VW Touareg Hybrid Grüner wird's nicht

Große Geländewagen, einst als Symbole der automobilen Freiheit gefeiert, sind auf der Sympathieskala drastisch abgesackt. VW schickt dennoch eine zweite Generation seines SUV-Modells Touareg auf die Straße. SPIEGEL ONLINE fuhr die Variante mit Hybridantrieb.


Der Druck auf den Starterknopf löst Verunsicherung aus. Kurz hört man das Surren der Bordelektronik, das Radio beginnt zu dudeln - nur aus dem Motorraum des VW Touareg kommt keine Reaktion. Nagelneu und schon kaputt? Wohl kaum. Im Display zwischen Drehzahlmesser und Tacho steht das Wort "Ready". Wir können also losfahren.

Was nun beginnt ist ein durchaus faszinierendes Schauspiel. Völlig lautlos, rollt der Brocken von einem Auto los. Fußgänger weichen erschrocken aus - sie haben den Koloss nicht kommen hören. Denn der 2,2 Tonnen schwere Touareg mit Hybridantrieb schnurrt davon, als wäre er ein zu groß geratenes Modellauto - rein elektrisch. Die Kapazität des Nickel-Metallhydrid-Akkus unter dem Kofferraumboden und die Kraft des 46 PS starken E-Motors reichen für zwei bis drei Kilometer und eine Geschwindigkeit von 50 km/h.

Der Touareg ist der erste VW mit Hybridantrieb, Ende April kommt die zweiten Generation der großen SUV-Baureihe auf die Straße. Die Niedersachsen kombinieren die Elektromaschine mit einem 333 PS starken V6-Benzindirekteinspritzer, der von einem Kompressor aufgeladen wird und sich immer dann zuschaltet, wenn der Stromvorrat knapp, das Tempo zu hoch oder die elektrische Leistung zu dünn wird. Dann stehen plötzlich 380 Gesamt-PS und 380 Nm maximales Drehmoment zum Abruf bereit - und es geht in nur 6,5 Sekunden auf Tempo 100.

Von Knausern bis Kickdown reicht der Bereich des Benzin-elektrischen Mischbetriebs, in dem beide Motoren ständig zu- oder abgeschaltet werden, um den Verbrauch möglichst minimal zu halten. Regie führt eine komplexe Steuerelektronik. Sie sorgt beispielsweise dafür, dass die Elektromaschine bei gleichmäßiger Fahrt oder beim Bremsen als Generator genutzt wird, der wie ein Fahrraddynamo Strom produziert und damit unterwegs den Akku lädt.

Wer scharf kalkuliert, wird wohl den Touareg mit V6-Diesel wählen

Ebenso stoppt die Elektronik den Benziner an der roten Ampel und wirft ihn bei Grün wieder an. Ähnliches geschieht auch auf der Autobahn bis zirka Tempo 160. Nimmt der Fahrer bei flotter Fahrt den Fuß vom Gas, geht automatisch der Motor aus und wird von einer Trennkupplung abgekoppelt. Die Entwickler nennen diese Zustand des antriebslosen Dahinrollens "Segeln" und versichern, das sei auf ebener Strecke mehrere Kilometer lang möglich, ohne dass sich das Tempo nennenswert verringert. Wird der Gasfuß auch nur ein wenig gesenkt, springt der Motor sogleich wieder an.

Mit Hilfe dieser Techniken spart der Hybridantrieb rund ein Viertel des Kraftstoffs, rechnen die VW-Ingenieure vor und verweisen auf den Normverbrauch von 8,2 Litern. Dieser Wert ist zwar nur mit viel Selbstbeherrschung zu erreichen. Die Alltagswerte werden sich im knapp zweistelligen Bereich einpendeln.

So sehr VW beim Hybrid mit dem Kraftstoff knausert, so großzügig wurde kalkuliert. Mit einem Preis von 75.765 Euro ist der Touareg Hybrid der mit Abstand teuerste SUV im Programm. Um den Aufpreis von mehr als 20.000 Euro gegenüber dem Modell mit V6-Dieselmotor über die Kraftstoffkosten herauszuholen, müsste man schon verdammt viel fahren und sparen.

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Wenn man sich die Selbstzündervariante des neuen Touareg anschaut, stellt sich ohnehin die Frage, ob man den Elektromotor wirklich braucht. Der Dreiliter-Diesel mit 240 PS und 550 Nm wird durch eine Achtgang-Automatik und eine Start-Stopp-Funktion nämlich ebenfalls sparsamer; zudem profitiert das Dieselmodell vom geringeren Gewicht, es muss schließlich keine Akkus mitschleppen.

Der Durchschnittsverbrauch des Touareg Diesel liegt damit bei 7,4 Liter - das sind beinahe zwei Liter weniger als früher. Weil er zudem zum Preis von 52.965 Euro der günstigste Touareg ist, wird diese Variante wohl die meistverkaufte bleiben. Wer soll dann noch das Hybridmodell fahren? Vielleicht Menschen, die sich um jeden Preis mit einem Hybridfahrzeug schmücken wollen - und US-Kunden, denen Diesel-Pkw weiterhin suspekt sind.

Der neue Touareg ist größer geworden, sieht aber eher kleiner aus

Obwohl zehn Prozent leichter geworden, nahm der Wagen in Länge und Breite zu. Weil zudem der Radstand gestreckt wurde und man jetzt die Rückbank um 16 Zentimeter in Längsrichtung verschieben kann, gibt es innen mehr Platz. Gleichzeitig macht VW beim Ambiente Fortschritte: Innen sieht der Touareg jetzt nach Firstclass-Lounge aus. Und natürlich ist die Liste der Hightech-Ausstattungs-Optionen lang; sie reicht von intelligenten Scheinwerfern bis zur 360-Grad-Kameraüberwachung.

Der neue VW Touareg sieht - trotz des gewachsenen Formats - sogar etwas schlanker aus als das bisherige Modell. Richtig groß und wuchtig geraten ist allerdings der Zündschlüssel. Das Ding hat ungefähr das Kaliber eines Mobiltelefons und ist das größte Bauteil dieser Art im gesamten VW-Konzern. In mancher Hosen-, Jacken- oder Handtasche könnte es bald also bedrohlich eng werden.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
grauer kater 23.03.2010
1. Alibi-Hybrid zum überteuerten Preis!
Zitat von sysopGroße Geländewagen, einst als Symbole der automobilen Freiheit gefeiert, sind auf der Sympathieskala drastisch abgesackt. VW schickt dennoch eine zweite Generation seines SUV-Modells Touareg auf die Straße. SPIEGEL ONLINE fuhr die Variante mit Hybridantrieb. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,684329,00.html
Wer einen vernünftigen Hybrid fahren will, kauft sich einen Lexus 450h, der ist ausstattungsbereinigt ca. 16 000 Euro günstiger und hat ordentliche E-Motoren sowie einen weit günstigeren Verbrauch!
nixkapital 23.03.2010
2. Doch...
Zitat von sysopGroße Geländewagen, einst als Symbole der automobilen Freiheit gefeiert, sind auf der Sympathieskala drastisch abgesackt. VW schickt dennoch eine zweite Generation seines SUV-Modells Touareg auf die Straße. SPIEGEL ONLINE fuhr die Variante mit Hybridantrieb. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,684329,00.html
...nämlich: kein Auto. Aber das geht nicht, oder?
brux 23.03.2010
3. Man erkennt die Absicht
Einmal mehr versucht die deutsche Autoindustrie zu zeigen, dass es irgendwie einfach nicht geht, umweltfreundlichere Fahrzeuge zu bauen. Der Prius bleibt der glaubhafte Hybrid: Alles ist auf die Verbrauchsminderung ausgerichtet ohne dass man echte Abstriche bei der Mobilität machen muss. Wagen wie der Touareg sind Ego-Booster für's Kleinbürgertum, mehr nicht. NEU: Jetzt auch mit gefälschten Öko-Label.
Charles Atane, 23.03.2010
4. Falsches Alibi
Ausgerechnet einen riesigen SUV mittels Elektromotor zum Hybridauto umzubauen, das ist als Alibi-Aktion ungefähr so glaubwürdig wie ein katholischer Kindergarten.
Samba Bugatti, 23.03.2010
5. Lächerliches Fahrzeug
Zitat von sysopGroße Geländewagen, einst als Symbole der automobilen Freiheit gefeiert, sind auf der Sympathieskala drastisch abgesackt. VW schickt dennoch eine zweite Generation seines SUV-Modells Touareg auf die Straße. SPIEGEL ONLINE fuhr die Variante mit Hybridantrieb. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,684329,00.html
Dieses Fahrzeug ist ein Schuss in den Ofen. Normverbrauch 8.2 l (sprich tatsächlicher Verbrauch 10+ l) und dies bei einem Kofferraum von 433 Litern! Da kauft man sich doch lieber einen Diesel, gleicher Verbrauch, mehr Kofferraum, deutlich billiger.
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