Autogramm Golf Sportsvan Wieder im Plus

Sehr praktisch, aber unfassbar spießig - das war der Golf Plus. Sein Nachfolger bekommt jetzt nicht nur den agileren Namen Sportsvan, sondern auch eine schnittigere Karosserie. Praktische Details haben trotzdem ihren Platz gefunden.

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Der erste Eindruck: Der Sportsvan ist der neue Golf Plus - und das sieht man ihm nicht an.

Das sagt der Hersteller: Alte Idee, neuer Name: Das Design des Mehrwert-Modells habe sich so stark weiterentwickelt, dass VW es nicht beim Beinamen "Plus" belassen wollte, sagt Barbara Finger aus dem Produktmarketing. Weil die dritte Karosserievariante des Bestsellers in Wolfsburg obendrein als sportliche Alternative zum Van und nicht als schickerer Kombi oder gar als Fünftürer mit Hochdach verstanden werde, habe der Name Sportsvan auf der Hand gelegen, erläutert die Marketing-Frau.

Was sie nicht sagt: Der Golf Plus hatte bei allem Erfolg (allein in Deutschland wurden über 500.000 Exemplare verkauft) bislang einfach ein furchtbar spießiges Image und galt als in etwa so sexy wie Stützstrümpfe.

Das ist uns aufgefallen: Trotz der optischen Frischzellenkur ist der Sportsvan immer noch der Golf für alle, die es gerne etwas bequemer haben. Die Sitze sind etwa zehn Zentimeter höher montiert, so dass man viel leichter ein- und aussteigen kann und am Steuer obendrein den besseren Überblick behält.

Nicht nur in der ersten Reihe profitiert man vom neuen Zuschnitt, sondern auch die Hinterbänkler freuen sich über mehr Beinfreiheit. Anders als im normalen Steilheck oder im Kombi kann man hier die zweigeteilte Rückbank zusätzlich um bis zu 18 Zentimeter verschieben und die Neigung der Lehne verstellen - bequemer sitzt man hinten deshalb in keinem anderen Golf.

Gleichzeitig will er das Auto für Praktiker sein, bietet schon bei aufrechter Rückbank und ordentlicher Beinfreiheit 500 Liter Kofferraum (120 Liter mehr als der normale Golf) und schluckt im besten Fall bis zu 1.520 Liter. Das sind nur 100 Liter weniger als beim deutlich längeren Golf Variant. Dazu gibt's ein paar Finessen wie das maßgeschneiderte Staufach für Gepäckraumabdeckung im Unterboden des Kofferraums oder den umklappbaren Beifahrersitz für lange Ladung (bis 2,50 Meter).

Chromleiste hier, Klavierlack da - wo man auch hinschaut in der Topversion Highline-Line, glitzert und funkelt es mächtig auf den Konsolen. "Damit wappnen wir uns auch für das verstärkte Engagement der Premiummarken in diesem Segment", sagt Marketing-Frau Finger mit Blick auf den Zweier Active Tourer von BMW oder die Mercedes B-Klasse. Zwar sieht der Großraum-Golf in der edelsten Version tatsächlich fast so nobel aus wie die süddeutsche Konkurrenz. Doch klettert mit ein paar Extras dann auch der Preis schnell über 35.000 Euro und erreicht fast das Niveau der noblen Konkurrenz.

VW meint es beim Sportsvan wohl auch ernst mit der ersten Silbe im neuen Namen. Deshalb gibt es auf Wunsch die Progressivlenkung mit bei engeren Kurvenradien zunehmender Übersetzung aus dem Golf GTI und obendrein das DCC-Fahrwerk mit verstellbaren Dämpfern und einer Charakterregelung auf Knopfdruck. Doch beim eher vernünftigen Zuschnitt des Sportsvans und vor allem bei den geringen Unterschieden zwischen den einzelnen Fahrprogrammen Comfort, Eco und Sport stellt sich die Frage, ob dieses System wirklich vom Markt oder nur vom Marketing gefordert war.

Das muss man wissen: Der Sportsvan kommt Ende Mai in den Handel und kostet mindestens 19.625 Euro. Damit ist er stolze 1500 Euro teurer als ein normaler Golf mit fünf Türen und liegt auch 600 Euro über dem vergleichbaren Golf Variant. Marketing-Expertin Finger vergleicht ihn aber lieber mit dem Touran und kommt dabei auf einen Preisvorteil von 3000 Euro.

Starten wird der Sportsvan mit vier Benzin- und zwei Diesel-Motoren, die ein Leistungsspektrum von 85 bis 150 PS abdecken und dem normalen Golf ein wenig voraus sind. Sie erfüllen bereits die Euro6-Norm, sind gegenüber dem Vorgänger bis zu 20 Prozent sparsamer und haben zum Teil mehr Leistung als im Drei- oder Fünftürer.

Nicht nur bei den Motoren hat der Sportsvan - zumindest vorübergehend - die Nase etwas vorn. Auch bei den Assistenzsystemen lässt der schnittige Raumkreuzer den neuen Golf schon wieder ein bisschen älter aussehen. Denn zum ersten Mal bietet VW für diese Modellvariante gegen Aufpreis einen neuen Ausparksensor am Heck des Wagens an. Er überwacht beim Rangieren den Querverkehr und schlägt Alarm oder steigt im Ernstfall sogar in die Eisen, wenn sich beim Rückwärtsfahrern von der Seite ein Fußgänger, Radfahrer oder ein anderes Auto nähert.

Wie immer beim Golf hat VW auch für den Sportsvan noch ein paar weitere Varianten in Petto. Die Sportmodelle GTI oder GTD wird es zwar trotz des passenden Namens nicht geben. Doch dafür kommen ein Sportsvan BlueMotion mit einem Dieselverbrauch von 3,6 Litern, die Allrad-Versionen mit 4Motion-Technologie und die auf Abenteuer getrimmte Cross-Variante.

Das werden wir nicht vergessen: Es sind deshalb vor allem die praktischen Details, die einem den Unterschied zum Golf immer wieder vor Augen führen - die Mittelkonsole mit dem größeren Ablagefach fürs Handy, die Rastnasen, die den doppelten Kofferraumboden halten, wenn man ihn zum Beladen des Souterrains aufstellt, und vor allem der neue Cupholder zwischen den Sitzen, der variabler ist als in wahrscheinlich jedem anderen VW-Modell. Zwei drehbare Becherklemmen für jede Dosengröße, eine Ablage für die Brieftasche und ein breites Gummiband, das losen Kleinkram hält - allein dafür hat der Sportsvan sich ein dickes Plus verdient.



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
yokolyt 07.05.2014
1. Sehr praktisch, aber unfassbar spießig - das war der Golf Plus
... so ein Quatsch, das ist ein Volkswagen! Langweilig und spießig eben!
manni.baum 07.05.2014
2. spießig ?
"spießig" ist der Form eines Autos überhaupt eine Bedeutung beizumessen, da sind die Fans von noch "schnittigeren Karosserien" wie Coupes und Sportwagen wesentlich spießiger.
Herr voragend 07.05.2014
3. ich habe meine Golf Plus
seit 2006 und wenn man ihn damals gegen den normalen Golf gestellt hat dann war er alles andere als langweiliger. Praktischer ist er allemal gerade für Familien. Wir fahren ihn immer noch und das wird hoffentlich die nächsten Jahre auch noch so bleiben. Der neue Sport Van hat da wenig Chancen weil zu teuer und der alte Golf Plus tuts noch lange....
Herr voragend 07.05.2014
4. ich habe meine Golf Plus
seit 2006 und wenn man ihn damals gegen den normalen Golf gestellt hat dann war er alles andere als langweiliger. Praktischer ist er allemal gerade für Familien. Wir fahren ihn immer noch und das wird hoffentlich die nächsten Jahre auch noch so bleiben. Der neue Sport Van hat da wenig Chancen weil zu teuer und der alte Golf Plus tuts noch lange....
oliverfischer 07.05.2014
5. Ich wuensche mir..
...dass VW den auch in den USA anbietet!
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