60 deutsche Autos Der Ford Taunus

1960 brach Ford radikal mit dem Design seiner Limousinen. Das trug dem Taunus 17M ein nobles Etikett ein, aber auch einen respektlos-liebevollen Spitznamen: Geachtet wurde der Mittelklassewagen wegen seiner "Linie der Vernunft", geliebt aber wird er als Badewanne.

Ford Taunus 17 M P3: Man ahnt, warum dieses grundvernünftige Auto den Spitznamen Badewanne bekam. Und eine Taucherbrille hatte es obendrein auf der Kühlernase

Ford Taunus 17 M P3: Man ahnt, warum dieses grundvernünftige Auto den Spitznamen Badewanne bekam. Und eine Taucherbrille hatte es obendrein auf der Kühlernase


Vom "Gelsenkirchener Barock" zur "Linie der Vernunft" - nichts vermag den Quantensprung besser zu beschreiben, der dem Ford-Konzern mit dem Wechsel vom chrombeladenen Fifties-Taunus zu dessen Nachfolgemodell gelang. Mit dem 1960 vorgestellten Taunus 17M setzten die Kölner auf die klaren Formen, die auch Design und Architektur des beginnenden Jahrzehnts prägten. Doch als traue man dem schönen Slogan von der Vernunft selbst nicht, propagierte Ford zusätzlich, der Mittelklassewagen sei "grundvernünftig" konstruiert.

Unablässig strapazierte die Werbung das Ideal vom rationalen Auto: Die ovalen, tief eingesenkten Scheinwerfer leuchteten angeblich die Straße weiter aus als runde Lampen, die hochgezogenen Scheiben gewährleisteten "praktisch unbegrenzte Sicht". Als eines der ersten deutschen Autos bremste der 17M vorn mit Scheiben- statt Trommelbremsen. Und die "Stromform" wies zwar nicht auf ein umweltfreundliches Antriebskonzept hin, aber auf eine Windschlüpfigkeit, deren cW-Wert von 0,40 exakt dem der Design-Ikone Citroën DS entsprach. Weil der durchschnittliche Autofan beim Anblick des Taunus dagegen eher an eine Badewanne dachte, hatte der Wagen seinen Spitznamen schnell weg. Immerhin aber bescherte die rundliche Karosse dem 17M einen geringeren Spritdurst, als ihn der ewige Konkurrent Opel Rekord verspürte - noch ein Häkchen auf der Liste der Vernunftgründe.

Zwischen 55 und 75 PS leisteten die Taunus-Vierzylinder und beschleunigten Limousine und Kombi mit dem Namenszusatz Turnier damit auf Autobahn-taugliche Spitzengeschwindigkeiten zwischen 136 und 154 km/h. 1960 war der Einstieg in die Ford-Mittelklasse für 6645 Mark zu haben, der TS als die teuerste Variante kostete 8280 Mark, und diese Preise stiegen in vier Jahren nur um läppische 200 Mark. Nicht zuletzt deshalb fanden bis 1964 fast 670.000 Exemplare des Vernunft-Mobils einen Käufer.

Einen leisen Anflug von Extravaganz leistete sich Ford dann erst wieder mit dem Nachfolger 17M/20M. Der sah ganz ähnlich aus, war aber als erster Taunus mit einem Sechszylinder zu haben - und wurde damit ein noch größerer Erfolg, denn soviel Motor fürs Geld bot damals kein anderes deutsches Auto.



insgesamt 2 Beiträge
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praise 18.09.2009
1. *
Zitat von sysop1960 brach Ford radikal mit dem Design seiner Limousinen. Das trug dem Taunus 17M ein nobles Etikett ein, aber auch einen respektlos-liebevollen Spitznamen: Geachtet wurde der Mittelklassewagen wegen seiner "Linie der Vernunft", geliebt aber wird er als Badewanne. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,648377,00.html
Meine Eltern hatten eine wunderschöne hellblaue Badewanne, die wir Kinder liebten. Das Ding war aus unserer Sicht flott und auf der Rücksitzbank konnte man herrlich auf Kunstleder in den Kurven hin und herrutschen - ohne lästige Gurte übrigens. Der Wagen hatte ursprünglich 55 PS und bekam in seinen letzten Jahren noch einen 1,7 l Austauschmotor mit 75 PS spendiert, was eine Höchstgeschwindigkeit über den Tachobereich hinaus ermöglichte. Ersetzt wurde das tolle Auto 1972 durch ein rotes Ford Granada Coupe mit 2,3 l V 6 Motor. Und der gefiel mir noch besser, zumal ich ihn nach meinem Führerscheinerwerb selbst ein Weilchen fahren durfte.
reph 19.09.2009
2. Ford Badewanne
Der Wagen war vom Design her ein schoenes Auto und der Zeit voraus. Deshalb kaufte ich ihn, ohne auf die Technik unter dem Blech zu achten. Dort werkelte ein 1,5 Liter Motor primitivster Bauart. Die Kurbelwelle war mehr oder weniger ein gebogenes Wasserrohr, ohne Ausgleichsgewichte. Dementsprechend vibrierte der Motor und uebertrug diese ueber die einteilige Kurbelwelle auf das ganze Fahrzeug. Ab 115 kmh wurde es ungemuetlich. Zuverlaessig war der Motor auch nicht. Fuer die Gesamtfahrstrecke des Fahrzeugs von 150.000 km gingen drei Motoren drauf. Trotzdem hat das Auto Spass gemacht und die Nachfolger kamen vom Design nicht mehr an ihn heran
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