Autogramm VW T-Roc Cabrio In der Burg an den Strand

Braucht die Welt ein Kompakt-SUV mit Verdeck? Eigentlich nicht. Wenn da nicht dieses Fahrgefühl wäre, das den neuen T-Roc mit Stoffmütze von anderen Cabrios unterscheidet.

Der erste Eindruck: eine Strandburg auf Rädern.

Das sagt der Hersteller: VW gilt ja gemeinhin als Epizentrum der automobilen Langeweile, doch beim T-Roc-Cabrio kommt das Marketing mächtig auf Touren: "Mit seiner stylishen Coolness färbt das T-Roc Cabriolet den Alltag bunter. Es ist ein Botschafter für Lebensfreude und Fahrspaß und spricht unternehmungslustige Menschen an - im Kopf wie im Bauch", fiebert der Pressetext. Dass der Wagen Grenzen überschreitet, weil er die Segmente mischt, trifft wohl zu. Und wenn das Wetter stimmt, steigt mit dem offenen Dach ohne Zweifel die Stimmung. Doch ob er wirklich wie versprochen das Beste aus zwei Welten zusammenbringt? Da nehmen die Niedersachsen den Mund vielleicht ein bisschen voll. 

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Autogramm: VW T-Roc Cabrio

Das ist uns aufgefallen: Die praktischen Tugenden des konventionellen T-Roc bleiben auf dem Weg zur Sommerfrische auf der Strecke. Es gibt nur noch zwei statt vier Türen, die Rückbank bietet nur noch zwei statt drei Plätze, und der Kofferraum fasst statt 445 nur noch 280 Liter. Offroad-Ambitionen hat der Wagen keine, VW hat den Allradantrieb des geschlossenen Modells nicht für das Cabrio übernommen. Das wiederum ist einerseits sinnvoll, weil vermutlich auch den normalen T-Roc kein Kunde ins Gelände bewegt und der Vierradantrieb nur unnötig den Verbrauch erhöht. Andererseits parkt man auf dem Weg zum Strand besser nur auf Asphalt. Was vom T-Roc bleibt, ist die erhöhte Bodenfreiheit, dank derer man ungerührt über Bordsteinkanten oder Bodenwellen rumpelt.

Gibt es also überhaupt etwas, das für den City-SUV mit Stoffmütze spricht? Oh ja - man muss die Dinge nur aus der Perspektive von Cabrio-Fahrern betrachten. Denn gerade für ein Open-Air-Modell aus der Kompaktklasse bietet er auch den Hinterbänklern überraschend viel Platz für die Knie. Und bei geschlossenem Dach leidet selbst die Kopffreiheit im Fond nicht über Gebühr. Verglichen mit einem offenen Beetle oder Golf ist der Kofferraum gar nicht mehr so klein. Wenn’s doch mal knapp wird, kann man zumindest die Rückbank umlegen. Und die Option auf eine Anhängerkupplung sucht man in den Extra-Listen anderer Cabrios in der Regel auch vergebens.

360° Ansicht

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des VW T-Roc Cabrio mit unserem 360-Grad-Foto

Einen guten Eindruck hinterlässt auch das Verdeck selbst. Unter der Haube ist es dank üppiger Isolierung genauso leise und kuschelig wie unter dem Blechdach des normalen T-Roc. Zudem vergehen nur neun Sekunden, bis sich das Dach bündig mit dem Heckdeckel hinter die Rückbank gefaltet hat. Schneller geht das aktuell nur in Sportwagen. 

Wenn dann noch die vier Seitenscheiben versenkt sind, bietet der T-Roc ein Open-Air-Erlebnis, wie man es sonst von keinem anderen Cabrio kennt. Denn mit der erhöhten Sitzposition und der vergleichsweise hohen Brüstung der Karosserie ändert sich auch das Fahrgefühl: In herkömmlichen Cabrios wähnt man sich oft auf dem Präsentierteller, besonders in offenen Sportwagen, die meist so tief auf der Straße liegen, dass Passanten an der Ampel problemlos etwaigen Krimskrams im Beifahrerfußraum inspizieren können. Im T-Roc thront man dagegen über den Dingen und genießt sein Sonnenbad mit mehr Privatsphäre. 

Das muss man wissen: Bei allen Vorzügen und trotz der ungebrochenen SUV-Begeisterung ist das Experiment T-Roc Cabrio für VW nicht ohne Risiko. Das Interesse an offenen Autos hat in den letzten Jahren allgemein dramatisch nachgelassen, nicht umsonst gibt es schon seit 2016 keinen Golf mit Klappdach mehr. Und ob der Wechsel zum offenen SUV die richtige Lösung ist, bleibt abzuwarten. Land Rover jedenfalls hat eine Neuauflage des Evoque Cabrio bereits ausgeschlossen - und zwar sicher nicht wegen zu hoher Verkaufszahlen. 

Zudem ist das T-Roc Cabrio nicht gerade günstig, wenn es in diesen Wochen in den Handel kommt, stehen auf der Rechnung mindestens 27.495 Euro. Das sind knapp 4000 Euro mehr als beim konventionellen Modell. Bei der Ausstattung haben die Kunden ähnlich viel Auswahl wie gewohnt und können Extras wie das digitale Cockpit und den großen Touchscreen im Tabletstyle daneben genauso bestellen wie Assistenten für Stau, Spurwechsel und das Rangieren auf dem Parkplatz. Unter der Haube gibt es aber nur ein reduziertes Angebot, zur Wahl stehen lediglich zwei Benziner: Ein Dreizylinder mit einem Liter Hubraum und 115 PS oder ein 1,5 Liter großer Vierzylinder mit 150 PS, der eine Spitzengeschwindigkeit von 205 km/h erreicht und damit ein ordentliches Haarballett ermöglicht. 

Das werden wir nicht vergessen: Die im Vergleich zu vielen anderen Cabrios überraschend gute Sicht nach hinten selbst bei geschlossenem Verdeck. Die werden Kunden zu schätzen wissen - schließlich scheint leider nicht immer die Sonne.

Hersteller:

VW

Typ:

T-Roc Carbio

Karosserie:

SUV-Cabrio

Motor:

Vierzylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer

Hubraum:

1498 ccm


Leistung:

110 kW/150 PS


Drehmoment: 

250 Nm 


Getriebe:

7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe

Antrieb:

Frontantrieb

Von 0 auf 100: 

9,6 s


Höchstgeschw.

205 km/h

Verbrauch:

5,6 Liter

Kraftstoff:

Super

CO2-Ausstoß:

127 g/km

Länge/Breite/Höhe in mm: 

4268/ 1811/ 1522

Gewicht:

1540 kg

Kofferraum:

280 Liter

Umgebaut:

- Liter

Preis:

32.025 Euro

 

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