Abgewürgt Tausche iPod-Stecker gegen Zigarettenanzünder

Die letzte Gelbfinger-Oase verschwindet: In Autos fehlt immer öfter der Aschenbecher, statt des Feuerzeugs gibt es einen Anschluss für den iPod. Die Hersteller machen einen Fehler - mit Sonderausstattungen für die gebeutelte Tabakfraktion könnten sie viel Geld verdienen.

Das Auto ist der letzte Freund des Rauchers. Keine kapierte das schneller als Donatella Arpaia: Als New Yorks miesepetriger Bürgermeister Michael Bloomberg das Rauchen in Gaststätten verbot, stellte die pfiffige Dame kurzerhand ein weiße Stretchlimo vor ihr Restaurant auf der Upper East Side. Im Wageninneren konnte man fortan legal dampfen und musste sich nicht länger auf dem Trottoir im Gucci-Kleidchen die Haxen abfrieren.

Auch für Millionen deutscher Gelbfinger ist der Pkw die letzte Zuflucht. Aus dem Wohnzimmer, dem Büro und der Kneipe hat man uns vertrieben, es bleibt nur der rollende Rauchersalon. Leider hat das die Autoindustrie, im Erkennen gesellschaftlicher Entwicklungen von jeher etwas begriffsstutzig, nicht mitbekommen. Sie arbeitet im Gegenteil daran, moderne Fahrzeuge ihres wichtigsten Accessoires zu berauben: des Aschenbechers.

Auf dem Pariser Autosalon wurde mir die Dimension dieses erschreckenden Trends erstmals richtig bewusst. Ob Chevrolet Camaro, Saab 9-3 oder Subaru Legacy - im Vorderraum gab es nurmehr eine Mulde, in die man vermutlich seinen iPod legen soll. Statt eines Zigarettenanzünders fand ich in vielen Modellen eine kleine Plastikkappe mit der Aufschrift "12 Volt". Ebenfalls für den verdammten MP3-Player.

Selbst in Autos, die nach alter Väter Sitte mit einem Ascher ausgestattet sind, darf man sich deshalb noch lange keine ins Gesicht stecken. Während der Messe fuhr ich zeitweilig in einem Audi A4 durch Paris. In dessen Glutbox klebte ein Sticker mit der Aufschrift "Do not smoke". Vor Wut bekam ich beinahe einen Hustenanfall.

Das Raucherpaket kostet extra

Früher war das anders. Mein alter VW Polo besaß serienmäßig zwei Aschenbecher. Das Fahrzeug war üblicherweise mit vier Rauchern bestückt, jeder von ihnen mit klar umrissenem Aufgabengebiet: Der Fahrer fuhr, der Mann hinter ihm hielt die Straßenkarte und soufflierte. Die Person rechts hinten verwaltete den Halfzware-Tabak. Seine Obliegenheit war es, dem Fahrer auf dessen Kommando ("Drehung!") hin Zigaretten zu rollen. Und der Beifahrer? Der gab dem Fahrer ("Zündung!") Feuer.

Heute gibt mir niemand mehr Feuer. Ich muss vielmehr in den Cupholder aschen und mich von meinen Beifahrern gängeln lassen. Die täuschen gerne das stadium convulsivum eines schweren Keuchhustens oder einen anaphylaktischen Schock vor, sobald ich mich anschicke, eine aus der Schachtel zu fischen. "Du willst doch nicht im Auto rauchen?" Nein, eigentlich nicht. Aber wo denn sonst?

Wer in seinem Auto die Kräuter knispeln lassen will, muss zudem zahlen. Bei einer C-Klasse von Mercedes werden für Ascher und Anzünder 41,65 Euro (entspricht 205 Zigaretten) fällig. Weil das ziemlich dummdreist ist, nennen die Marketingfuzzis ihre als Sonderausstattung deklarierte Plastikmulde großspurig "Raucherpaket". So ein Quatsch. Ein Raucherpaket habe ich bereits. Es ist rot, aus Pappe - und vorne steht Gauloises drauf.

Kristallascher, Designerfeuerzeug und Luftreiniger

Dabei ließe sich mit einem gut durchdachten Raucherset viel Geld verdienen. Quarzen im Auto ist fast immer eine Notlösung. Wer nicht gerade einen Helmut Schmidtschen Zigarettenkonsum pflegt, fühlt sich in einem verrauchten Fahrzeug stets ein bisschen wie beim Selbstmord mit eingeleiteten Abgasen. In Teer und Tabak gebeizt entsteigt man nach so einer Nebelfahrt dem Auto. Und schon nach wenigen Wochen legt sich über Armaturen und Scheiben ein gelber Film, der nie mehr abgeht.

Autoindustrie aufgepasst, hier ist die Lösung: Spezielle Luftabzüge und Ventilationen sorgen fortan in der Smoker's Edition dafür, dass Tabakqualm sofort abgesogen wird - wie in den Raucherzellen am Flughafen. Nach dem Abstellen des Fahrzeugs wird aus feinen Düsen automatisch ein Duftstoff im Wagen versprüht, der den kalten Hecht im Innenraum neutralisiert. Und statt einer schnöden Plastikmulde gibt es vier Kristallascher.

Der elektrische Anzünder, seit jeher eine hässliche und unpraktikable Angelegenheit, wird durch ein Designerfeuerzeug ersetzt. Pfeifenraucher und Rastafari bekommen im Fond eine Mischeschale aus Nussholz. Auch eine über den Kühlkreislauf gespeiste Wasserpfeife wäre denkbar. Für solch ein Raucherpaket könnte man problemlos tausend Euro Aufpreis verlangen - es verkaufte sich trotzdem wie Feinschnitt.

Zumindest ein Autokonzern bewegt sich in die richtige Richtung: Daimler hatte in Paris seine Studie Concept Fascination mit einem Zigarren-Humidor ausgestattet. Sehr gediegen - was die Designer aber dummerweise vergessen haben, ist der Aschenbecher im Wageninneren.

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