Autogramm VW Passat Der Langweiler kann jetzt Luxus

Er gilt als biederer Beamtenwagen, doch der neue VW Passat ist anders - er ist tatsächlich luxuriös. Doch die vielen schönen Extras sind nicht ganz billig. Luxus eben.

Volkswagen

Der erste Eindruck: Bloß keine Experimente! Überraschend ist das Design des neuen Passat nun wirklich nicht. Doch immerhin gibt es ein paar markante Details. Die neue Frontpartie mit den durchgehenden Linien im Kühler zum Beispiel, die den Wagen breit und protzig aussehen lassen.

Das sagt der Hersteller: 22 Millionen Exemplare in sieben Generationen und im Durchschnitt alle 29 Sekunden ein neuer Kunde - "Das macht den Passat zu einer der tragenden Säulen für Volkswagen", sagt VW-Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer. Die neue Baureihe sei "zwar nicht die neue Oberklasse von VW", sagt Neußer, aber es könne "alles besser als das Vorgängermodell."

Das ist uns aufgefallen: Der Schlüssel liegt groß und schwer in der Hand, der Innenraum empfängt einen mit Holz und Leder, die rückenfreundlichen Sitze sind wie gemacht für Kilometerfresser, in der Mittelkonsole prangt ein großer Touchscreen und hinterm Lenkrad funkelt ein digitales Cockpit, das es fast mit der Mercedes S-Klasse aufnehmen kann. Kurz gesagt: Selten wirkte ein VW so vornehm - und so wenig volkstümlich. Die Nobelmodelle aus dem deutschen Süden erscheinen da gar nicht mehr so unerreichbar.

Aber es ist natürlich nicht nur das edlere Interieur und Extras wie das Head-up-Display oder der Massagesitz, die den Passat - und vor allem auch die Passat-Preise - in die gehobene Mittelklasse hieven. Sondern quasi zum Nulltarif gibt es noch einen anderen Vorzug: Platz! Obwohl das Auto um vier Millimeter kürzer und auch etwas flacher wurde, bietet der Wagen spürbar mehr Raum auf allen Sitzen und dazu auch mehr Kofferraumvolumen. Das liegt vor allem am Radstand, der um acht Zentimeter wuchs und an der etwas breiter gewordenen Karosserie.

Das muss man wissen: Ab Anfang November werden die neuen Passat-Modelle ausgeliefert, und zwar erstmals zugleich als Limousine und Kombi. Auf den ersten Blick hat VW bei der Preisgestaltung die Bodenhaftung behalten. Denn das mit Multifunktionslenkrad und Startknopf ausgestattete Grundmodell kostet mit 30.250 nur wenige hundert Euro mehr als bislang, der billigste Variant (so heißt die Kombi-Version) kostet 31.325 Euro.

Wer sich jedoch in der 26 Seiten dicken Preisliste verliert, landet mit einer stärker motorisierten Variante und einigen Extras rasch jenseits von 50.000 Euro - ein Auto fürs Volk ist der Passat dann nicht mehr.

Als Motorisierungen gibt es zunächst einen 150 PS starken Benziner und zwei Diesel mit 150 oder 240 PS. Demnächst sollen TSI-Motoren mit 125 bis 280 PS folgen und auch weitere TDI-Varianten von 120 bis 190 PS. Alle Motoren sind neu im Passat und bis zu 20 Prozent sparsamer - auch weil das Auto aerodynamisch verbessert wurde und die sanfte Start-Stopp-Automatik früher einsetzt. Und vor allem, weil der Passat je nach Version um bis zu 85 Kilo leichter wurde.

Im kommenden Jahr wird der Passat auch mit einem Plug-in-Antrieb verfügbar sein, dann als Passat GTE; die Technik ermöglicht bis zu 50 Kilometer elektrisches fahren und drückt den offiziellen Normverbrauch - laut des weltfremden Testzyklus - auf weniger als zwei Liter.

Wir waren mit dem aktuell stärksten Vierzylinder-Diesel des VW-Konzerns unterwegs, dem 2-Liter-TDI mit 240 PS. In der Praxis allerdings wirkt der Selbstzünder zumindest auf bergigen Landstraßen weniger souverän, als man aufgrund der Eckdaten erwarten würde. Insgesamt erfreut das Aggregat mit einem wunderbar seidigen und leisen Lauf; verfügbar ist der Motor ausschließlich in Kombination mit Doppelkupplung und Allradantrieb. Das ausgewogene Triebwerk scheint wie gemacht für den Passat - obwohl die fetten Sechszylinder-Diesel der Konkurrenz aus Stuttgart und München natürlich potenter auftreten.

Das werden wir nicht vergessen: Es ist faszinierend, mit welcher Liebe zum Detail VW den Passat in Richtung Oberklasse getrimmt hat. Der digitale Tacho ist eine Augenweide, und die durchgehenden Lüftergitter um das Armaturenbrett sind ein cleverer Trick, um den Innenraum noch geräumiger wirken zu lassen. Da ist es fast schon sympathisch, dass die Holzzierleisten im Cockpit nicht recht zueinander passen wollen - sonst hätte man gar nichts zu bemängeln.

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insgesamt 70 Beiträge
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fast_weise 07.10.2014
1. alles schön und gut
der Passat nährt sich auch preislich Premiumtochter Audi. Wer kann sich das leisten? Firmen, Selbständige oder Höherer Dienst der Staatsdiener. Das das Auto gut ist, will ich nicht bezweifeln, aber langsam verliert man die Bodenhaftung und erklärt den Erfolg von Konzernbruder Skoda Superb oder Hyundai, Kia , Dacia und Co...
yshitake 07.10.2014
2. VW driftet mal wieder ins
und wird dabei doch höchstens der Konzerntochter Audi gefährlich. Wenn sie sich zu weit vom Vertreter-Image weg bewegen, könnte Skoda den Platz für "echte Volkswägen" schnell besetzen. Je teurer und "luxuriöser" VW den Passat macht, desto mehr treiben Sie ihre Kunden zu BMW und Mercedes. Oder fährt jemand VW und träumt heimlich von einem Audi?
raber 07.10.2014
3. Ein neuer alter Passat-Langweiler
Lobeshymne von Herrn Grünweg auf einen grossen Langweiler dessen Tradition eine weitere Fortsetzung erlebt. Fällt VW vom Design her wirklich nichts ein?
sunder 07.10.2014
4. ...immer noch ein VW
...es bleibt sicherlich trotzdem ein VW. Bin vorher BMW gefahren...Strassenlage viel besser, Motor geschmeidiger, leiser, besseres Handling. Also, VW wird aus meiner Sicht nie zu den echten Premiummarken aufsteigen können. Macht auch irgendwie keinen Sinn...
boingdil 07.10.2014
5. Der echte Volkswagen ist ein Skoda
Und das schon eine ganze Weile. Schon bezeichnend dass VW den Skoda Superb künstlich kleinhält, damit er den Passat nicht gefährdet. Gleichzeitig driftet der Passat Richtung Luxus, wo eigentlich Audi ist. Bescheuerte Modellpolitik. Lege ich Wert auf Luxus will ich auch die Marke haben, sprich Audi. Ist mir Image egal und will ich viel Auto fürs Geld nehm ich Skoda. Die "Hausmarke" des Konzerns wird mehr und mehr überflüssig.
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