60 deutsche Autos Der Mercedes C 111

Das Auto war einer der Stars der Internationalen Automobilausstellung (IAA) 1969 in Frankfurt. Grell orangefarben lackiert, mit Flügeltüren, Klappscheinwerfern und luxuriösem Leder-Interieur. Der Mercedes C 111 erschien wie ein Bote aus einer rasanten Autozukunft - doch in Serie ging der Wagen nie.

Von Markus Bruhn


Es war nicht bloß das außergewöhnliche Äußere, das den Mercedes C 111 zum aufreizenden Antagonisten zum gutbürgerlichen Image der Stuttgarter Marke werden ließ. Es waren auch technische Eskapaden, die das Versuchsauto aus der Masse hervorhoben. Denn unter der glasfaserverstärkten Kunststoffkarosserie steckte, ziemlich genau in der Wagenmitte positioniert, ein 258 PS starker Dreischeiben-Wankelmotor.

Mercedes C 111: Der futuristische Sportwagen mit Klappscheinwerfern, Flügeltüren und Wankelmotor stand bei der IAA 1969 im Rampenlicht

Mercedes C 111: Der futuristische Sportwagen mit Klappscheinwerfern, Flügeltüren und Wankelmotor stand bei der IAA 1969 im Rampenlicht

Das Auto lief bis zu 260 km/h schnell, das erschien den Ingenieuren jedoch bald als zu wenig. Rund ein halbes Jahr später fuhr bereits die zweite Version des Versuchsrenners, diesmal mit einem Vierscheiben-Rotationskolbenmotor, der 350 PS mobilisierte. Dazu war die Vorderachse überarbeitet worden und produzierte nun weniger Auftrieb. Als Höchstgeschwindigkeit des C111-II waren bis zu 300 km/h möglich.

Angeblich war ursprünglich sogar eine Serienfertigung des Boliden in Betracht gezogen worden, doch diese Pläne wurden angesichts der wenig haltbaren Motoren und der absehbar prekären Ersatzteilversorgung gestoppt. Auch die Wankelentwicklung fand bei Mercedes 1971 ein Ende - das Projekt C 111 war damit gestorben.

Allerdings erlebte es noch eine Wiedergeburt. Denn für eine spezielle Rekord-Version wurde der Rennwagen aerodynamisch überarbeitet, und mit einem Fünfzylinder-Turbodiesel anstelle des Wankelmotors ausgerüstet. Die Maschine leistete 190 PS und startete 1976 auf der italienischen Hochgeschwindigkeitsstrecke in Nardo. 60 Stunden lang lösten sich vier Fahrer alle zweieinhalb Stunden ab und stellten mit durchschnittlich etwa 252 km/h zahlreiche Rekorde auf.

Noch mehr Rekorde nach zwölf Stunden Vollgas

Die nächste Version, der C111-III, wurde dann als reines Rekordfahrzeug mit abgedeckten Rädern und tiefem Bug konstruiert. In einem zwölfstündigen Wettrennen gegen die Zeit stellte diese Version des C111 etliche weitere Bestzeiten auf und weckte damit neue Begehrlichkeiten der Mercedes-Crew: Nun sollte ein 1975 von Porsche aufgestellter Geschwindigkeitsweltrekord von 356 km/h auf der Rundstrecke fallen.

Die Ingenieure scheuten keinen Aufwand: Anstatt des Dieselaggregats wurde ein V8-Benzinmotor mit natriumgekühlten Ventilen eingebaut und aufwendig bis auf 500 PS getunt. Für mehr Stabilität wurden zusätzlich Flossen und Spoiler angebaut. Nun war der C111 ein Extremrenner und hatte außer dem Namen nichts mehr mit dem einstigen, grell orangefarbenen Urmodell gemeinsam - dafür jedoch einen weiteren Rekord in der Tasche: Der C111-IV erreichte am 5. Mai 1979 die Rundstrecken-Rekordgeschwindigkeit von knapp 404 km/h.



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C. Esser 22.07.2009
1. Schade
Zitat von sysopDas Auto war einer der Stars der Internationalen Automobilausstellung (IAA) 1969 in Frankfurt. Grell orange lackiert, mit Flügeltüren, Klappscheinwerfern und luxuriösem Leder-Interieur. Der Mercedes C 111 erschien wie ein Bote aus einer rasanten Auto-Zukunft - doch in Serie ging der Wagen nie. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,633244,00.html
Ja, schade. Ich hatte als Kind einen in Plastik, den habe ich geliebt, mit kabelgebundener Fernbedienung. Vorwärts, rückwärts, rechts und links: ein kleines Lenkrad, zwei Knöpfe auf einem klobigen grauen Plastikkasten.
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