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20. Mai 2009, 14:22 Uhr

60 deutsche Autos

Der VW Käfer

Kaum ein anderes Produkt hat die deutsche Nachkriegszeit so geprägt wie das Auto. SPIEGEL ONLINE stellt zum Jubiläum der Bundesrepublik 60 Fahrzeuge vor, die das Straßenbild prägten und Geschichte schrieben. Den Anfang macht - natürlich - der VW Käfer.

Wer je einen Käfer gefahren hat, wird sich sofort erinnern: an das kehlige Rasseln des Motors im Heck, an die immense Kopffreiheit unterm Dachgewölbe, an das flinke Fahrgefühl. Und natürlich an den speziellen Geruch, der das Auto erfüllte, wenn die Heizung eingeschaltet wurde. Kein anderes Modell prägte das deutsche Straßenbild so stark wie es der Käfer einst tat, kein zweiter Wagen transportierte das Gütesiegel "Made in Germany" so überzeugend auch noch in die entlegensten Ecken der Welt. Auf dem südpazifischen Eiland Nauru beispielsweise wurden 1967 drei VW Käfer verkauft.

VW Käfer: Mehr als 20 Millionen Stück wurden verkauft.

VW Käfer: Mehr als 20 Millionen Stück wurden verkauft.

Ferdinand Porsche hätte das bestimmt gefallen, denn der Käfer sollte von Anfang an ein universeller Volkswagen zu sein. Am 17. Januar 1934 hatte der Automobilkonstrukteur ein "Exposé betreffend den Bau eines deutschen Volkswagens" zu Papier gebracht. Rund zwei Jahre später war der erste Prototyp fertig - ein für die Zeit revolutionäres Automobil. Das Fahrwerk hatte Einzelradführung mit Drehstabfederung, die Bremsen arbeiteten mit mechanischer Verstärkung und der luftgekühlte Motor war in Gummiaufhängungen gelagert.

Gebaut wurden zunächst ausschließlich Prototypen und Versuchswagen - dann stoppten der Krieg und die Umstellung der Industrie auf Rüstungsgüter das Projekt. Das Werk bei Fallersleben, wo der KdF-Wagen, wie der Volkswagen im Nazi-Jargon hieß, gebaut werden sollte, lag bei Kriegsende im britisch besetzten Teil Deutschlands und wurde von der Militärregierung treuhänderisch verwaltet. Die beauftragte im August 1945 das Volkswagenwerk mit dem Bau von 20.000 Limousinen, deren Serienfertigung im Dezember anläuft.

21,5 Millionen Mal gebaut

Von der Erfolgsstory ahnt in diesen Zeiten des Mangels und der Provisorien noch niemand etwas. Doch die Entwicklung vollzieht sich zügig: Im August 1947 beginnt der Export, im Sommer 1948 lässt der neue Geschäftsführer des Volkswagenwerkes, Heinrich Nordhoff, drei Cabrio-Prototypen bauen, Anfang 1949 erreichen die ersten Volkswagen-Modelle die USA, 1950 wird die Produktionszahl von 100.000 Käfern überschritten.

Ab jetzt gibt es kein Halten mehr. Der Käfer läuft und läuft und läuft - von den Bändern und auf den Straßen. 1955 verlässt der einmillionste Käfer das Werk in Wolfsburg, eine Dekade später werden erstmals mehr als eine Million Käfer im Jahr gefertigt. Und am 17. Februar 1972 überflügelt das Auto, mit dem Adolf Hitler ursprünglich das deutsche Volk mobilisieren wollte, den bisherigen Weltrekordhalter, das Ford Model-T. An jenem Tag läuft der 15.007.034-ste Käfer vom Band.

Ein Höhepunkt für VW, zweifellos, doch in der Autowelt ist der Knubbel mit dem 50-PS-Boxermotor längst ein Anachronismus. Um ein Haar hätte sich VW mit der Käfer-Monokultur zugrunde gerichtet, doch gerade noch rechtzeitig bekamen die Wolfsburger die Kurve und ließen den Golf vom Stapel. Bis 1978 wird der Käfer noch gebaut, dann ist in Deutschland Schluss.

In anderen Ländern jedoch, darunter Peru, Nigeria oder Mexiko, rollt der Käfer weiter - bis zum 30. Juli 2003, als im mexikanischen VW-Werk in Puebla der allerletzte Käfer vom Band läuft. Als der Motor des finalen Modells zum ersten Mal anspringt, erklingt das vertraute Rasseln. Da war sie noch einmal, die Grundmelodie einer Ära, in der die Deutschen das Auto so lieb gewannen wie sonst nur Fußball, Bier und Blasmusik.

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