60 deutsche Autos Der Mercedes W 123

Dieser Mercedes prägte das Straßenbild der siebziger und achtziger Jahre: Von der Baureihe 123 wurden zwischen 1975 und 1986 insgesamt rund 2,7 Millionen Autos gebaut. Das Modell setzte neue Sicherheitsstandards und diente als Versuchswagen für alternative Antriebe.


Auch bei einem eher biederen Autobauer wie Mercedes gilt das Prinzip der Steigerung. Die 1976 vorgestellte Baureihe 123 sollte im Vergleich zu dem Vorgänger W114/115 noch mehr Komfort und Sicherheit bieten. Die als Strich-Acht bekannte Baureihe galt vor der Einführung des 123er zum Beispiel mit einer Knautschzone Anfang der siebziger Jahre als Innovationsträger in Sachen Sicherheit.

Mercedes W 123: Die Stuttgarter produzierten die Baureihe zwischen 1976 und 1985

Mercedes W 123: Die Stuttgarter produzierten die Baureihe zwischen 1976 und 1985

Im Januar 1976 wurde der W 123 - ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse - der Öffentlichkeit vorgestellt. Weil seit Beginn des Jahres das Anschnallen auf den Vordersitzen Pflicht ist, konzentrierten sich die Mercedes-Entwickler besonders auf die Rückhaltesysteme und eine noch sicherere Fahrgastzelle. Außerdem integrierten die Schwaben ab 1982 auf Wunsch auch den Airbag in die Baureihe 123, der bislang nur in der S-Klasse optional erhältlich war.

Ein weiteres Novum war der ab Werk angebotene Kombi, bei Mercedes T-Modell genannt. Die Raumwunder der Vorgängermodelle wurden nicht von Mercedes produziert, sondern waren das Werk von Aufbauspezialisten wie etwa Binz, Miesen und Lueg. Der Buchstabe T steht übrigens für Tourismus und Transport.

Bei den Motoren setzten die Stuttgarter zur Premiere auf bewährte Technik und verbauten in acht Varianten die Aggregate, die bereits in den Strich-Acht-Modellen für Vortrieb gesorgt haben. Einzig die 2,5-Liter-Sechszylinder-Maschine war eine Neuentwicklung.

Die Baureihe 123 - erhältlich zu Preisen ab 18.381 Mark - war nicht nur Innovationsträger für neue Sicherheitsaustattungen, sondern auch Basis für alternative Antriebe. Der Autobauer stellte 1983 einen 280 TE mit Wasserstoffantrieb vor, auch ein T-Modell mit Elektromotor wurde gebaut. Doch diese Wagen waren Versuchsfahrzeuge. Zwar gab es einige Modelle mit Flüssiggasantrieb, doch diese Autos wurden von speziellen Anbietern umgerüstet. Mercedes hingegen stellte die Arbeiten am Gasantrieb zunächst wieder ein, weil die technischen Herausforderungen nicht mit vertretbarem Aufwand gelöst werden konnten.

Heute ist die Baureihe 123 besonders in der Youngtimer-Szene beliebt. Für sehr gut erhaltene Limousinen rufen die Verkäufer durchaus Preise von rund 10.000 Euro auf. Doch auch für rund die Hälfte werden Interessenten fündig.



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