VW Polo 1.2 Trendline Der Basisarbeiter

Für Testfahrten stellen Pkw-Hersteller Journalisten gern Autos hin, denen es an nichts fehlt: Im Motorraum bollert die stärkste verfügbare Maschine, den Innenraum ziert die Top-Ausstattung. Der VW Polo 1.2 Trendline zeigt, dass Verzicht mitunter viel überzeugender ist.
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VW Polo: Das Einstiegsmodell

Autosalon in Genf

Was für einer will er sein, der neue Polo? "Eine Wonne für jeden, der an Verschwendung sparen möchte", heißt es auf der Web-Seite von Volkswagen. Das ist raffiniert formulierte Werberlyrik - doch in der Realität würde VW am liebsten jeden Polo verschwenderisch ausstatten. Auf dem wird beispielswiese der Polo GTI vorgestellt, ein Kleinwagen mit 180 PS, 229 km/h schnell und mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ausgestattet.

Der Preis dieses Fegers steht noch nicht fest, doch rund 20.000 Euro dürfte der Wagen kosten. Am anderen, unteren Ende der Preisliste ist der VW Polo 1.2 Trendline zu Hause - motorisiert mit einem Dreizylinder-Benzinmotor mit 60 PS, dessen Kraft über ein Fünfgang-Schaltgetriebe verwaltet wird und der bei voll durchgedrücktem Gaspedal auf 157 Sachen kommt. 12.150 Euro kostet dieser billigste und schwächste Polo.

Wir waren jetzt mit diesem Auto unterwegs, allerdings nicht zu diesem Preis, denn unser Testwagen verfügte über vier Türen (plus 735 Euro), über Kopfairbags hinten (plus 465 Euro), Zigarettenanzünder (plus 20 Euro), Musikanlage (plus 475 Euro) und war im Farbton "Flash-Rot" lackiert (plus 130 Euro) - macht alles in allem 13.975 Euro. Das ist weit von einem Sonderangebot entfernt, aber immer noch nah genug am Einstiegspreis, um von einem Basismodell zu sprechen, zumal was die Technik betrifft.

Der erste Eindruck nach dem Einsteigen: alles grundsolide. Unsere Begleiterin jauchzte regelrecht über die "schnörkellose Ehrlichkeit" des Interieurs, dem alles abgeht, was beispielsweise in den höheren Ausstattungsniveaus Comfortline und Highline den Besitzerstolz mehren soll. Als da wären Chromzierringe um die Instrumente, Fußraumbeleuchtung, Dekoreinlagen in der Mittelkonsole, Lederlenkrad, geschäumte Instrumententafel oder Sitzbezüge im Stoffdessin "Fonzie" (im Modell Trendline heißt das Stoffmuster "Metric" und sieht auch ganz annehmbar aus) - all das gibt es nicht in der Basisausstattung, und doch fehlt eigentlich nichts.

Mit der Kraft aus drei Zylindern

Beim Fahren in der Stadt erweist sich der Polo-Benjamin ebenfalls als kompetenter Begleiter. Die Lenkung könnte vielleicht etwas griffiger sein, doch die Kraft des Dreizylindermotors reicht problemlos aus, um locker im Verkehr mitzuschwimmen. Sogar auf der Autobahn vermisst man nichts, jedenfall dann nicht, wenn man auf Linke-Spur-Hetzjagden verzichten kann und niemandem beweisen muss, dass man doch der bessere, schönere - also: schnellere - Autofahrer ist. Spaß macht flottes Fahren mit dem schwächsten Polo jedoch auch nur bedingt, denn ab Tempo 120 etwa wird es etwas laut in der Kabine, und man wünscht sich, einen sechsten Gang einlegen zu können, um die Motordrehzahl wenigstens etwas senken zu können.

Im offiziellen Datenblatt nennt VW 5,5 Liter als Durchschnittsverbrauch. Den Wert erreicht man aber nur, wenn man allein fährt, und zwar sehr vor- und umsichtig. Wer den Polo ganz normal bewegt und zudem die vier Türen und die rundum ordentlichen Sitze auch mal nutzt, der wird mit gut einem Liter mehr rechnen müssen. Das ist immer noch ok, aber natürlich nicht sonderlich sparsam. Immerhin: Der Motor kommt mit Normalbenzin klar - eine Zapfsäule, die man fast schon vergessen hatte.

Das Format stimmt, nur im Fond kneift es etwas

VW Golf

3,97 Meter ist der neue Polo lang, der Radstand beträgt 2,47 Meter. Zum Vergleich: Der erste maß 3,84 Meter, und der Radstand betrug 2,40 Meter. In der Praxis bedeutet das annehmbare Platzverhältnisse, wobei man einschränken muss, dass der Einstieg in den Fond nicht besonders bequem ist. Das liegt am vergleichsweise kleinen Türausschnitt. Besonders wenn im Fond ein Kindersitz montiert ist, wird das Reinsetzen und Rausholen zur kleinen Akrobatik-Einlage. Als Familienzweitwagen, der täglich als Kindergarten-Shuttle genutzt wird, ist der Polo also eher ungeeignet.

Trotzdem überzeugt das Format, denn es bildet die goldene Mitte zwischen einem übersichtlichen, möglichst kompakten Auto und einem Fahrzeug, das ausreichend Platz für die meisten Alltagsaufgaben bietet.

Während VW gerne auf Besonderheiten im Polo-Angebot wie etwa ein Sportfahrwerk, Klimaanlage, Multimediasysteme oder das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe verweist, sieht die Realität nüchterner aus. Denn die Hälfte aller Polo-Modelle in Deutschland wird in der Basis-Ausstattung Trendline geordert, die all das nicht oder nur gegen Aufpreis umfasst.

Und auch der von uns gefahrene, schwächste Benziner im Motorenangebot sitzt in einem Viertel aller in Deutschland ausgelieferten Polo-Modelle. Der Downsizing-Trend, um den die Industrie derzeit großes Gewese treibt, wird längst von der Kundschaft umgesetzt. Das muss, was das Auto betrifft, kein Nachteil sein, wie das Polo-Beispiel zeigt.

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