VW Caddy 4Motion Allradler ohne Allüren

Allradantrieb steht bei manchen Autofahrern ganz oben auf der Wunschliste. Doch Geländewagen sind ökologisch kaum zu rechtfertigen, und große Kombis mit vier angetriebenen Rädern kaum zu bezahlen. Der neue VW Caddy 4Motion weicht - allradgetrieben - beiden Hindernissen aus.


Quattro, 4matic, xDrive, 4Motion - gerade im Winter wird Allradantrieb zum Thema. Nicht nur Geländewagen, sondern immer mehr Limousinen, Kombis und Sportwagen setzten auf den eingebauten Traktionsvorteil. Davon profitieren vor allem Besserverdiener, denn das Allrad-Angebot wird vor allem in den teuren Marktsegmenten stetig ausgebaut. Unterhalb der Mittelklasse wird das Sortiment deutlich kleiner - aber auch hier gibt es Fahrzeuge mit vier angetriebenen Rädern: In Marktnischen und im Zulassungskeller tummeln sich dann doch einige bezahlbare Allrad-Fahrzeuge.

So gibt es zum Beispiel Allrad-Kleinwagen wie Fiat Panda (ab 12.800 Euro), Daihatsu Sirion (ab 12.820 Euro) oder Suzuki Swift (ab 15.700 Euro). Dazu kommen sogenannte Cross-Over-Typen wie Fiat Sedici und auch billige Geländewagen wie der Glasnost-Klassiker Lada Niva zum Preis von 10.950 Euro.

Jetzt erobert die Allradtechnik die nächste Marktnische. Denn ab sofort bietet VW den Kastenwagen Caddy als 4Motion-Variante an. In Kombination mit einem 105 PS starken TDI-Motor wird das geräumige Multitalent so zum Kraxler, der mit maximal 250 Nm bedächtig aber beständig über verschneite Anstiege, schlammige Feldwege oder grobe Schotterstraßen schnurrt. Grenzen im Gelände setzt dem Auto die limitierte Bodenfreiheit, denn am Fahrwerk wurde nichts verändert. Und auch die bei Allradmodellen oft übliche und meist alberne Rustikal-Beplankung haben sich die Niedersachsen diesmal verkniffen.

Kein Chichi, sondern handfester Nutzwert

Dafür gibt es einen einfachen Grund: Anders als die meisten Allradfahrzeuge zielt der Caddy 4Motion nicht auf verhinderte Weltenbummler, die eine möglichst große Außenwirkung wünschen, sondern auf Kunden, denen es tatsächlich um die Traktion geht. VW-Sprecher Jens Bobsien: "Hüttenwirte, Hoteliers und Pensionsbesitzer aus dem Alpenraum haben immer wieder nach so einem Fahrzeug gefragt, weil sie sonst im Winter ihre die Gäste nicht befördern können." Dazu kämen Garten- und Landschaftsbauern, Jäger und Förster. "Die brauchen keine riesige Bodenfreiheit und keinen Rammschutz, sondern wollen auf schlechten Straßen gut vorankommen."

Deshalb übernahm die für den Caddy verantwortliche VW-Nutzfahrzeugsparte die Haldex-Kupplung mit der variablen Kraftverteilung aus den Pkw-Baureihen und bietet künftig alle Karosserievarianten mit Ausnahme des extra langen Caddy Maxi mit Allradantrieb namens 4Motion an. Der Aufpreis dafür liegt bei happigen 3200 Euro und beinhaltet zusätzlich einen sechsten Gang fürs Schaltgetriebe sowie endlich auch ESP und Rußpartikelfilter, die bislang Aufpreis kosteten.

Fröhlich-familiäres Ambiente im Modell Caddy Life

"Sieht man einmal von der Bodenfreiheit ab, ist das Technik-Paket identisch mit dem des VW Tiguan", sagt Bobsien. Wie zum Beweis pflügt der Allrad-Caddy auf dem winterlichen Testgelände tapfer durch die Schneewehen und tanzt über auf den eisigen Untergrund. Von der nüchternen Tristesse des Nutzfahrzeugs ist im 23.460 Euro teuren Caddy Life kaum mehr etwas zu spüren: bunte Bezüge und hübsche Materialien werten das Ambiente so auf, dass sich hier auch Familien wohlfühlen.

VW der einzige Hersteller, der Kleintransporter ab Werk mit Allradantrieb ausrüstet. Doch ganz neu ist diese Idee nicht. Zumindest in der letzten Generation gab es das auch für den Renault Kangoo; und Peugeot baut den Partner gemeinsam mit dem Spezialisten Dangel auch heute noch zum kleinen Kraxler um. "Die Nachfrage ist homöopathisch", muss Peugeot-Sprecher Bernhard Voß einräumen. Das Problem kennt VW offenbar nicht: Kaum war der Allrad-Caddy angekündigt, flatterte eine Sammelbestellung von der Schweizer Post ins Haus.

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