60 deutsche Autos Das Glas Goggomobil

Das Goggomobil der Hans Glas GmbH war das erste Rollermobil, das aussah wie ein Auto. Im März 1955 ging der Goggo im Glas-Werk in Dingolfing in Produktion und wurde mit 280.024 verkauften Modellen zum Kult - kein anderer Kleinstwagen in Deutschland war beliebter.

Von Lasse Hinrichs


Während das deutsche Straßenbild in den frühen fünfziger Jahren von Roller-mobil gewordenen Autophantasien geprägt war, hatte Unternehmer Hans Glas einen simplen, aber überzeugenden Einfall: ein Rollermobil zu bauen, das aussah wie ein Auto. Im Jahr 1954 enthüllte die Firma aus Niederbayern, eigentlich ein Landmaschinenhersteller, auf der Internationalen Fahrrad- und Motorrad-Ausstellung das Goggomobil.

Das Glas Goggomobil: Das Bild zeigt ein Goggo T 300. Der Autoknirps erreichte Kultstatus im Nachkriegsdeutschland - und sogar die englische Prinzessin Margaret, Schwester der Queen, ließ sich darin chauffieren
DPA

Das Glas Goggomobil: Das Bild zeigt ein Goggo T 300. Der Autoknirps erreichte Kultstatus im Nachkriegsdeutschland - und sogar die englische Prinzessin Margaret, Schwester der Queen, ließ sich darin chauffieren

Das 2,90 Meter kurze, mit einem 13,6 PS starken und 247 Kubikzentimeter Hubraum nur dürftig motorisierte Auto, dessen Ausstattung sich wohlwollend als primitiv beschreiben lässt, war sogleich Anlass für gutmütigen Spott: "Das Teufelsding aus Dingolfing" reimte der Volksmund. Derweil lief Urversion ab März 1955 vom Band, 1957 kamen zwei stärkere Modelle dazu, deren Motoren 300 und 400 Kubikzentimeter Hubraum hatten; genauso wie das Goggo-Coupé TS (100 km/h Spitze). Der findige Volksmund fand auch hier eine griffige Bezeichnung - "Ferrari des kleinen Mannes".

Oder kürzer: der Goggo. Um ein Auto mit diesem Namen erfolgreich unters Volk zu bringen, benötigt man wohl Chuzpe oder eine gute Kreativabteilung; Glas hatte Peter Großkreuz, seines Zeichens Karikaturist. Mit einiger Selbstironie eroberte das Auto-Rollermobil, das vor allem bei den Besitzern des alten Führerscheins der Klasse IV hoch im Kurs stand, den Kleinstwagen-Markt. Klare Reime ebneten seinen Weg zu den Interessenten. Eine Kostprobe: "Weltraumfahrt ist noch nicht möglich, wer drauf wartet, tut's vergeblich, Familie nicht mehr warten will, Lösung klar: Goggomobil".

Auch das Ausland erlag der Charmeoffensive des günstigen Zweitakters, der bis 1958 lediglich 3097 Mark kostete. In Australien vertrieb Buckle Motors den "Goggo Dart", auch in den USA wurde das Wägelchen verkauft, Lizenz-Bauten fuhren auf den Straßen Spaniens und Argentiniens. Ende Juni 1969 war Schluss mit der Euphorie. BMW - seit 1967 Eigner der Glas GmbH - gab die Goggo-Produktion nach 280.024 Einheiten auf.

Der kuriose Bezeichnung des Gefährts geht übrigens auf einen Spitznamen eines Enkels des Firmengründers Hans Glas zurück - "Goggi".



insgesamt 8 Beiträge
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robiflyer 16.06.2009
1. zeitloses Auto
anbetracht kommender Energiekanppheit und gewisser notwendigkeiten bzgl Elektroauto sollte man sich in Dingolfing etc solche schon damals zukunftsweisende Konzepte verstärkt anschauen. kein Mensch braucht einen A5 noch dazu eingedenk der Tatsache, daß trotz Abwrackprämie sich das gros der Leutz sich den neuen eigenlich gar nicht leisten kann - vorallem wenn Deutschland ab 2010 effektiv reale 11 Mio Arbeitslose hat.
WGreiner, 16.06.2009
2. Die "gute, alte Zeit"
Zitat von robiflyeranbetracht kommender Energiekanppheit und gewisser notwendigkeiten bzgl Elektroauto sollte man sich in Dingolfing etc solche schon damals zukunftsweisende Konzepte verstärkt anschauen. kein Mensch braucht einen A5 noch dazu eingedenk der Tatsache, daß trotz Abwrackprämie sich das gros der Leutz sich den neuen eigenlich gar nicht leisten kann - vorallem wenn Deutschland ab 2010 effektiv reale 11 Mio Arbeitslose hat.
Sowas kann wohl nur schreiben, wer das Goggomobil und seine Zeit nicht erlebt hat. Dieses Ding war wahrlich nur für kleine Leute geeignet - körperlich. Der Gehörschaden, den man sich auf längeren Strecken einhandelte (wobei für den Goggo 20 km schon eine Langstrecke waren), gehörte noch zu den entschieden harmloseren Folgen: schon bei einem für heutige Verhältnisse harmlosen Crash war der Mensch die Knautschzone. Vor allem auch deshalb gab es allein in Westdeutschland jährlich 25.000 Verkehrstote, obwohl damals nur ein Zehntel der heutigen Pkw-km gefahren wurden. Und obwohl der Leichtbau buchstäblich über Leichen ging, konnte das Ding aus Dingolfing noch nicht einmal beim Benzinverbrauch punkten: Würde man heute so fahren, wie es mit dem Goggo überhaupt nur möglich war (einen modernen Norm-Verbrauchszyklus schafft der gar nicht, bei 70 km/h Höchstgeschwindigkeit), dann könnte man die damaligen 5-6 Liter Benzin (+ 1/25 beigemischtes Öl) mit nahezu jedem dreimal so schweren und fünfmal so starken Auto locker unterbieten. Und das ohne zum Himmel stinkende Zweitaktfahne... "Zukunftsweisend"? Gott bewahre uns vor so einer Zukunft!
A-Schindler, 17.06.2009
3. Kleinstwagen
Zitat von WGreinerSowas kann wohl nur schreiben, wer das Goggomobil und seine Zeit nicht erlebt hat. Dieses Ding war wahrlich nur für kleine Leute geeignet - körperlich. Der Gehörschaden, den man sich auf längeren Strecken einhandelte (wobei für den Goggo 20 km schon eine Langstrecke waren), gehörte noch zu den entschieden harmloseren Folgen: schon bei einem für heutige Verhältnisse harmlosen Crash war der Mensch die Knautschzone. Vor allem auch deshalb gab es allein in Westdeutschland jährlich 25.000 Verkehrstote, obwohl damals nur ein Zehntel der heutigen Pkw-km gefahren wurden. Und obwohl der Leichtbau buchstäblich über Leichen ging, konnte das Ding aus Dingolfing noch nicht einmal beim Benzinverbrauch punkten: Würde man heute so fahren, wie es mit dem Goggo überhaupt nur möglich war (einen modernen Norm-Verbrauchszyklus schafft der gar nicht, bei 70 km/h Höchstgeschwindigkeit), dann könnte man die damaligen 5-6 Liter Benzin (+ 1/25 beigemischtes Öl) mit nahezu jedem dreimal so schweren und fünfmal so starken Auto locker unterbieten. Und das ohne zum Himmel stinkende Zweitaktfahne... "Zukunftsweisend"? Gott bewahre uns vor so einer Zukunft!
Es ging wohl eher in Richtung Kleinstwagen. Ich selber fahre ein Kleinstwagen (Daihatsu-Copen), für die Stadt und für Reisen mit wenig Gepäck reicht das Vollkommem. Ich habe früher 3er BMW gefahren, aber Immer mehr Probleme mit dem Parken bekommen dank den vielen Kleinlastern wie Golf V-VI usw. die 2 Parkplätze belegen wo früher einer dicke reichte. Mercedes Fahrer brauch fast grundsätzlich 2 Parkplätze. Entweder sind die Parkplätze geschrumpft oder die Autos sind erheblich größer geworden.
robiflyer 17.06.2009
4. zeitloses Auto
Sie haben das nicht so ganz begriffen mit dem zeitlos Die technologische Hochrüsterei heutiger Auto führte dazu ,daß schon ein Golf nicht mehr 750kg sondern das doppelte wiegt . Das heißt dieser Prozeß bedingt auch stärkere -also schwerere Motoren , die - natürlich - saufen ohne Ende. Man muß sich das mal vor Augen halten ,welch effektiver Fortschritt den Leuten per Abwracke angedreht wird. Wie kann es sein ,daß selbst ein VW Bora weniger verbraucht als ein zb Toyota Auris ? das weis ich deshelb weil ein Bekannter (leider) neu kaufen mußte. Das selbe gilt natürlich auch für sonstige Vertreter auf dem Markt. Daß der Goggo- Zweitakter schon aus Umweltgründen insdiskutabel ist ,das brauchen Sie hier nicht als "Gott-bewahre-Grund" herzuleiten. Auch die Verbrauchszyklen sind er ein Treppenwitz da werden (Klein)Autos wie der IQ mit 4,5 l angegeben , defacto braucht der über 7 l Es gibt sehr sparsame Viertakter und natürlich Elektomotoren Eine zB SausEnte hat rund 27 PS davon gehen 12 PS durch Getriebe verloren, welches ein E-Antrieb nicht hätte.... D.h. die Ente wie das Goggo benötigen bestenfalls ein 20 PS Elektroaggregat ,welches btw schon fertig entwickelt bei Fraunhofer abrufbar wäre..... d.h man müßte eigentlich nur den V-Motor ausbauen und marginale Anpassungen vornehmen Die Industrie geht aus marketingtechnischen Gründen und Sturheit natürlich derart vor , das man eher eine S-klasse mit Elektromotor ausstatten will und an der überschweren Karre prima demonstrieren kann ,daß die Technik nicht "alltagstauglich" sei . Für wie dumm halten die eigentlich den Kunden ?? Im übrigen müssen die Kritiker von Ihrem Langstreckenwahn wegkommen . Das fängt damit an ,daß die Leutz net in der Pampa wohnen sollten ,sondern in/an der Stadt. Für Langstrecke gibts die Bahn ( die natürlich auch angepa0t werden müßte )
Rainer Girbig 17.06.2009
5. Als Passagier
Als Passagier habe ich das Goggomobil noch selbst kennengelernt wenn uns der Vater meines Freundes mitnahm. Eng, laut und langsam, das waren die herausragenden Eigenschaften des Autochens. Jeder war froh, sich ein richtiges Auto leisten zu können, wenn er dem Rollermobil finanziell entwachsen war. Man muss sich vor Augen halten, dass es damals keinen nennenswerten Gebrauchtwagenmarkt gegeben hat. Autos waren in den Fünfzigern selten und kurzlebig. Was den Krieg überlebt hatte taugte nur noch für den Schrottplatz. Nur unter diesen Bedingungen konnten Rollermobile für den kleinen Geldbeutel entstehen. Als Beispiel für die Gegenwart oder Zukunft des Automobils taugt das nicht. Auch wenn man sich ein gewisses Downsizing vorstellen kann, wäre das wohl eher ein Rückgriff auf die Neunziger (vielleicht Achtziger) als auf die Fünfziger Jahre.
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