Autogramm VW Golf GTE Sein Feind heißt GTI

Volkswagen preist seinen Plug-in-Hybrid-Golf GTE als Sportmodell an. Diesen Vergleich kann der Wagen nur verlieren und er ist auch vollkommen überflüssig: Der Wagen hat andere Qualitäten.
Mit rein elektrischem Antrieb wird der neue VW Golf nicht mehr angeboten, wohl aber mit Plug-in-Hybridantrieb als Golf GTE

Mit rein elektrischem Antrieb wird der neue VW Golf nicht mehr angeboten, wohl aber mit Plug-in-Hybridantrieb als Golf GTE

Foto: Volkswagen

Der erste Eindruck: Der GTI macht blau. Denn die Zierteile des GTE sind nicht rot, sondern eben blau gefärbt - bei Volkswagen Symbolfarbe der Elektromobilität.

Das sagt der Hersteller: Eigentlich ist der voll elektrische ID.3 Volkswagens Leuchtturm auf dem Weg in eine Elektromobilität. Nennenswerte Absatzzahlen erwartet man in Wolfsburg aber offenbar eher von elektrifizierten Varianten des Golf, VW-Sprecher Christian Buhlmann fabuliert von einer "Batterie-Offensive mit Breitenwirkung".

Bis zum Jahresende wird es fünf unterschiedliche Hybridvarianten von VWs Bestseller geben, Kombi & Co. noch gar nicht mitgerechnet. Das Portfolio reicht von Mild-Hybrid bis zum GTE, den das Marketing auf eine Stufe mit dem gerade präsentierten GTI stellt.

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VW Golf GTE: Die elektrische Hälfte

Foto: Volkswagen

Das ist uns aufgefallen: Den ersten Vergleich mit dem GTI verliert der GTE. Oder gewinnt ihn - je nach Vorlieben. Während Volkswagens aufgebretzelter Kompakter in der Verbrennerversion den Druck auf den Startknopf mit lautem Auspuffgebell quittiert, ist der GTE ein stummer Starter. Solange Strom in den Akkus ist, legen die Plug-in-Hybridvarianten des Golf grundsätzlich elektrisch los.

Beim Druck auf das Fahrpedal ist dagegen anfangs kaum ein Unterschied zu spüren. Allein der E-Motor leistet bis zu 110 kW und verfügt über 330 Nm sofort anliegendes Drehmoment, mit denen das Auto flott davon zieht. Arbeiten beide Motoren im Team, liegt die vereinte Leistung mit 245 PS exakt auf GTI-Niveau, und auch der Sprint fühlt sich ganz ähnlich an. Erst jenseits des Ortsschilds lässt der Elan des Plug-in-Modells nach, sodass der GTE auf den GTI bis Tempo 100 eine knappe halbe Sekunde verliert. 

Dafür fährt der neue GTE bis zu Tempo 140 rein elektrisch und verfügt über bis zu 62 Kilometer elektrische Reichweite. Soll es schneller vorangehen, schwindet der Charme. Zu arg muss sich der 1,5-Liter-Benziner des GTE anstrengen. 225 km/h Spitze sind möglich, doch weil der neue GTI mühelos 250 schafft, fällt der GTE auch in dieser Hinsicht ab. 

360°-Ansicht

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des VW Golf GTE mit unserem 360-Grad-Foto

Den größten Unterschied merkt man allerdings dort, wo sportliche Kompaktwagen am ehesten zu Hause sind - auf der Landstraße. Denn so spritzig der Antrieb des GTE, so schwerfällig ist das Auto. Die drei Zentner Mehrgewicht spürt man stets. 

Deshalb ist der GTE beileibe kein schlechtes Auto. Zumal der Spaß - anders als beim konventionellen GTI - durch die Umweltprämie kräftig subventioniert wird. Das Problem, dass sich der Wagen im Vergleich mit dem GTI wie der Zweitplatzierte anfühlt, hat sich VW im Prinzip selbst eingebrockt - durch den Vergleich mit dem GTI. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis sich das in der Branche verbreitete krampfhafte Streben nach sportlicher Attitüde verflüchtigt hat. Wenn man sich diesen Image-Firlefanz wegdenkt, ist der GTE ein auffallend angenehmer Gleiter.

Unangenehm fällt hingegen das mittlerweile häufig kritisierte Bediensystem auf, das wegen seines Verzichts auf fast alle Tasten und der Fokussierung auf berührungsempfindliche Sensorbalken und sogenannte Touch-Inseln nicht besonders intuitiv zu bedienen ist. Auch GTE-Fahrer dürften stutzig werden: Der Grad der Rekuperation und damit die Bremswirkung des zum Generator umgepolten E-Motors nach dem Lupfen des Fahrpedals lässt sich nicht - rasch und unkompliziert - mit den Wippen am Lenkrad oder am Schaltstummel verändern, sondern nur in einem Untermenü auf dem Touchscreen. 

Das muss man wissen: Die Auslieferung des mindestens 41.667 Euro teuren Golf GTE hat im September begonnen. Das gleiche Auto gibt es mit etwas weniger Ausstattung und einer ausschließlich durch die Software auf 204 PS reduzierten Leistung für rund 2000 Euro weniger auch als Golf eHybrid, der mit 80 Kilometern elektrischer Reichweite, 7,4 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 und 220 km/h Spitze wahrscheinlich die bessere Wahl ist.

Beide neuen Plug-in-Varianten verfügen nicht nur über die gleichen Motoren, sondern auch über identische Akkus mit einer Kapazität von 13 kWh. An der Haushaltssteckdose dauert das Laden rund fünf Stunden, an der Wallbox sind die Zellen nach 3:40 Stunden wieder voll. 

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VW Golf Gebrauchtwagen
Foto: ollo / Getty Images

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Das werden wir nicht vergessen: Die von Chromrahmen betonten Auspuffblenden-Imitate am Heck des GTE. Zwar ist auch das ein Zitat des GTI, wirkt aber bei den tatsächlich unter dem Wagenboden versteckten Auspuff-Endrohren besonders überflüssig. Zumindest in diesem Punkt hätte sich der GTE ruhig vom GTI emanzipieren dürfen.

Hersteller:

VW

Typ:

Golf GTE

Karosserie:

Kompaktwagen

Motor:

Vierzylinder-Turbobenziner + E-Maschine

Getriebe:

Sechsgang-Doppelkupplungsautomatik

Antrieb:

Frontantrieb

Hubraum:

1395 ccm

Leistung (Gesamtsystem):

245 PS (180 kW)

Drehmoment (Gesamtsystem):

400 Nm

Von 0 auf 100:

6,7 Sek.

Höchstgeschw.:

225 km/h

Verbrauch:

1,7 l/100 km

CO2-Ausstoß:

38 g/km

Kofferraum:

370 Liter

umgebaut:

1270 Liter

Maße:

4281 / 1789 / 1484

Preis:

41.667 Euro

Thomas Geiger ist freier Autor und wurde bei seiner Recherche von VW unterstützt. Die Berichterstattung erfolgt davon unabhängig.

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