Abgewürgt Frauenparkplätze in Extrabreit

Es gibt Sonderstellplätze für Mütter mit Kindern, für Motorradfahrer und für Bestatter im Einsatz - Männer mit VW Golf kommen in städtischen Parkbewirtschaftungsplänen hingegen nicht mehr vor. Besonders unfair: Jetzt kriegen Frauen auch noch eigene Spezial-Parkplätze in XXL.
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Abgewürgt: Frauenparkplatz in Extrabreit

Foto: Volker Posselt

Wir fuhren bereits seit einer halben Stunde im Kreis, als plötzlich der Heilige Gral der Parkplätze vor uns auftauchte: Eine vakante Bucht, mitten in der City, und dazu so geräumig, dass selbst ein Leopard II bequem Platz darin gefunden hätte. Als ich Ferdi, unseren giftgrünen Golf, flugs in die Parklücke bugsieren wollte, sah ich das Schild: "Reserviert für Frauen & Kinder". Erstere hatte ich dabei, letzteres nicht. Es war schon kurz vor Ladenschluss. Ich beschloss deshalb, die Regelung weit auszulegen.

Man kann ja nirgendwo mehr parken. Und wenn es doch einmal vereinzelte Parkbuchten gibt, sind diese mit Sicherheit einer spezielle Bevölkerungsgruppe vorbehalten - Frauen, Müttern mit Kindern oder den Herren vom Zoll. Ja, genau: Die haben zum Beispiel an den Hamburger Landungsbrücken eine ganze Batterie Parkplätze in feinster Lage, die freilich meist leer sind. Vor allem nach 15.30 Uhr.

Die Sache mit den Sonderparkplätzen ist irgendwie außer Kontrolle geraten. In den vergangenen Jahren wurde der Parkraum in den Innenstädten knapper, doch parallel dazu scheint die Zahl der Spezialparkplätze in die Höhe geschossen zu sein.

Leser haben schon Fotos von Sonderzonen für Priester oder Bestatter eingeschickt. Demnächst wird es wohl auch noch welche für bestimmte Autotypen geben. Einige Städte erwägen, für umweltfreundliche Fahrzeuge spezielle Parkplätze auszuweisen - in Ulm etwa läuft ein Feldversuch, bei dem Leihautos von Smart auf dem Trottoir parken dürfen, umsonst. Das sympathische, weil egalitäre Prinzip des "Ein Auto, ein Parkplatz" wäre dann bald hinüber.

Extrabreite Frauenparkplätze

Es besteht aber noch Hoffnung, denn mit den Sonderparkplätzen verhält es sich wie mit dem Rauchverbot in Kneipen: Keine Sau hält sich daran. Vor meinem Fitnesscenter versuchten mein Sohn und ich unlängst, einen der fünf "Mutter & Kind"-Parkplätze zu ergattern - doch sie waren bereits von Autos besetzt, die ganz und gar nicht nach Familienkutsche aussahen: Porsche 911, Mercedes SLK, Audi S4.

Vermutlich war das die Quittung für die Parksünde in der City.

Die Chinesen, die schon die Sonderwirtschaftszone erfunden haben, verfolgen in Sachen Sonderparkzonen übrigens einen ganz neuen Ansatz. Das Wanxiang-Tiancheng-Shoppingcenter in Nordchina hat besonders gestaltete Frauenparkplätze - nicht etwa wegen der Gefahr nächtlicher Überfälle oder aus familienfreundlichen Erwägungen, sondern weil die dortigen Mall-Manager nach Angaben ihres Sprechers davon überzeugt sind, dass Frauen "einen anderen Sinn für Entfernungen" haben, sprich: nicht Einparken können. Deshalb sind die Lady-Plätze 70 Zentimeter breiter und haben Befeuerungsleuchten in Pink .

Diese Idee ist nachgerade brillant. Jeder fährt schließlich anders - und es gäbe noch viele weitere Möglichkeiten, das bei der Verkehrsplanung zu berücksichtigen. Fette SUVs benötigten XL-Parkplätze, zierliche Daihatsus XS-Buchten. Männer bräuchten mehr Straßenschilder als Frauen - weil sie ja nicht nach dem Weg fragen können.

Für Audi- und Porsche-Fahrer könnte man spezielle Tafeln auf dem Mittelstreifen aufstellen, die darauf hinweisen, dass die linke Spur nur zum Überholen gedacht ist. Und für Pensionäre mit gehäkelter Hutablage benötigen wir spezielle Starenkästen, die immer dann blitzen, wenn der Fahrer die Mindestgeschwindigkeit nicht einhält.

Das ist leider alles noch Zukunftsmusik, doch zumindest habe ich unlängst Deutschlands ersten und einzigen Männerparkplatz entdeckt. Es handelt sich um eine Sitzgruppe mit entsprechendem Hinweisschild. Sie befindet sich in einem Stuttgarter Kaufhaus, Abteilung Damenmode.

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