60 deutsche Autos Der Zündapp Janus

Kabinenroller, Goggo, Isetta: Im Deutschland der Nachkriegszeit mangelte es an vielem - nicht aber an kuriosen Kleinwagen. Die aberwitzigste Konstruktion von allen hatte der Janus 250. Seine skurrile Sitzanordnung ist legendär.

Von Lasse Hinrichs


Zur Markteinführung des Janus 250 war die Werbeabteilung der Zündapp Werke GmbH noch bester Dinge. "Die Fachwelt sagt: Eine zukunftsweisende Kleinwagenkonstruktion!", hieß es in einer Reklame. Die Freude währte nicht lange. Nach nur 17 Monaten Bauzeit (Juni 1957 bis Oktober 1958) und rund 6900 Exemplaren wurde die Produktion des Janus eingestellt.

Zündapp Janus 250: Eigentlich ein revolutionäres Automobil, doch durchsetzen konnte sich die Rücken-an-Rücken-Idee nicht.
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Zündapp Janus 250: Eigentlich ein revolutionäres Automobil, doch durchsetzen konnte sich die Rücken-an-Rücken-Idee nicht.

Ein Grund: Der Wagen war zu teuer. Für jene 3470 Mark, die Zündapp damals für seinen ersten und einzigen Kleinwagen verlangte, gab es bereits höherwertige Mittelklassewagen. Vielleicht aber war auch das innovative Konzept des Janus, das auf dem Prototyp Dornier Delta beruhte, vielen Käufern in der spröden Nachkriegszeit einfach eine Spur zu schrill.

Denn die ungewöhnliche Janus-Konstruktion machte ihrem Namensgeber, dem doppelgesichtigen römischen Gott des Anfangs und Endes, alle Ehre. Die überdimensioniert großen Türen waren nicht an den Seiten, sondern an Front und Heck montiert. Die Passagiere saßen, zwei vorn und zwei hinten, Rücken an Rücken. Und dazwischen befand sich der mit 14 PS viel zu schwache Motor, der nicht erst bei der angeblichen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h für ohrenbetäubenden Lärm im Innenraum gesorgt haben dürfte.

Trotzdem galten die Fahreigenschaften des Janus als vorzüglich und auch das Platzangebot war mehr als großzügig. Bei umgeklappten Rücksitzen verwandelte sich der 2,89 Meter kurze und 1,41 Meter schmale Winzling mit den großen Klappen in ein Raumwunder, das sperriges Gepäck, schwer bepackte Vertreter-Typen und ganze Matratzen verstauen konnte, wie ein zeitgenössischer Fernsehclip belegt.

Dennoch blieb die Zündapp-Dornier-Konstruktion nur eine Episode in der deutschen Automobilhistorie. Aber der Janus zeigt: Wenn ein Zweirad-Spezialist und ein Flugzeugbauer Autos zu entwickeln, ist das Ergebnis auf jeden Fall interessant.



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A-Schindler, 29.05.2009
1. Kleinstwagen
Wenn man sieht welche Kleinstwagen es früher in Deutschland gab und Gebaut wurden, dann fragt man sich warum nicht mehr heute? Ich fahre ein Kleinstwagen (Daihatsu-Copen mit 660ccm³ Motor) und mußte zu ein Japaner greifen weil die Deutschen Hersteller sich zu fein sind so was zu bauen. Warum können die Japaner etwas was die Deutschen nicht können zumal die Japanischen Facharbeiter mehr verdienen als die Deutschen und dennoch billigere Autos bauen können und das selbst bei Kleinwagen und geringen Stückzahlen. Manche Japanische Automodelle werden nur für den Japanischen Markt gebaut.
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