60 deutsche Autos Die Mercedes S-Klasse

"Erfunden" wurde sie 1965, als Mercedes die Einheitskarosserie aufgab und die damals neue Oberklasse-Baureihe mit dem "S" adelte. Als eine der gelungensten Mercedes-Kompositionen gilt aber bis heute die dritte Generation von 1979.

Mercedes S-Klasse W 126: Dies ist der bislang meistgebaute Luxuswagen der Autowelt. Und die 1979 erschienene S-Klasse war das erste Auto, das ab 1981 mit einem Airbag für den Fahrer angeboten wurde

Mercedes S-Klasse W 126: Dies ist der bislang meistgebaute Luxuswagen der Autowelt. Und die 1979 erschienene S-Klasse war das erste Auto, das ab 1981 mit einem Airbag für den Fahrer angeboten wurde


Ende der siebziger Jahre wurden die Fahrer dicker Autos erstmals schief angeguckt. Die Ölkrise von 1973 hatte eine Diskussion um die Nutzung der Ressourcen in Gang gesetzt, und Benzinverbrauch war nun keine rein wirtschaftliche Kategorie mehr, sondern auch eine moralische. Die Mercedes-Ingenieure schienen das berücksichtigt zu haben, als sie 1979 eine neue S-Klasse präsentierten: Die neuen Modelle waren leichter und windschlüpfiger als die bisherigen, so dass der Verbrauch - je nach Ausführung - immerhin auf 15 bis 18 Liter gesunken war.

Doch dann sprach alle Welt nur über diese Plastikplanken: Chefdesigner Bruno Sacco hatte der intern W 126 genannten Limousine viele Merkmale des erfolgreichen Vorgängers gelassen und dessen repräsentative Karosse behutsam in eine dezente Keilform gebracht. Doch vorn und hinten schützten das Blech nun gewaltige Kunststoffschürzen, die sich zu allem Überfluss mit einem Flankenschutz aus dem gleichen Material zu einer umlaufenden Plastik-Bauchbinde verbanden. Als ob Mercedes-Piloten permanent Parkrempler provozierten und deshalb einen Rundum-sorglos-Schutz bräuchten!

Doch was manchem wie ein Affront erschien, trat schnell hinter andere Errungenschaften zurück: Als erstes deutsches Serienauto war der W 126 ab 1981 mit einem Fahrerairbag zu haben, 1985 ergänzte ein Beifahrerairbag die Sicherheitsausstattung, und ab demselben Jahr wurden die 380er- und 500er-Versionen nicht mehr ohne ABS auf die Straße gelassen.

1986 erhielten sämtliche Ausführungen ab Werk einen Katalysator. Dass ihre Sechs- und Achtzylinder in Sachen Leistung und Laufruhe das Maß der Dinge waren, verstand sich bei der Prestige-Modellreihe von selbst - auch wenn die 156 PS, die das "Einsteigermodell" 280 S auf eine Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h beschleunigten, aus heutiger Sicht geradezu bescheiden wirken.

Der große Benz blieb volle zwölf Jahre in der Produktion - und wurde mit 892.123 Einheiten (einschließlich der Coupés) zum meistgebauten Luxuswagen der Automobilgeschichte. Die lange Bauzeit erlaubt zudem interessante Preisvergleiche: Bei ihrer Markteinführung 1979 kostete die günstigste S-Klasse knapp 36.000 Mark, bei der Einstellung zwölf Jahre später 66.000 Mark. Und die Top-Version 500 SEL war anfangs für circa 56.000 Mark zu haben, 1991 waren dafür schon 101.100 Mark fällig - sofern man nicht das neue Flaggschiff 560 SEL orderte, für das Mercedes 142.000 Mark verlangte.



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