60 deutsche Autos Das Amphicar

Manchmal läuft die Evolution offenbar umgekehrt. Beim Auto zum Beispiel. Das wurde als Landfahrzeug entwickelt, ging dann aber ins Wasser. Der deutsche Tüftler Hanns Trippel baute in den sechziger Jahren das Amphicar - bis heute der Klassiker unter den Schwimmwagen.

Hanns Trippel, 1908 in der Nähe von Darmstadt geboren, kann man durchaus als Vater des Schwimmautos bezeichnen. Der leidenschaftliche Konstrukteur begann 1932 mit dem Bau eines Vehikels, das sowohl auf der Straße, als auch im Wasser beweglich sein sollte. Land-Wasser-Zepp nannte er den Wagen, mit dem er unter anderem Schwimmversuche auf dem Rhein unternahm.

Das Amphicar: Ein Hingucker ist es immer wieder, wenn ein Schwimmauto des Typs Amphicar den festen Boden verlässt und durchs Wasser pflügt

Das Amphicar: Ein Hingucker ist es immer wieder, wenn ein Schwimmauto des Typs Amphicar den festen Boden verlässt und durchs Wasser pflügt

Foto: Getty Images

Stetig wurde die Idee verbessert, und weil die Nazi-Regierung in Deutschland gerne ein truppentaugliches Amphibienfahrzeug gehabt hätte, gab es finanzielle Unterstützung von der Wehrmacht. So entstand unter anderem der schwimmfähige Geländewagen SG-6, mit dem SA-Mitglied Trippel 1938 nach Neapel fuhr, dort zu Wasser ging und nach Capri übersetzte. Während des Krieges wurden in den ehemaligen Bugatti-Werken im französischen Molsheim rund tausend Exemplare des Amphibium genannten Militärmobils gefertigt.

Nach Krieg und Gefängnisaufenthalt nahm Trippel diverse Fahrzeugprojekte in Angriff, scheiterte aber immer wieder. Bis 1961 schließlich die Zusammenarbeit mit dem Industriellen Harald Quandt den zumindest vorübergehenden Erfolg brachte: Es erschien das Amphicar - ein kompaktes Schwimmauto mit vier Sitzen und bescheidener Ausstattung, das in Berlin und Lübeck gefertigt wurde.

In der ersten Euphorie wurde großzügig geplant. Mindestens 25.000 Exemplare des Amphicar sollten gebaut werden. Es kam jedoch anders, denn es fand sich schlichtweg keine Käuferschaft für das 10.500 Mark teure, exotische Gefährt. Nach nur 3878 gefertigten Schwimmwagen war bereits 1968 Schluss. Für den Kultfaktor des amphibischen Paradiesvogels jedoch war dies wohl ein Glücksfall.

Denn bis heute hat das rare Amphicar treue Fans, die sich am geringen Komfort nicht stören. Das Wägelchen bringt maximal 105 km/h auf die (trockene) Strecke und tuckert im Wasser mit bestenfalls zwölf km/h vor sich hin. Übrigens ist das Auto nicht ganz dicht - zumindest berichteten Passagiere regelmäßig von Wassereinbrüchen und nassen Füßen.

Für den Antrieb im Wasser lassen sich zwei dreiflügligen Kunststoffschrauben durch einen Schalthebel ausfahren. Gelenkt wird anstatt mit einem Ruder ganz wie gewohnt mit den Vorderrädern. Die einzige Herausforderung für unerfahrene Amphicar-Kapitäne ist, dass auch kein noch so beherzter Tritt aufs Bremspedal das Amphicar bei Wasserfahrt zum Stehen bringt.

Wer normalerweise Brücken oder Fähren benutzt, wird das Amphicar als überflüssig, langsam, klein und teuer schmähen. Andererseits hat das Automobil-Kuriosum einen speziellen Reiz. Die etwa tausend noch existierenden Exemplare sind heute zumindest das große Hobby ihrer Eigner - und eher selten in Gebrauch. Das war mal ganz anders, zumindest in der Theorie, denn sogar die Hamburger Wasserschutzpolizei orderte einstmals drei Amphicar.

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