VW Golf Plus Warum nicht gleich so?

Ab heute steht der neue Golf Plus bei den VW Händlern. Das Auto sieht dem normalen Golf verblüffend ähnlich, kann aber vieles ein bisschen besser. Die Wolfsburger sprechen von einem "konzeptionell eigenständigen Modell" - man könnte das Auto auch für einen nachgebesserten Normalo-Golf halten.


VW Golf Plus: Bis auf Spiegel, Türgriffe und Logo ist alles neu

VW Golf Plus: Bis auf Spiegel, Türgriffe und Logo ist alles neu

"Für alle, die etwas mehr Platz brauchen", sei der neue Golf Plus gedacht, sagt Marketingchef Jörn Hinrichs. Das könnten besonders groß gewachsene Menschen ebenso sein wie Familien mit Kindern oder ganz einfach "lebensaktive Zeitgenossen jeden Alters". Das ist vornehm formuliert, denn eigentlich ist der Golf Plus der neue Volkswagen für die Generation Golf Plus, also jene, bei denen es schon mal im Rücken zwickt und in der Hüfte klemmt. Denn was den in Länge, Breite und Radstand mit dem Standard-Golf identischen Golf Plus buchstäblich hervorhebt, ist seine Höhe: Das Auto ragt mit 1,58 Metern rund zehn Zentimeter höher auf als der normale Golf.

Golf-Plus-Armaturen: Aufgeräumt und ordentlich - typisch VW

Golf-Plus-Armaturen: Aufgeräumt und ordentlich - typisch VW

Der Vorteil des Dachausbaus ist, dass auch die Sitzflächen höher angeordnet werden konnten. Im Vergleich zum normalen Golf nimmt ein Golf-Plus-Fahrer 7,5 Zentimeter höher Platz, die Insassen im Fond thronen gar 8,5 Zentimeter weiter oben. Das erleichtert das Ein- und Aussteigen und verschafft mehr Überblick - über das Auto und über das Verkehrsgeschehen, was wiederum den Eindruck größerer Sicherheit vermittelt. Mit anderen Worten: Der Golf Plus macht sich exakt das zunutze, was die Besitzer von SUV-Fahrzeugen immer wieder als wichtigen Kaufgrund angeben, nämlich die Erhabenheit über das Gros der anderen Automodelle.

Das "Plus" im Namen Golf Plus - der seltsamerweise nicht auf dem Auto zu finden ist, denn auf der Heckklappe steht nur schlicht das Wort "Golf" -, bezieht sich aber nicht nur auf den Höhenzuwachs. Der Golf Plus ist auch variabler als sein niedrigerer Namensspender. Serienmäßig ist die Rücksitzbank geteilt, lassen sich die Sitze um bis zu 16 Zentimeter in Längsrichtung verstellen, die Lehnenneigung um bis zu 20 Grad verändern, und es kann auch das gesamte Fondgestühl mit einem Handgriff flach gelegt werden. Dann entsteht eine nahezu ebene Ladefläche, vorausgesetzt man fährt ein Auto der beiden höheren Ausstattungsniveaus, denn die haben einen doppelten Ladeboden an Bord, der quasi ein Unterbodenfach abtrennt. Für die Basisversion kostet die Extraetage im Kofferraum 150 Euro Aufpreis.

Golf-Plus-Heck: Hightech-Rückleuchten mit je 36 LED

Golf-Plus-Heck: Hightech-Rückleuchten mit je 36 LED

Das Gepäckraumvolumen reicht aufGrund der skizzierten Verstellmöglichkeiten von 395 bis maximal 1450 Liter. Wer einen Beifahrersitz mit umklappbarer Lehne (Aufpreis 155 Euro) bestellt, kann sogar Sperrgut von 2,30 Meter Länge transportieren. Für weitere 150 Euro offeriert VW ein so genanntes Ablagenpaket, das den Golf Plus mit insgesamt 43 Verstau- und Befestigungsmöglichkeiten für Kleinkram und Gepäckstücke zu einem Alptraum für Zerstreute machen kann - wo war noch mal die Sonnenbrille? Der Haustürschlüssel? Die Landkarte? Der Lippenstift?

535 Euro mehr kosten die Golf-Plus-Basisversionen im Vergleich zu ihren identisch motorisierten Golf-Pendants. Das ist nicht viel Geld gemessen am Mehrwert, den das neue Auto bietet. Es drängt sich die Frage auf, warum man eigentlich noch einen normalen Golf kaufen sollte? Denn der Neue sieht keineswegs plump oder massig aus, sondern durchaus wohlproportioniert und durch und durch solide. Ein typischer VW eben - modern, etwas langweilig, aber dafür garantiert zeitlos. Auch im Innenraum herrscht gepflegter Durchschnitt, gepaart mit netten Einfällen wie den acht chromumrandeten Lüftungsdüsen an der Armaturentafel und einem hübschen, groß dimensionierten Dreispeichenlenkrad.

Fahrzeugschein
Hersteller: VW
Typ: Golf Plus
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Diesel
Hubraum: 1.968 ccm
Leistung: 140 PS (103 kW)
Drehmoment: 320 Nm
Von 0 auf 100: 9,7 s
Höchstgeschw.: 202 km/h
Verbrauch (ECE): 5,7 Liter
CO2-Ausstoß: 151 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 395 Liter
umgebaut: 1.450 Liter
Versicherung: 17 (HP) / 24 (TK) / 19 (VK)
Preis: 22.190 EUR
Fahren lässt sich der Golf Plus ähnlich präzise und problemlos wie der normale Golf. Das Auto wirkt schon jetzt ausgereift, die Abstimmung passt, technisch werden die wesentlichen Ansprüche ohne Abstriche erfüllt. Zum Verkaufsstart bietet VW zwei Benziner (75 und 115 PS/55 und 85 kW) sowie zwei Turbodieselmotoren (105 und 140 PS/77 und 103 kW) an. Wir waren mit dem stärkeren der beiden Selbstzünder 2.0 TDI mit Pumpe-Düse-Technik unterwegs und erfreuten uns am flotten Durchzug ebenso wie am geräusch- und vibrationsarmen Motorlauf. 5,8 Liter meldete der Bordcomputer nach einer ausgiebigen Testrunde - ein erfreulicher Wert. Unerfreulich dagegen ist die Auskunft von VW, einen Rußpartikelfilter für die Dieselmodelle werde es erst in der "zweiten Jahreshälfte" geben - und dann auch nur zu Extrakosten von zirka 560 Euro.

Golf-Plus-Gepäckraum: Klappen und Schieben nach Herzenslust

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Auch bei der Ausstattung herrscht die VW-typische Abwechslung von Licht und Schatten. ABS, ESP und sechs Airbags sind Standard, ebenso elektrische Fensterheber vorne und hinten, Zentralverriegelung, höhenverstellbarer Fahrersitz und ein zweifach verstellbares Lenkrad, um einige Details zu nennen. Dagegen kosten Klimaanlage (plus 750 Euro), der bereits erwähnte Ladeboden, Nebelscheinwerfer (plus 146 Euro) und sogar die "Sonderfarben" Rot (plus 121 Euro) und Schwarz (plus 205 Euro) extra. Gebaut wird der Golf Plus vorerst ausschließlich in Wolfsburg, und die VW-Leute rechnen mit einem Plus-Anteil am gesamten Golf-Absatz von 25 Prozent. Offiziell. Wer nachhakt, erfährt aber, dass diese Einschätzung sehr konservativ sei und man sehr viel größere Hoffnungen in den Neuen setze. Eine Antwort, warum man angesichts des Golf Plus noch einen normalen Golf kaufen sollte, wird nicht leichter.



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