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27. Mai 2008, 08:39 Uhr

VW Multivan PanAmericana

Wo bitte geht's nach Panama?

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Für den Urlaub war der VW Multivan schon immer eine gängige Option, auch als Umzugslaster taugt der Bulli-Erbe. Mit dem Sondermodell PanAmericana wird der Bus dank Allradantrieb, Unterfahrschutz und mehr Bodenfreiheit nun wieder zum echten Globetrotter.

Wer einen VW-Bus fährt, hat oft den weiteren Horizont. Dutzende von Aufklebern am Hecks zeugen von der Reiselust vieler Besitzer. Und ganz gleich, wohin Pauschaltouristen fliegen: Kaum haben sie den Mietwagen geentert und den Flughafen verlassen, treffen sie garantiert irgendwo am Strandparkplatz einen in Würde ergrauten Multivan mit deutschem Kennzeichen, vor dem sich ein Lehrerpärchen in Birkenstock-Latschen in der Sonne fläzt.

Künftig können VW-Bus-Fahrer ihren Aktionsradius ausweiten. Denn VW bietet den Multivan jetzt als Abenteuer-Version an. Benannt nach der legendären PanAmericana-Piste von Prudhoe Bay in Alaska bis Ushuaia in Feuerland und abgeleitet vom konventionellen Allradmodell 4Motion gibt er mit Differentialsperre und erhöhter Bodenfreiheit den Van für alle Wege.

Wer mindestens 49.995 Euro anlegt, bekommt neben der stilisierten Weltkugel auf dem in Sonderfarben lackierten Blech vor allem ein neues Fahrwerk, das mit zwei Fingerbreit mehr Bodenfreiheit über manche Kuppe und Klippe hinweg helfen soll. Zwar rumpelt und poltert der Abenteurer im Alltag über Autobahn-Querfugen, als säße man auf einem störrischen Präriegaul. Doch kennt der geräumige Vetter des VW Geländewagens Touareg dafür im Gelände nur wenige Grenzen.

Natürlich muss man angesichts des langen Radstands aufpassen, dass der Wagen nicht aufsetzt und sich festfährt. Doch ausgefahrene Spurrillen im Schlamm des Alpenvorlandes, schienbeintiefe Schlaglöcher auf den Schotterpisten in der hinteren Mongolei oder Schneewehen auf dem Weg zum Nordkap machen dem PanAmericana keine Mühe.

Außerdem gibt es zum serienmäßigen Allradantrieb ein Sperrdifferential für die Hinterachse, mit dessen Hilfe sich der Multivan auch aus tiefen Matschlöchern wieder heraus wühlt. Und damit die Abenteuerlust auch wirklich deutlich wird, trägt er einen angedeuteten Unterfahrschutz in Alu-Optik, an den Flanken eine glänzende Schutzleiste und auf den hinteren Stoßfängern eine genarbte Schutzfolie.

Außerdem zeigen die Fußmatten (Bestellcode "robust") und Einstiegsleuchten den PanAmericana-Schriftzug. Und die Mittelbahnen der Sitze sind mit Leder bezogen, dessen Farbe einen je nach Einsatzzweck an Sattelleder oder Schlamm erinnert.

Wer wirklich den Schritt vom Alltag ins Abenteuer wagen möchte, nimmt allerdings am besten noch einmal gut 11.000 Euro in die Hand und bestellt das zusätzliche Offroad-Paket, mit dem der Multivan vollends zum Globetrotter wird. Es enthält neben den größeren Geländereifen vor allem ein Spezialfahrwerk des Expeditionsausrüsters Seikel mit nochmals erweiterter Bodenfreiheit, einem Unterfahrschutz, der so stabil ist wie er aussieht, und einem kürzer übersetzten ersten Gang, der das Anfahren auf schlechtem Grund oder an steilen Hängen erleichtern soll.

Unter der Haube gibt es die Wahl zwischen einem V6-Benziner mit 3,2 Litern Hubraum und 235 PS oder zwei Dieselmotoren, die aus 2,5 Litern Hubraum wahlweise 131 oder 174 PS schöpfen. Natürlich ist insbesondere das Basismodell nicht gerade üppig motorisiert, zumal der Multivan in Gewicht und cW-Wert nahe an eine Fertiggarage kommen dürfte. Obwohl der Fünfzylinder ordentliche 340 Nm erreicht, braucht das Dickschiff für den Standardspurt stattliche 16 Sekunden. Und schon bei 165 km/h ist es mit dem Vortrieb wieder vorbei.

Platz genug für Hauszelt, Feldküche und viele Extras

Aber das Motto heißt ja "reisen, nicht rasen". Außerdem: je schneller der Diesel fährt, desto lauter wird er auch. Also lässt man es besser ruhiger angehen, freut sich an kernigem Klang und kräftigem Durchzug und reibt sich verwundert die Augen beim Blick auf die Tankuhr. Denn bei einem Normwert von 9,1 Litern und einem Alltagsverbrauch von etwa zehn Litern bewegt sich deren Nadel angenehm langsam. Im Alltag sieht man den Tankwart nur selten. Aber auf der 22.880 Kilometer lagen PanAmericana kommt man mit einer Reichweite von 900 Kilometern natürlich nur langsam voran. Zwei, drei Reservekanister können deshalb sicher nicht schaden. Doch an Platz herrscht im Multivan zum Glück kein Mangel

Daran ändert sich auch in der speziellen Pfadfinderkluft nichts. Zwar ist der Boden mit Riffelblech ausgelegt und die Sitze haben einen speziellen Bezug, doch können die vier Sessel nach wie vor in Längsrichtung verschoben, komplett ausgebaut und in der zweiten Reihe auch gegen die Fahrtrichtung gedreht werden. Und ganz egal, wie viel Beinfreiheit die Hinterbänkler auch brauchen, muss man beim Gepäck nicht sparen. Neben Shorts und Stiefeln passen problemlos auch das Hauszelt, die Feldküche und auch noch die Ausrüstung eines Großwildjägers hinein.

Natürlich werden auch mit dem PanAmericana die wenigsten VW-Kunden zur Weltumfahrung starten. Doch zumindest in der Theorie muss die Fahrt jetzt nicht mehr in der Toskana, in Trondheim oder in der Uckermark enden. Panama, wir kommen!

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