60 deutsche Autos Der Karmann Ghia

Mit dem "Käfer im Sonntagsanzug" brausten ab 1955 Aufsteiger und Arztgattinnen durchs Wirtschaftswunderland. Vor allem aber brachte die deutsch-italienische Co-Produktion Dolce-Vita-Leichtigkeit in den bundesdeutschen Auto-Alltag - fast zwei Jahrzehnte lang.


Die Karosse wirkt wie rundgestreichelt, trägt eine Stupsnase, und unterm Heckdeckel arbeitet ein millionenfach bewährter Boxermotor: So lässt sich eine der besten Geschäftsideen des Autojahres 1955 beschreiben. Im Juli debütierte der Karmann Ghia, dessen Serienfertigung vom damaligen Volkswagen-Patriarch Heinrich Nordhoff mit der Ankündigung freigegeben wurde, er werde seine Tochter nach bestandenem Examen mit dem Zweitürer aus dem Osnabrücker Karmann-Werk belohnen.

Karmann Ghia: Drunter steckt VW-Käfer-Technik, doch wen interessiert das bei diesen geschmeidig-fließenden Formen und der dezenten, unaufdringlichen Sportlichkeit des Coupés von Designer Luigi Segre.

Karmann Ghia: Drunter steckt VW-Käfer-Technik, doch wen interessiert das bei diesen geschmeidig-fließenden Formen und der dezenten, unaufdringlichen Sportlichkeit des Coupés von Designer Luigi Segre.

Vom Start weg entwickelt sich das vom italienischen Designbüro Ghia gezeichnete Coupé auf VW-Käfer-Basis zum Renner. Und das, obwohl die Wolfsburger satte 7500 Mark als Einstandspreis angesetzt hatten - das Doppelte dessen, was der einfachste Käfer kostete. 1957 schob Cabrio-Spezialist Karmann die offene Variante des "Dschia" nach, wie viele Bewunderer seinen Namen bis heute so liebevoll wie falsch aussprechen.

In den sechziger Jahren stiegen nicht nur die Absatzzahlen stetig an (vor allem wegen der starken Nachfrage in den USA), sondern in Maßen auch die Motorleistung. "Jetzt ist er 6 PS näher am Porsche" - so warb VW 1965 für eine bescheidene Kraftzulage und nahm zugleich dem Spott über den "Sekretärinnenporsche" selbstironisch die Spitze.

Ab 1971 ließ sich aus dem Volkssportwagen dank mittlerweile 50 PS immerhin eine Spitzengeschwindigkeit von 140 km/h herauskitzeln. Doch das Golf-Zeitalter, das bei Volkswagen 1974 begann, forderte auch neue Coupé-Konzepte - der Fünfziger-Jahre-Flitzer mit der Dreißiger-Jahre-Technik war nicht mehr reformierbar. Als im Sommer 1974 der letzte von etwa 445.300 Ghias das Karmann-Werk verließ, stand die Ablösung in Gestalt des VW Scirocco schon bereit. Immerhin trug auch der Keil mit der großen Klappe einen italienischen Namen - und seine Hülle war ebenfalls der Entwurf eines Turiner Designers, nämlich Giorgio Giugiaro.

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Core Dump, 03.06.2009
1. Erstaunlich...
...das ich bei ueber 400.000 Exemplaren die produziert wurden noch nie so einen Ghia auf der Strasse gesehen habe. Man sollte meinen mit der Kaefertechnik (= gute Ersatzteillage) muessten davon noch viele auf den Strassen rumfahren.
Tertinator, 03.06.2009
2. was sind 400.000?
Zitat von Core Dump...das ich bei ueber 400.000 Exemplaren die produziert wurden noch nie so einen Ghia auf der Strasse gesehen habe. Man sollte meinen mit der Kaefertechnik (= gute Ersatzteillage) muessten davon noch viele auf den Strassen rumfahren.
Wann haben Sie das letzte mal nen Trabi gesehen? ;)
wudi 03.06.2009
3. Trabi?????
Zitat von TertinatorWann haben Sie das letzte mal nen Trabi gesehen? ;)
Sie wollen doch wohl nicht einen Karmann mit einem Trabi vergleichen? Bei uns in der Stadt laeuft uebrigens ein Karmann Ghia. Die Kiste sieht aus wie neu und ist wunderschoen. Autos hatten damals noch induviduellen Charakter. Im Zeitalter der Computer und Windkanal-Entwicklung gibts halt nur noch eine ideale Form.
wudi 03.06.2009
4. Trabi?????
Zitat von TertinatorWann haben Sie das letzte mal nen Trabi gesehen? ;)
Sie wollen doch wohl nicht einen Karmann mit einem Trabi vergleichen? Bei uns in der Stadt laeuft uebrigens ein Karmann Ghia. Die Kiste sieht aus wie neu und ist wunderschoen. Autos hatten damals noch induviduellen Charakter. Im Zeitalter der Computer und Windkanal-Entwicklung gibts halt nur noch eine ideale Form.
wudi 03.06.2009
5. Trabi?????
Zitat von TertinatorWann haben Sie das letzte mal nen Trabi gesehen? ;)
Sie wollen doch wohl nicht einen Karmann mit einem Trabi vergleichen? Bei uns in der Stadt laeuft uebrigens ein Karmann Ghia. Die Kiste sieht aus wie neu und ist wunderschoen. Autos hatten damals noch induviduellen Charakter. Im Zeitalter der Computer und Windkanal-Entwicklung gibts halt nur noch eine ideale Form.
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