VW Phaeton Häuptling Adlerauge

Das Auto habe einen "Adlerblick", sagt Designer Klaus Bischof. "Wer den Phaeton im Rückspiegel sieht, macht gerne die Spur frei." Ob das auf alle Vorausfahrenden zutrifft, scheint fraglich. Denn der neue VW wird auch in den Rückspiegeln von Mercedes S-Klasse, BMW 7er und Audi A8 auftauchen.

Möchten Sie lieber Fossilien im Elbsandsteingebirge suchen oder Porzellanteller in Meißen bemalen? "Wir machen es möglich", sagt Stefan Schulte, verantwortlich für Vertrieb und Marketing in der "Gläsernen Manufaktur" von VW in Dresden. Es ist nämlich nicht einfach so, dass künftige Käufer des Modells Phaeton das Geld auf den Tisch legen, den Autoschlüssel bekommen und das war’s.

Vorderansicht: Angespitzte Frontpartie

Vorderansicht: Angespitzte Frontpartie

Luxuriöser Innenraum: 18-fach verstellbare Vordersitze und Vier-Zonen-Klimaanlage

Luxuriöser Innenraum: 18-fach verstellbare Vordersitze und Vier-Zonen-Klimaanlage

Auffälliges Design: Blinker im Spiegel

Auffälliges Design: Blinker im Spiegel

Spielerisches Bedienen von Lenkrad und Gaspedal

Spielerisches Bedienen von Lenkrad und Gaspedal

500-Liter-Kofferraum: Sportliches Design

500-Liter-Kofferraum: Sportliches Design

Trotz des tiefen Raumes: Etwas zu klein geratene Öffnung

Trotz des tiefen Raumes: Etwas zu klein geratene Öffnung

Zwölfzylinder-Motor: Fahrt soll zum Erlebnis werden

Zwölfzylinder-Motor: Fahrt soll zum Erlebnis werden

Adleraugen: "Wer den Phaeton im Rückspiegel sieht, macht gerne die Spur frei"

Adleraugen: "Wer den Phaeton im Rückspiegel sieht, macht gerne die Spur frei"

Rückansicht: Der VW Phaeton ist der derzeit massigste Serien-PKW aus deutscher Produktion

Rückansicht: Der VW Phaeton ist der derzeit massigste Serien-PKW aus deutscher Produktion

Hersteller:VW
Typ:Phaeton W12
Karosserie:Limousine
Motor:W-Zwölfzylinder-Benziner
Hubraum:5.995 ccm
Leistung PS:420 PS
Leistung kW:309 kW
Drehmoment:550 Nm
Von 0 auf 100:6,1 Sek.
Höchstgeschw.:250 km/h
Verbrauch (ECE):15,6 Liter
CO2-Ausstoß:370 g/km
Kofferraum:500 Liter
Versicherung (HP):23 €
Versicherung (TK):39 €
Versicherung (VK):36 €
Preis:98.600 €

Der Phaeton-Kauf soll zum Erlebnis werden: Eine Reise nach Dresden, der Besuch in der beinahe schon klinisch reinen Autofabrik, wo die Werker hinter Glasscheiben, aber vor aller Augen die Fahrzeuge zusammenbauen, das Rahmenprogramm nach persönlicher Neigung. Und als Höhepunkt die Phaeton-Übergabe. In einem eigens dafür hergerichteten Raum des futuristischen Fabrikkomplexes mit einem kreisrunden Schacht, aus dessen Tiefe das Auto hervorgehoben wird, begleitet von einer Lichtshow und dramatischer Musik.





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Schöne neue Autowelt, die Volkswagen inszenieren möchte. Ab 2004, wenn das neue Topmodell auf allen Märkten verfügbar sein wird, plant VW einen Absatz von 20.000 Phaeton-Modellen pro Jahr. Und etwa 60 Prozent der Käufer, so eine weitere Schätzung, werden ihr Auto in Dresden abholen. Auch die Fahrpräsentation des Phaeton, zu der die Wolfsburger in den kommenden Wochen mehrere hundert Journalisten und Investoren eingeladen haben, beginnt dort.

Also erst einmal Stadtverkehr. Und schon nach den ersten Kilometern wird deutlich: Unser Testmodell, der Phaeton W12 mit 420-PS-Motor (309 kW) und knapp 2,4 Tonnen Gewicht, lässt sich erstaunlich leicht bewegen. Beinahe spielerisch kommt einem das Hantieren an Lenkrad und Gaspedal vor. Man merkt gar nicht, dass man im derzeit massigsten und größten Serien-Pkw aus deutscher Produktion unterwegs ist. So etwas hinterlässt Eindruck. Und der verstärkt sich noch, als wir auf die Autobahn rollen.

Wie kraftvoll und ruhig die Maschine läuft, wie leise der Fahrtwind um die Karosserie streicht - das Fahrgefühl pendelt sich irgendwo zwischen Seilbahn und fliegender Teppich ein. Maßgeblichen Anteil daran hat das aufwendige Fahrwerk mit Vierrad-Luftfederung. Die Dämpfung kann in vier Stufen vom Fahrer reguliert werden. Den Rest übernehmen Sensoren, Druckspeicher und Steuergerät. Bei Zwölfzylinder kommt Allradantrieb hinzu, außerdem die inzwischen üblichen Helfer wie ESP, ABS und ASR (Anti-Schlupf-Regelung).

Der Aufwand, der für den Komfort getrieben wird, ist enorm. Allein die insgesamt 3,2 Kilometer langen Kabel, die im Phaeton verbaut sind, wiegen 70 Kilo. Und sie ermöglichen so angenehme Dinge wie 18-fach verstellbare Frontsitze oder eine Vier-Zonen-Klimaanlage, die den Innenraum auf Knopfdruck vollkommen zugfrei temperiert. Das Auto ist, und dies gilt für alle Plätze, sehr bequem und sehr durchdacht. Das macht es auch sehr schwer und sehr kraftstoffgierig.

19,4 Liter meldete der Bordcomputer nach der etwa 250 Kilometer langen Fahrt von Dresden nach Berlin, auf denen es über Autobahnen, schmale Alleen im Spreewald und den dicken Hauptstadtverkehr ging. Der Wert dürfte also einigermaßen realistisch sein. Besser machen ließe sich sicher auch der Zugang zum sehr tiefen Kofferraum. Die Öffnung ist für ein Auto dieses Kaliber ein wenig klein geraten. Das ist dem Design geschuldet, denn die C-Säule läuft sehr flach aus, damit der 5,05 Meter lange Viertürer möglichst sportlich - VW sagt "coupéartig" - wirkt.

Das Karosseriedesign spricht eine klare, einfache Sprache. Akzente setzen drei Details: Die angespitzte Frontpartie mit den flach geschnittenen "Adlerblick"-Scheinwerfern, die auffällig breit und stämmig geformte C-Säule und das glatte, wuchtige Heck mit den Rückleuchten, die in ihrer inneren Kreisform an Ferrari erinnern. Ein Design-Effekt übrigens, der auch schon von Ford beim Mondeo aufgegriffen wurde. Das Cockpit setzt, wie auch die äußeren Proportionen, auf Ruhe und elegante Schlichtheit. Nichts stört oder fällt ins Auge, aber alles ist so angeordnet, als gehöre es schon immer da hin."Wir wollen, dass unsere Kunden sich im Auto zu Hause fühlen", sagt Designer Bischof. Das wird klappen. Schon deshalb, weil man für den Preis des Zwölfzylinder-Modells auch eine kleine Wohnung erstehen könnte.

Es geht auch bescheidener. Wenn in einigen Wochen die Auslieferung beginnt, wird neben der Zwölfzylinder-Variante auch das Einstiegsmodell mit V6-Motor (241 PS/177 kW) zu Preisen ab 56.200 Euro dabei sein. Anfang nächsten Jahres folgt dann ein Phaeton mit V10-TDI-Motor (313 PS/230 kW) und im Mai 2003, rechtzeitig zum Verkaufsstart in den USA, das Modell mit V8-Antrieb. Die US-Amerikaner nennen das Auto "Fiton", und auch bei VW herrscht eine gewisse Bandbreite an Aussprachevarianten für den Typennamen. "Fätong" etwa sagt, leicht französisch-nasal, Marketing-Frau Katharina Wenzel. Nach "Feten" klingt es, wenn Designer Bischof über das Auto spricht, und der technische Projektleiter Werner Wilhelm sagt schlicht und einfach "Fäton". Wem solche Unterschiede in der Oberklasse nicht geheuer sind, der kann den Schriftzug Phaeton auf dem Kofferraumdeckel unter dem großen VW-Logo abbestellen. Ohne Aufpreis.

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