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Volvo XC 60: Das Lieblingsauto

Foto: Jürgen Pander

Volvo XC 60 T6 Kniefall vor dem Fahrer

Mit dem XC 60 hat Volvo einen Volltreffer gelandet, das SUV-Modell ist begehrt wie kein anderes der Marke - auch in Deutschland. Steigt man jedoch in den Wagen, ist man zunächst irritiert.

Jetzt ist es passiert: Ein Volvo, früher eine Marke für Individualisten, wurde erstmals zum Weltauto des Jahres gekürt. Eine Jury von 82 Fachjournalisten aus 25 Ländern vergab den offiziellen Titel "World Car of the Year 2018" kürzlich an den XC 60, einen SUV im Mittelklasseformat. Volvo baut das Auto seit vergangen Sommer in zweiter Generation auf einer neuen Plattform. Der Wagen wurde im Vergleich zur Vorgängergeneration, die 2008 debütierte, deutlich bulliger und auch einen Tick größer. Das Irritierende am neuen XC 60 jedoch ist: Drinnen wirkt es, als sei der Wagen geschrumpft.

Man fühlt sich - umrahmt von einer hoch aufragenden Armaturentafel, einer mauerartigen Mittelkonsole und einer Tür von der Dicke zweier Aktenordner - fast ein bisschen eingeklemmt. Und das in einem Auto, das eine Grundfläche von 4,70 auf 1,90 Meter für sich beansprucht und 1,65 Meter hoch aufragt. Eigentlich ist das genug Volumen, um ein großzügig geschnittenes Auto darin unterzubringen. Doch Volvo gelingt das mit dem XC 60 nur bedingt.

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Dafür gibt es Gründe, einer davon ist das Design. Vom einstigen eckigen Schachtellook hat sich Volvo ja schon länger verabschiedet, der neue XC 60 wurde der "aktuellen Volvo Designsprache" angepasst, wie der Hersteller mitteilt. Zu deren Vokabular gehört eine möglichst lange Motorhaube und eine deshalb nach hinten versetzte Fahrgastzelle, was schon einmal Innenraum kostet. Und weil das ehemals Kantige nochmals mit Rundungen überzuckert und voluminöser ausgekleidet wurde, sieht der Wagen zwar schick und eigenständig aus, doch die üppigen Formen verschlingen eben auch Bauraum.

Ist es noch fahren oder schon schweben?

Dazu kommt eine Art Ausstattungdilemma: Volvo hat in den Wagen so ziemlich alles hineingepackt, was an automobiler Verwöhn- und Sicherheitstechnik verfügbar ist. Unter allen im vergangenen Jahr im Euro-NCAP-Chrashtest geprüften Autos erzielte der XC 60 die höchste Punktzahl. Das ist lobenswert - andererseits müssen auch die Sensoren, Kameras, Steuergeräte, Aktuatoren, Kabel und Metallstreben der diversen Sicherheitssysteme irgendwo untergebracht werden.

Nur um das noch einmal deutlich zu machen: Es ist nicht so, dass der XC 60 ein kleines oder enges Auto wäre - im Gegenteil. Doch angesichts der äußeren Größe der Karosserie erwartet man drinnen mehr Platz.

Der Wagen überrascht allerdings auch angenehm: Und zwar durch ein in dieser Klasse ziemlich einzigartiges Fahrgefühl. So ruhig, geschmeidig und gedämpft rollt man in keinem anderen Mittelklasse-SUV dahin. Es ist fast so, dass man aus dem XC 60 erfrischter aussteigt, als man eingestiegen ist. Man erfährt sozusagen buchstäblich die Solidität des Autos, deren Kehrseite ein Leergewicht von 2003 Kilogramm ist. Audi Q5 oder BMW X3 beispielsweise sind um mindestens 100 Kilogramm leichter.

Fahrerisch entspricht der Wagen in etwa dem, was man hierzulande als typisch schwedisch bezeichnen würde: Das Auto ist ein Ausbund an Harmonie. Im Testwagen sorgte ein 2-Liter-Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer mit Partikelfilter (der ist neu ab dem Modelljahr 2018) für geradezu spielerischen, bei Bedarf auch druckvollen, Vortrieb. Die satte Leistung von 310 PS und das maximale Drehmoment von 400 Nm sind ein Resultat aus der Kombination von Turboaufladung und Kompressor. Denn bei Drehzahlen bis 3500 Touren presst ein Kompressor Luft in den Turbolader; bei höheren Drehzahlen wird der Kompressor dann ausgekuppelt.

Eine Achtgang-Automatik verwaltet das Drehmoment, eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung verteilt es zwischen Vorder- und Hinterachse. So geht es, bestens gekapselt von der Akustikverglasung (Aufpreis 990 Euro) dahin. Volvo meldet für die hier vorgestellte Variante T6 AWD einen Durchschnittsverbrauch von 7,8 Liter je 100 Kilometer (nach dem beschönigenden NEFZ-Messverfahren), der Testverbrauch lag bei 9,4 Liter.

Weil das eigentliche Fahren und damit der Antrieb so penetrant in den Hintergrund treten, wirken Einrichtung und Ausstattung des XC 60 umso stärker. Das reicht vom metallenen Start-Drehknopf über die Fahrmodi-Walze bis zum hochformatigen 9-Zoll-Touchscreen im Zentrum der mit Lederimitat verkleideten Armaturentafel; dazu kommen das 12,3 Zoll große Digitalcockpit, die problemlose Smartphone-Koppelung und die Fähigkeit des Wagens, bis Tempo 130 teilautonom zu fahren. Auf der Autobahn etwa muss man lediglich alle zehn bis 15 Sekunden kurz ans Lenkrad greifen, den Rest erledigen Tempomat, Abstandskontrolle und automatische Spurführung eigenständig.

...und dann geht das Auto auch noch in die Knie

Neben allerlei Verwöhn-Extras wie gekühltem Handschuhfach, beheiztem Lenkrad oder elektrisch umklappbaren Rücksitzlehnen war der Testwagen auch mit der adaptiven Luftfederung bestückt (Aufpreis 2270 Euro). Die sorgt nicht nur für mehr Fahrkomfort, indem Karosseriebewegungen minimiert werden, sondern im Stand geht das Auto vor dem Fahrer in die Knie: Beim Einsteigen nämlich senkt sich die Karosserie um vier Zentimeter ab, und zum leichteren Beladen des Kofferraums kann das Heck per Knopfdruck um fünf Zentimeter tiefer gelegt werden. Bei so viel Entgegenkommen ist der enorme Zuspruch für den XC 60 nicht verwunderlich.

Hersteller:Volvo
Typ:XC 60 T6 AWD R-Design
Karosserie:SUV
Motor:Vierzylinder-Turbobenziner mit Kompressor
Getriebe:Achtgang-Automatik
Antrieb:Allrad
Hubraum:1.969 ccm
Leistung PS:310 PS
Leistung kW:228 kW
Drehmoment:400 Nm
Von 0 auf 100:5,9 Sek.
Höchstgeschw.:230 km/h
Verbrauch (ECE):7,8 Liter
CO2-Ausstoß:177 g/km
Kofferraum:505 Liter
umgebaut:1.432 Liter
Gewicht:2.003 kg
Maße:4688 / 1902 / 1658
Versicherung (HP):18 €
Versicherung (TK):20 €
Versicherung (VK):25 €
Preis:58.650 €

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