Vierzylindermotor.

Das sagt der Hersteller: Bis 2020 möchte Volvo seinen Marktanteil in Deutschland auf zwei Prozent verdoppeln. Die neue Drive-E-Motorengeneration soll helfen, diesen ehrgeizigen Plan umzusetzen. Die aktuellen Zahlen stimmen bereits optimistisch: Im ersten Halbjahr 2014 konnte Volvo seinen Absatz in Deutschland um gut sechs Prozent auf 15.562 Einheiten steigern, hieß es von den Schweden.

Mit den neuen Motoren soll dieser Trend nun bestätigt werden. Im Vergleich zu den bisherigen Motoren seien die neuen Drive-E-Aggregate "bei gleicher Motorleistung wesentlich leichter und deutlich kompakter", sagt Derek Crabb aus der Motoren-Entwicklung bei Volvo. Möglich wird das unter anderem durch Turboaufladung, einem neuen Einspritzsystem und einer schnellen variablen Ventilsteuerung. Alle Motoren aus der Drive-E-Reihe erfüllen die künftige Abgasnorm Euro 6, die ab September für Neuwagen verbindlich gilt.

Das ist uns aufgefallen: Die stattlichen 245 PS machen aus dem V60 einen gefälligen Sportkombi. Es geht zwar noch eine Nummer stärker - den V60 gibt es auch mit Allradgetriebe und dem stärkeren T6-Motor mit 304 PS - doch bereits mit der T5-Version lässt es sich dynamisch über die Straßen gleiten. Im zähen Straßenverkehr säuselt die Maschine dezent vor sich hin.

Sehr genau muss man auch aufpassen, wenn man die Achtgang-Automatik beim Schalten wahrnehmen will. Denn die Gänge wechseln so unauffällig, dass der Vierzylinder-Turbomotor gefühlt ohne Zugkraftverlust beschleunigt. Das spart nicht nur Kraftstoff und Emissionen - sondern fährt sich auch angenehm unaufgeregt.

Das muss man wissen: Der neue T5-Benziner im getesteten Volvo V60 kommt auf einen kombinierten Verbrauch von 6,1 Liter auf 100 Kilometer. Das Vorgänger-Aggregat schluckte auf dem Prüfstand noch zwei Liter mehr. Der 245 PS starke T5 ist neben dem V60 und anderen größeren Volvo-Modellen nun auch für den kompakten V40 verfügbar. Für alle neuen Volvo-Modelle wird, abgesehen vom XC90, ab sofort mindestens ein Motor der E-Drive-Familie verfügbar sein. Die neuen Benzin-Aggregate mit vier Zylindern und zwei Liter Hubraum leisten 140 bis maximal 306 PS; die Diesel-Varianten reichen von 120 PS bis 225 PS.

Die Ocean-Race-Version des V60 startet inklusive allerlei Extras und dem kleineren T3-Motor bei 34.050 Euro. Regulär beträgt der Einstiegspreis 29.750 Euro. Das günstigste Editionsmodell mit T5-Benziner kostet bereits 43.800 Euro. Und natürlich lässt sich auch die bereits üppig ausgestattete Ocean-Race-Variante preislich noch ordentlich nach oben erweitern. Für den getesteten Wagen, unter anderem mit Fahrassistenzpaket (2150 Euro), abgedunkelten Fenstern (500 Euro) oder Rückfahrkamera (480 Euro), würden beispielsweise 55.615 Euro fällig.

Das werden wir nicht vergessen: Dass man beim neuen T5-Benziner schnell vergisst, dass nur vier Zylinder unter der Haube arbeiten. Auch im höheren Drehzahlbereich arbeitet der Motor souverän und gibt einem das Gefühl, immer noch Reserven für den nächsten Spurt zu haben. Auf die bisherigen Fünf- oder Sechszylinder-Triebwerke kann Volvo also guten Gewissens verzichten.



insgesamt 54 Beiträge
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mischpot 01.08.2014
1. Also wenn ich kein Segelboot hätte
würde mich der ständige Ocean Race Firlefanz wirklich stören.
west120 01.08.2014
2. das wird sich erst noch zeigen
den die neuen 4 Zyl. Triebwerke müssen sich an den bewährten 5 Zyl. messen lassen. Dazu sollte man wissen, das die 5 Zyl. egal welcher Leistungsstufe ohne Probleme weit über 300.000 km an Laufleistung erbracht haben. In dieser Beziehung sind die volvo Fahrer verwöhnt und erwarten selbstverständlich das diese Laufleistung auch in der Zukunft problemlos erbracht werden.
DerBlicker 01.08.2014
3. das geht auch mit jedem Motor
Zitat von west120den die neuen 4 Zyl. Triebwerke müssen sich an den bewährten 5 Zyl. messen lassen. Dazu sollte man wissen, das die 5 Zyl. egal welcher Leistungsstufe ohne Probleme weit über 300.000 km an Laufleistung erbracht haben. In dieser Beziehung sind die volvo Fahrer verwöhnt und erwarten selbstverständlich das diese Laufleistung auch in der Zukunft problemlos erbracht werden.
Man muss nur die Wartung regelmäßig durchführen. Motorschäden sind zu 90 % auf mangelhafte Wartung außerhalb einer Fachwerkstatt zurückzuführen.
Frickleburt Frogfart 01.08.2014
4. Die Haltbarkeit...
...der Downsizing-Micky-Maus-Motoren muss sich erst noch beweisen. Sorry, aber wer tatsächlich glaubt, dass ein 4-Zylinder mit unter 2 Liter Hubraum und zwischen 200 und 300 PS es an Haltbarkeit mit einem konventionellen 5- oder 6-Zylinder mit erheblich mehr Hubraum aufnehmen kann, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Daran ändern auch penibel durchgeführte Wartungen in der "Fachwerkstatt" nichts. Lieber 2 Liter mehr auf 100 KM als alle 150 TKM einen neuen Wagen. Mein V70 geht nun auf die 300 TKM zu - ich werde wohl zusehen, dass ich bei einem Wechsel noch einen der "alten" 5-Zylinder-Diesel bekomme.
TS_Alien 01.08.2014
5.
240 PS, 6 Liter Verbrauch, kaum vernehmbares Schalten. Einzeln klingt das toll. In der Summe bekommt man das aber nicht. Wer die 240 PS ausreizt, braucht wesentlich mehr als 6 Liter. Wer sportlich fährt, z.B. auf bergigen Landstraßen, wird sich irgendwann über die Automatik und das Gewicht des Autos ärgern. Auch über den Preis kann man sich auslassen (nicht nur bei Volvo). Für gut abgehangene Allerweltstechnik rund 50000 Euro zu verlangen, ist schon bemerkenswert.
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