60 deutsche Autos Chris Bangles 7er BMW

Im Jahr 2001 präsentierte BMW-Designer Chris Bangle eine völlig neue Interpretation des Münchner Flaggschiffs - und löste unter Traditionalisten einen Sturm der Entrüstung aus. Auch Jahre später regen sich eingefleischte Fans noch über die pummelige Luxuslimousine auf.

BMW 7er von 2001: Traditionalisten schrien Zeter und Mordio

BMW 7er von 2001: Traditionalisten schrien Zeter und Mordio


Als über das Design des neuen BMW-Flaggschiffs entschieden werden musste, hatten die Verantwortlichen ganz andere Sorgen. Es war das Jahr 2000, und das Top-Management des Münchner Autobauers war vollauf damit beschäftigt, in einer Notoperation die Trennung von Rover zu vollziehen, um von seiner siechen britischen Tochter nicht mit in die Tiefe gerissen zu werden.

Als Chefdesigner Chris Bangle seine Vision des neuen 7ers präsentierte, gab ihm deshalb niemand Paroli, obwohl das vielleicht nicht schlecht gewesen wäre. Denn Bangles Design war recht extravagant geraten und unterschied sich erheblich von dem des Vorgängermodells.

Jene Kundschaft die den 7er für gewöhnlich kauft, ist freilich eher konservativ und traditionsbewusst. Das konnte nicht gutgehen. Das Urteil der Fachpresse fiel denn auch verheerend aus. Das Magazin "auto motor und sport" sprach von einer "deftigen Backpfeife". Und die "Autobild" frotzelte, das "pummelig" geratene Fahrzeug sei "sehr modern".

Das war es in der Tat. Altvordere entsetzte nicht nur die Feistigkeit der intern E65 genannten Karosse. Auch das schrankwandartige Heck, das als "Bangle butt" in die Geschichte des Autodesigns einging, trieb vielen Fans Tränen in die Augen.

Im Innenraum sahen sich ältere Fahrer zudem mit einem neuartigen, minimalistischen Bordcomputer namens iDrive konfrontiert, der 700 Funktionen hatte, aber nur einen Knopf. Bangle schwärmte von der "intuitiven Schnittstelle" - ältere Fahrer suchten verzweifelt ihren Radiosender.

In Deutschland verkaufte sich der 7er von 2001 schlecht, in den USA und in Asien kam das Design besser an. Da nicht einmal vier Prozent aller verkauften BMW 7er sind, hielten sich die finanziellen Auswirkungen für den Konzern in Grenzen. Schlimmer war der Imageschaden, beim Flaggschiff derart gepatzt zu haben.

Dafür brachte der Designunfall BMW und vor allem Bangle überall ins Gespräch - immerhin hatten sich die Münchner getraut, einmal etwas Ungewöhnliches zu probieren. Das etwas seltsame Auto ist längst vergessen. Doch Chris Bangle gilt inzwischen als der bekannteste Autodesigner dieses Jahrzehnts.



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