Repräsentative Umfrage Mehrheit nutzt 9-Euro-Ticket für die Freizeit

Nach Sylt gern mit dem Zug, ins Büro eher nicht: Die Mehrheit der 9-Euro-Ticket-Käufer nutzt den Fahrschein für Ausflüge. Das Angebot spricht dabei viele Autofahrer an.
Bahnreisende am Hauptbahnhof in München

Bahnreisende am Hauptbahnhof in München

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Frank Hoermann / Sven Simon / IMAGO

Überfüllte Züge, gestresste Reisende: Das 9-Euro-Ticket hat in Deutschland teils für sehr hohes Fahrgastaufkommen in den Regionalzügen gesorgt, die Nachfrage ist riesig. Seit dem Verkaufsstart vor rund drei Wochen sind laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) bundesweit schon rund 16 Millionen verkauft worden. Dazu kommen mindestens zehn Millionen Tickets der Abonnentinnen und Abonnenten, die für die drei Monate Juni, Juli und August als 9-Euro-Ticket gelten.

Die Deutsche Bahn hatte am Montag mitgeteilt, dass einer internen Auswertung zufolge an den ersten beiden Gültigkeitstagen, dem 1. und 2. Juni, rund zehn Prozent mehr Fahrgäste im Regionalverkehr unterwegs waren. Gleiches gelte für den 7. und 8. Juni, den beiden Tagen nach dem langen Pfingstwochenende.

Doch wer nutzt das Ticket für welche Reisen?

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Dieser Frage hat sich eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey gewidmet und dabei die Antworten von Menschen ausgewertet, die vorher kein Abo hatten – also zu den rund 16 Millionen Ticket-Käufern zählten. Dabei zeigt sich: Das 9-Euro-Ticket nutzen die Menschen vor allem für die Freizeitgestaltung.

Demzufolge gaben nur 32 Prozent an, dass sie mit dem Ticket zur Arbeit fahren oder Dienstreisen damit erledigen. Die meisten nutzen das Ticket für Tages- (55 Prozent) und Wochenendausflüge (33 Prozent). Auch für Shoppingtouren wird es gerne verwendet (47 Prozent). Für die Urlaubsplanung spielt es dagegen kaum eine Rolle, obwohl man damit trotz vieler Umstiege preiswert durch ganz Deutschland fahren könnte. Aber nur neun Prozent wollen mit dem Ticket in den Urlaub fahren.

Damit bestätigt die Umfrage den Eindruck aus den letzten Wochen: Vor allem an den Wochenenden wurde es in den Zügen voll. Und von diesem hohen Verkehrsaufkommen waren vor allem beliebte Strecken ans Meer – beispielsweise nach Sylt – oder zu anderen attraktiven Regionen in Deutschland betroffen.

Die meisten neuen Monatskarteninhaber nutzen vor dem Kauf des Billig-Fahrscheins vor allem das Auto. Das gaben 71 Prozent an. Zwölf Prozent waren überwiegend mit dem Fahrrad unterwegs. Roller und E-Roller spielen mit zwei Prozent nur eine untergeordnete Rolle – sie werden wohl überwiegend für kurze Strecken verwendet und ersetzen eher Radfahrten und Fußgänge.

Bei den Nutzerinnen und Nutzern kommt das Ticket überwiegend gut an. 59 Prozent, die es nun kauften (keine Abokunden) empfinden es als hilfreiche Ersparnis – das sind vor allem junge Menschen unter 20 Jahren. Insgesamt sehen 27 Prozent in dem Ticket wenig Sinn. Auffällig ist aber die verhältnismäßig große Menge von Unentschlossenen: 14 Prozent der mehr als 5000 Personen, deren Angaben ausgewertet wurden, gaben an, dass sie noch keine Meinung zur Frage der Bedeutung der Ersparnis entwickelt haben.

Eine gelungene Werbeaktion, die der Bahn langfristig neue Kunden beschert, ist das Ticket aber nicht unbedingt. Auf die Frage, ob die Umfrageteilnehmer nach der Aktion häufiger Bus und Bahn fahren wollen, antworteten nur 27 Prozent mit »Ja« oder »Eher ja«. 50 Prozent haben eher keinen Bedarf – noch sind 23 Prozent unentschieden.

Für die Umfrage nutzt Civey ein automatisiertes Verfahren, jeder kann online daran teilnehmen. Für ein repräsentatives Ergebnis werden angepasst an die Bevölkerungsstruktur der Deutschen aber nur Angaben bestimmter, zuvor registrierter Nutzer verwendet. Mehr Hintergründe zur Civey-Methodik lesen Sie hier.

Das 9-Euro-Ticket ermöglicht in den Monaten Juni, Juli und August Fahrten im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) durch ganz Deutschland. Mit den Fahrscheinen sollen zum einen Verbraucher angesichts der hohen Inflation finanziell entlastet und zum anderen der ÖPNV attraktiver werden. Genaue Erkenntnisse über die gestiegene Nachfrage in Bussen und Bahnen über alle Verkehrsunternehmen und Verbünde hinweg gibt es noch nicht.

joe
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