60 deutsche Autos Der Wartburg

Der Wartburg war die Mittelklasse-Limousine der DDR. Gebaut wurde das Auto zwischen 1956 und 1991, in den letzten drei Jahren steckte ein in Lizenz gebauter Viertakter von VW im Motorraum. Davor war dieses elegante Auto mit charakteristischem Töfftöff unterwegs.
Wartburg Cabriolet Typ 311: In der DDR kostete der Wagen damals 16.370 Ost-Mark

Wartburg Cabriolet Typ 311: In der DDR kostete der Wagen damals 16.370 Ost-Mark

Foto: © STR New / Reuters

Pünktlich am 2. Januar 1956 begann die Produktion des Wartburg 311 im VEB Automobilwerk Eisenach. Das Auto basierte technisch weitgehend auf dem IFA F9, der wiederum eine Weiterentwicklung des DKW F9 aus dem Jahre 1949 war, doch optisch lagen Welten zwischen den Wagen. Denn das neue Modell aus Eisenach bot ein sehr ansprechendes Karosseriedesign, überdies war der Viertürer geräumig und geschmackvoll eingerichtet. Und gleich vom Start weg gab es das Auto als Limousine, Kombi und Cabriolet; später folgten eine Pick-up-Version, der so genannte Kuba-Wagen, ein Camping-Mobil, die ein zweifarbig lackierter Kombi mit Dachrandverglasung im Fond war sowie der Sportwagen Wartburg 313 mit 50 PS. So weit aufgefächert wurde damals wohl kein anderes Modell im internationalen Autobau.

Der Name Wartburg sollte übrigens nicht nur an das Wahrzeichen der Stadt Eisenach, eben die Wartburg, erinnern, sondern auch an ein 1898 in der Fahrzeugfabrik Eisenach gefertigtes Automobil, einen der ersten deutschen Pkw überhaupt. Motorisiert war der neue Wartburg 311 mit einem 900 Kubikzentimeter großen Dreizylinder-Zweitaktmotor, der 37 PS entwickelte und laut Werksangaben im Schnitt 9,8 Liter Benzin je 100 Kilometer verbrauchte sowie den Wagen 115 km/h schnell machte.

Ab 1962 wuchs der Hubraum des Motors auf 1000 Kubikzentimeter, die Leistung betrug nun 45 PS, der Wagen trug fortan die Modellbezeichnung 312 und beim Kombi war die Hecktür ab 1964 nicht mehr seitlich, sondern oben am Dach angeschlagen. 1966 schließlich erfolgte die Umstellung auf den Typ 353. Technisch änderte sich kaum etwas, die Karosserie jedoch war völlig neu, wirkte überaus modern und bot eine herausragende Platzökonomie und Rundumsicht.

Bei dieser Karosserie blieb es, von marginalen Veränderungen abgesehen, bis zum Produktionsende des Wartburg 25 Jahre später. Kleinere Innovationen wurden sukzessive eingeführt, etwa eine auf 50 PS gesteigerte Motorleistung oder die Umstellung von Rand- auf Tellerfederkupplung (beides 1969), Rundinstrumente im Cockpit (1970) oder Scheibenbremsen vorne sowie Sitzgurte (1975).

Am 10. April 1991 wurde der letzte Wartburg produziert. Der Automobil-Chronist Werner Oswald berichtet, zuletzt habe die Produktion eines Modells 14.400 Mark gekostet, der Verkaufspreis habe jedoch bei maximal 7600 Mark gelegen.

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