60 deutsche Autos Der VW Golf

1974 war ein ereignisreiches Jahr. Deutschland wurde zum zweiten Mal Fußball-Weltmeister, "Rock Your Baby" von George McCrae war die meistverkaufte Single hierzulande und VW schickte mit dem Modell Golf einen Nachfolger für den scheinbar ewigen Käfer auf die Straße.

Vielleicht gäbe es VW ohne den Golf heute nicht mehr. Jedenfalls sähe die Autowelt erheblich anders aus ohne dieses Auto, das eigentlich eine Art Notlösung war. Denn eigentlich stand bereits 1971 ein Nachfolgemodell für den Käfer parat, ein Wagen mit dem internen Kürzel EA 266, mit Mittelmotor und Heckantrieb - also durchaus ein eher evolutionäres Modell im Vergleich zum Käfer, dessen Konzept aus den dreißiger Jahren stammte.

VW Golf I: Der Klassiker aus dem Jahr 1974. Giorgetto Giugiaro hatte das Auto designt - allerdings mit eckigen Scheinwerfern. Die mussten aber dann aus Kostengründen runden Frontleuchten weichen

VW Golf I: Der Klassiker aus dem Jahr 1974. Giorgetto Giugiaro hatte das Auto designt - allerdings mit eckigen Scheinwerfern. Die mussten aber dann aus Kostengründen runden Frontleuchten weichen

Doch der damalige VW-Chef Rudolf Leiding stoppte das Projekt und die Arbeit begann von neuem. Diesmal kam ein für VW-Verhältnisse revolutionäres Auto dabei heraus: Ein Wagen mit wassergekühltem Frontmotor, Frontantrieb und einer Karosserie, die mit keinem Quadratzentimeter mehr an den noch allgegenwärtigen VW Käfer erinnerte. Giorgetto Giugiaro hatte die kantige Form mit der großen Heckklappe entworfen, und damit auch gleich den Prototypen einer neuen Fahrzeugklasse auf die Räder gestellt: das Kompaktklasse-Auto.

Für das finanziell gebeutelte Unternehmen VW bedeutete der Golf - gemeinsam mit den kurz zuvor erschienen Modellen Passat und Scirocco - die wirtschaftliche Rettung. Schnell wurde das Auto stilbildend, und Derivate wie die sportlich aufgemotzte, 110 PS starke Variante Golf GTI, eine Version mit Dieselmotor (beide ab 1976), das Golf-Cabrio (sowie des reichlich plumpen Stufenheck-Modells Jetta (beide ab 1979) fächerten die Baureihe für nahezu jeden Geschmack und Anspruch auf.

Anfängliche Qualitätsmängel wurden rasch ausgebügelt, mit der Rostanfälligkeit insbesondere der ersten Serie klappte das naturgemäß nicht. Die Palette der Antriebe reichte beim Golf I von 50 bis 112 PS, das billigste Modell, die dreitürige Variante mit dem 1,1-Liter-50-PS-Motor kostete im Premierenjahr 1974 glatt 8000 Mark. Der Golf wurde, auch durch geschicktes Marketing, zum angeblich klassenlosen Auto.

Der Komiker Otto Waalkes ulkte in einer Nonsens-Nummer über "Radkäppchen und der böse Golf", der spätere Papst Joseph Ratzinger fuhr einen Golf und Autor Florian Illies beschrieb eine typisch deutsche Jugend in den siebziger und achtziger Jahren in seinem 2000 erschienenen Buch "Generation Golf".

Bis 1983 wurde der Golf I gefertigt - inzwischen wird seit Herbst 2008 die sechste Generation des VW-Bestsellers verkauft. Knapp 27 Millionen Fahrzeuge dieses Typs wurden bislang produziert - so viele wie von keinem anderen deutschen Auto sonst. Und auch weltweit liegt der VW Golf weit vorne, nur die stärker differenzierte Baureihe Toyota Corolla wurde noch häufiger gebaut.

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