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VW Multivan: Aufgefrischter Tausendsassa

VW Multivan Der Bulli macht sich fein

Sportwagen, Geländegänger, Cabrio? Alles Quatsch: Manche Autofans träumen vom VW Bus. Groß wie ein Lkw, geräumig wie ein Wohnzimmer und edel wie eine Hotelsuite gibt er den Tausendsassa für einen Alltag zwischen Büro, Baumarkt und Badeurlaub. Nun wird er aufgefrischt.

Wenn Männer ihre Autoträume ausleben dürfen, fällt die erste Wahl nicht immer auf einen Supersportwagen oder ein schnittiges Cabrio. Oft gilt die Sehnsucht einem Auto, das schon ein Übermaß an Platz und Variabilität geboten hat, als Großraumlimousinen noch gar nicht erfunden waren: Dem VW Bus. Mittlerweile fast 60 Jahre alt, über zehn Millionen mal verkauft und seit sechs Jahren in der fünften Generation, ist er - wie sonst allenfalls noch ein großer Kombi von Volvo - die absolut wertfreie und klassenlose Familienkutsche, die sich vor der Waldorfschule ebenso sehen lassen kann wie vor dem Grand Hotel, der Oper oder dem Golfclub.

Zwar machen natürlich die Gewerbetreibenden den Löwenanteil der Kunden aus und kaufen den T5 als Transporter, Kasten- oder Pritschenwagen. "Doch rund 30 Prozent unserer Fahrzeuge liefern wir als Pkw aus", sagt Finanz-Vorstand Klaus-Dieter Schürmann mit Blick auf Multivan, Caravelle und das Wohnmobil California. Und künftig könnten es noch ein paar mehr werden. Denn wenn am 16. Oktober die aufgefrischte Version des T5 an den Start geht, ist das einstige Nutzfahrzeug näher an Passat oder Polo als je zuvor: "Nur von Facelift zu sprechen, wäre deshalb zu wenig", ist Schürmann überzeugt: "Für uns ist das eine richtige Neuauflage."

In der Tat war es weniger die Front, an der die Niedersachsen gearbeitet haben - wenngleich der Multivan nun einen neuen Kühlergrill samt neuen Scheinwerfern trägt und so mit einem schwarzen Streifen vor dem Kühler tatsächlich ein wenig nach Golf und Konsorten ausschaut. Das Gros der rund 30 Prozent Neuteile findet man unter der Motorhaube. Statt des bisherigen Vierzylinders mit 1,9 Litern und des Fünfzylinders mit 2,5 Litern Hubraum baut VW dort jetzt nur noch einen Motorblock mit zwei Litern Hubraum ein und programmiert die Elektronik in vier Leistungsstufen von 85 bis 180 PS. Nur der 2-Liter-Benziner mit seinen mageren 115 PS bleibt im Programm. "Der kommt zwar nur auf einen Verkaufsanteil von drei Prozent, aber den brauchen unsere Partner für die Umrüstung auf Erd- oder Flüssiggas", sagt ein Techniker.

Wie bei den Pkw stellen die Ingenieure mit dem T5-Facelift bei den Dieseln jetzt endlich von der Pumpe-Düse- auf die Common-Rail-Technik um. Das sorgt nicht nur für mehr Ruhe auf Reisen, weil die neuen TDI-Motoren viel leiser verbrennen. Es senkt außerdem auch den Verbrauch um durchschnittlich zehn Prozent. Noch mehr sparen kann man mit der siebenstufigen DSG-Automatik. "Dann kommen wir gegenüber dem Vorgänger auf einen Verbrauchsvorteil von fast zwei Litern", sagt Schürmann und lenkt den Blick auf das neue Top-Modell, das mit 8,1 Litern kaum mehr verbraucht als eine Mittelklasse-Limousine - und das beim Luftwiderstand einer Schrankwand, der Größe eines Bürocontainers und dem Gewicht zweier Polos.

Auf der ersten Testfahrt macht der stärkste TDI eine ordentliche Figur. Leise, kultiviert und kraftvoll bringt er den Raumriesen in Fahrt. Doch können auch 180 PS und bis zu 400 Nm keine Wunder bewirken: Mehr als ein Sprintwert von 11,3 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 191 km/h sind nicht drin. Reisen, nicht Rasen, lautet deshalb die Devise, wenn man hoch oben über der Straße thront und ganz gelassen dem Horizont entgegen gleitet.

Raum zum Reisen

Vielleicht ist der T5 nicht der schnellste und sportlichste Langstreckenwagen. Und ein bisschen Umsicht beim Rangieren oder in schnellen Kurven erfordert er auch. Doch kein anderes Auto dieser Klasse bietet mehr Raum zum Reisen: Die Sitzlandschaft mit drehbaren Einzelsesseln, verschiebbarer Rückbank und verschiedenen Klapptischen lässt sich mit ein paar Handgriffen Gruppengröße und Ausflugsziel anpassen. In den Kofferraum passen mehr Souvenirs als der Zoll erlaubt. Und wo andere Autos zu wenige Ablagen haben, bietet der Multivan davon so viele, dass man seine Siebensachen oft stundenlang wieder zusammensuchen muss.

Darüber hinaus haben die Wolfsburger den gesamten Innenraum verbessert. "Wir sind mit offenen Augen durch das Teilelager der Pkw-Kollegen gelaufen und haben uns reichlich bedient", beschreibt ein Techniker die Aufrüstung. Diese Tour hat dem Multivan nicht nur ein neues Lenkrad und neue Instrumente eingebracht, sondern auch die jüngste Generation von Musik- und Navigationsanlagen, TV-Empfang, statisches Kurvenlicht und einen Assistenten für den Blick in den Toten Winkel.

Anders als zum Beginn seiner Karriere in den Fünfzigern ist der VW Bus längst kein billiges Auto mehr. Doch zumindest an der Basis findet das Downsizing jetzt sogar in der Preisliste seinen Niederschlag: "Beim Einstiegsmodell für 29.950 Euro haben wir deshalb nicht nur ein paar hundert Euro vom Sichtpreis abgezogen", sagt Vorstand Schürmann. Berücksichtigt man die Ausstattung insgesamt, spart man mit dem Facelift rund 1.500 Euro im Vergleich zum Vorgänger.

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