VW Multivan und Mercedes Viano Familienticket zum Luxustarif

Jetzt haben sich die Kinder auch im automobilen Sinn gelohnt. Denn Vati darf nun ohne kritische Blicke eine Großraumlimousine fahren, die wirklich hält, was der Name verspricht. Für Gutverdiener kommen nur zwei Autos in Frage: der VW T5 und der Mercedes Viano.


Vans gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Doch je größer das Fahrzeug sein soll, desto kleiner wird die Auswahl. Wenn man dann auch noch einen gewissen Luxus verlangt und nicht in einem Kastenwagen mit großen Fenstern und Extra-Sitzplätzen auf Reisen gehen möchte, bleiben eigentlich nur zwei Fahrzeuge übrig, die folgerichtig als Traum vieler Familienväter gelten: der Mercedes Viano und der VW T5 Multivan.

Zwar ist es sicher überzogen, wenn man manchen Fahrern das dritte oder vierte Kind als Argument für einen der beiden Vans unterstellt. Doch nach einer intensiven Begegnung mit den beiden Raumfahrzeugen könnten wir selbst das verstehen: Denn sowohl der Multivan als auch der Viano sind bei vielen Fahrtgelegenheiten ein Vergnügen. Nicht sportlich, aber souverän, nicht rasant, aber zügig kann man mit ihnen ganz entspannt über Land fahren und mit etwas Fingerspitzengefühl im Parkhaus auch die Einkaufsfreuden ohne Einschränkung genießen.

Dabei erziehen die beiden Riesen automatisch zur Gelassenheit: Schnelle Spurts auf gewundenen Pässe, die sportliche Kurvenhatz oder die flotte Fahrt entlang einer Steilküste wird man mit Rücksicht auf die Trägheit der Masse einfach bleiben lassen. Obwohl beide Testwagen mit ihren großen Dieselmotoren genügend Kraft hätten und die Straßenlage gar nicht so schlecht ist, lässt man es von vornherein etwas ruhiger angehen. Man sitzt ja auch buchstäblich über den Dingen, genießt von dort einen perfekten Ausblick und wähnt sich zwischendurch wie ein Brummi-Fahrer als König der Landstraße.

Doch wenn die Straße frei und der Terminkalender voll ist, können beide auch anders. Der Drei-Liter-Motor des
Mercedes hat immerhin 204 PS und 440 Nm, mit denen er sich kräftig ins Zeug legt. Nicht ganz so leise wie die Pkw-Selbstzünder beschleunigt er den komfortablen Kasten in 9,7 Sekunden auf Tempo 100 und ermöglicht eine Reisegeschwindigkeit von 197 km/h. Auch der T5 Multivan ist mit seinem 2,5 Liter großen Fünfzylinder-Diesel kein Leisetreter. Wenn es sein muss, dann bringen 174 PS und bis zu 400 Nm den Dauerbrenner in 12,2 Sekunden auf Tempo 100 und verschaffen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 188 km/h bei Termindruck etwas Luft. Dass beide Großraumlimousinen bei verschärfter Gangart mehr als zehn Liter Kraftstoff verbrauchen, ist insofern kein Drama, als die Autos über den Bonus der erhöhten Sitzplatzzahl verfügen. Ein normaler Pkw müsste für diese Passagieranzahl schließlich zweimal fahren.

Weil wahre Größe von innen kommt, haben die Raumriesen nicht nur ein stattliches Format, sondern auch eine Fahrgastzelle, die sich manch einer als Wohnzimmer wünschen würde. Nicht nur die Platzverhältnisse sind fürstlich, auch die Ausstattungsmöglichkeiten bieten eine nahezu unbegrenzte Vielfalt – vom Müllbehälter in der Seitenwand über die programmierbare Standheizung und den ausfahrbaren Besprechungstisch bis hin zu den Unterhaltungssystemen mit Navigation und Bordkino, die allesamt aus der Pkw-Welt bekannt sind. Überhaupt haben weder der Viano noch der Multivan viel mit einem Nutzfahrzeug gemein. Wer fleißig Kreuzchen in den dicken Preis- und Extras-Listen macht, landet zwar schnell bei 40.000 Euro oder mehr, braucht aber auf kaum etwas zu verzichten.

Der VW gilt noch immer als Urtyp dieser Fahrzeugklasse

Während man auch in großen Kombis überlegen muss, wie viele Passagiere und wie viel Gepäck nun mitfahren dürfen, sind die beiden Luxuslaster wahre Meister der Möglichkeiten: Die bis zu acht Sitze im Viano sowie die beiden Einzelsitze und die Dreier-Bank im Multivan können individuell verschoben und auch herumgedreht oder ausgebaut werden. Im besten Fall steht dann Laderaum im Überfluss zur Verfügung.

Obwohl sich die beiden Konkurrenten im Prinzip in nichts nachstehen, ist der Mercedes tendenziell ein wenig teurer, dafür aber auch etwas vornehmer. In der Zulassungsstatistik jedoch liegen zwischen VW und Mercedes Welten: Rund 13.000 Viano und Vito für den zivilen Einsatz hat das Kraftfahrt-Bundesamt für die ersten elf Monate dieses Jahres registriert. VW Transporter, Caravelle und Multivan schaffen mit 40.000 Neuzulassungen mehr als das Dreifache. Deshalb von einem Misserfolg zu reden, fällt Mercedes-Sprecher Michael Gutzeit nicht ein.

"Im Gegenteil, der Viano in der zweiten Generation ist ein Erfolgsmodell", kontert er. "Natürlich ist es schwer, gegen ein Fahrzeug anzutreten, das mittlerweile eine Tradition von mehr als 50 Jahren hat und zum Synonym für ein ganzes Segment geworden ist", sagt Gutzeit. "So wie man heute Jeep sagt und Geländewagen meint oder die größeren Transporter allesamt der Sprinterklasse zuordnet, so ist der VW Bus eben der Kleinbus schlechthin", räumt Gutzeit ein. "Aber wir holen mächtig auf." Das bestätigt auch die Produktionsstatistik des Werkes im spanischen Vittoria. Gutzeit: "Während wir dort von der ersten Generation im Schnitt 60.000 Autos pro Jahr produzierten, kommen wir nun jährlich auf rund 90.000. Das ist eine Steigerung von 50 Prozent, die uns erst einmal einer nachmachen muss."

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.