VW Sparmodelle Heute blau - und morgen blauer

Mit mehreren sogenannten Blue-Motion-Modellen startet VW eine Sparoffensive: Der neue Passat Blue Motion kommt mit weniger als fünf Litern aus. SPIEGEL ONLINE hat den neuen Knauser aus Wolfsburg bereits getestet.


Volkswagen, tönt Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg, sei nicht nur der größte Autohersteller Europas, sondern auch der grünste. Was er nicht sagt: Die Niedersachsen brauchten ziemlich lange, ehe sie den Trend erkannten. Doch inzwischen sieht die Palette halbwegs ordentlich aus. Mittlerweile seien "mehr als hundert Fahrzeuge im Angebot, deren CO2-Ausstoß unter 140 Gramm pro Kilometer liegt", sagt Hackenberg.

"Was passiert, wenn man keine sparsamen und sauberen Autos hat, das kann man gerade bei den amerikanischen Herstellern sehen", hämt Hackenberg. Damit VW so etwas nicht passiert, gibt sich der Konzern großzügig. "Bis zum 2018 werden wir rund acht Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investieren", erklärt der oberste Entwickler und stellt weitere grüne Fahrzeuge in Aussicht, die unter der neuen Dachmarke "Blue Motion Technologies" geführt werden sollen.

Ein Star dieser Serie soll ausgerechnet der eigentlich nicht besonders umweltfreundliche Allradler VW Touareg Hybrid werden, der einen V6-Benziner mit 333 PS und einen Elektromotor mit 52 PS kombiniert. Er kann auf Kurzstrecken rein elektrisch fahren, den Stromer beim Beschleunigen zur Hilfe nehmen und bei einem Verbrauch von weniger als neun Litern sogar mit einem Diesel konkurrieren. Doch der Wagen wird erst Ende 2010, wenn die komplett neue Touareg-Generation erscheint, auf die Straße kommen.

Passat-Fahrer dagegen kommen früher zum Zug: War bereits die erste Auflage des Passat Blue Motion genügsam, gibt es nun zur Neuauflage nicht nur einen leiseren Dieselmotor, der mit Commonrail- statt Pumpe-Düse-Technik arbeitet und so endlich das Nageln einstellt. Sondern es gibt erstmals seit dem unsäglichen Golf Ecomatic aus den neunziger Jahren auch wieder eine Start-Stopp-Automatik von VW.

Zwar muss man sich bei der ersten Ausfahrt bei Ampelstopps ans Auskuppeln erinnern, und die Stille ist anfangs etwas ungewohnt, doch schon nach wenigen Kilometern hat man die neuen Spielregeln intus und freut sich, wenn der Bordcomputer den steten Griff zum Schaltknauf mit wachsender Reichweite belohnt: 0,2 Liter spart man so im Stadtverkehr, haben die VW-Entwickler ermittelt.

Viele kleine Sparbeiträge senken den Verbrauch

Dass der Wagen auch im Normzyklus sparsamer wurde, verdankt er neben der optimierten Aerodynamik, den Leichtlaufreifen, dem verkleideten Unterboden, der Schaltempfehlung im Cockpitmonitor und dem länger übersetzten Fünf-Gang-Getriebe - vor allem aber dem neuen Motor. Obwohl die Leistung auf 110 PS stieg, das maximale Drehmoment nun bei 250 Nm liegt und das Auto auch schneller spurtet, unterbietet es die Fünf-Liter-Marke: Ob Limousine oder das Kombimodell Variant – beide Modelle verbrauchen im Schnitt lediglich 4,9 Liter.

Ohne Blue-Motion-Paket dagegen schluckt derselbe Motor in der Limousine 5,5 Liter. Mit dem Blue-Motion-Passat fährt es sich nicht nur sauberer, sondern auch weiter: Bei einer Reichweite von mehr als 1400 Kilometern sehen Durchschnittsfahrer den Tankwart nur noch jeden zweiten Monat. Dass man dafür einen Aufpreis von 550 Euro blecht, geht in Ordnung. Doch bei aller Liebe zur Umwelt: So richtig flott ist man mit dem Passat Blue Motion nicht unterwegs. Auch wenn 198 km/h für die Limousine und 196 km/h für den Variant keine schlechten Spitzenwerte sind.

Passat jetzt auch erstmals mit Erdgas-Turbomotor

Deutlich besser finden Vernunft und Vergnügen beim Passat TSI Eco-Fuel zusammen. Für Preise ab 29.950 Euro bekommt das Auto ab März den ersten Erdgas-Motor mit Turbo und Kompressor und macht mit 150 PS und 220 Nm, einem Sprintwert von 9,7 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h Schluss mit dem Image des sauberen Schleichers. In Kombination mit dem verbrauchsmindernden Doppelkupplungsgetriebe verbraucht die Maschine 4,4 Kilogramm Erdgas auf 100 Kilometern und bleibt so beim CO2-Ausstoß unter 120 g/km. Zur Reichweite: Weil es neben den 21 Kilo Erdgas auch 31 Liter Benzin gibt, kommt der Passat TSI Eco-Fuel fast 900 Kilometer weit.

Dritter im blauen Bund wird ebenfalls im März der Passat Blue TDI (ab 29.275 Euro). Der Wagen verfügt neben einem Rußpartikelfilter und einem Oxidationskatalysator ein weiteres Reinigungssystem im Auspuff, das sich der Stickoxide annimmt. Mit Hilfe des in den Abgasstrom eingespritzten Harnstoff-Additivs Ad-Blue werden die Stickoxide so gründlich zerlegt, dass der Wagen bereits die Grenzwerte der Euro-6-Norm schafft – obwohl die erst in fünf Jahren in Kraft tritt. VW-Sprecher Hartmuth Hoffmann muss jedoch einräumen: "Außer einem reinen Gewissen hat der Fahrer davon leider erstmal nichts."

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