Abgewürgt Wer Volvo sagt, muss auch Lehrer sagen

Sag mir, was du fährst - und ich sag dir, wer du bist: In der Regel reicht ein Blick auf das Fahrzeugheck, und man weiß, was für ein Mensch im Wagen sitzt. Oder man meint es zu wissen. Thomas Hillenbrand hat die wichtigsten Auto-Archetypen zusammengetragen.


Von meinem sonnigen Sitzplatz in einem Straßencafé wurde ich neulich eines Mercedes-Cabrios gewahr, das gerade um die Ecke bog. Den Fahrer des silbernen CLK konnte ich nicht erkennen, weil ein am Straßenrand geparkter Geländeporsche mir die Sicht versperrte. Trotzdem formte sich bereits ein exaktes Bild des Fahrers in meinem Kopf.

Benz-Cabrios kauft nämlich nur ein bestimmter Typ Mann. Jenseits der 35. Massenkompatibler Geschmack. Kein physical guy, eher ein wandelnder Daunenschlafsack. Erfolgreich genug, um sich ein schickes Cabrio leisten zu können. Aber dann doch zu klamm, zu vernünftig und zu teutonisch für Jaguar XK oder Alfa 8C Spider.

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Man soll ja keine Vorurteile pflegen, eigentlich. Es ist unfair, a priori anzunehmen, dass PR-Berater schmierig, Steuerberater humorfrei und Fitnesstrainer von bescheidenem Intellekt sind.

Nicht alle Mercedes-Kapitäne sind arrivierte Herren mit Bauchansatz. Nicht jeder Mustang-Pilot ist ein prolliger Tattoo-Fan mit Flammen-Shirt und entschieden zu breiten Koteletten. Und nicht alle BMW-Fahrer drängeln auf der Autobahn. Ich zumindest kenne einen, der das nicht tut. Womit ich meine, dass er seine Lichthupe nur in ganz hartnäckigen Fällen einsetzt.

Dennoch ist das gegenüber Fahrern bestimmter Marken und Modelle von vielen gepflegte Ressentiment wohl nicht völlig aus der Luft gegriffen. Wieviele V8-Fans aus Siegburg sind in Volvo-Kombis unterwegs? Und wie viele Biologie-Lehrer aus Freiburg schwören auf AMG? Na also.

Außerdem macht es Spaß, über Auto-Archetypen zu spekulieren. Hier deshalb eine kleine Auswahl.

Von meinem Observatoriumsplatz im Café sehe ich, wie der Mercedes CLK langsam um die Ecke biegt. Ich kann den Fahrer jetzt fast sehen. Bestimmt hat er einen Schnauzer. Aber möglicherweise liege ich ja ganz falsch. So ein Cabrio gefällt vielen. Vielleicht sitzt eine schöne Frau darin. Oder ein langhaariger Headbanger mit Kreator-T-Shirt.

Jetzt kann ich ihn sehen! Er ist Ende 30, fettwangig und trägt einen hellbraunen Wildlederblouson über gelbem Polohemd, dazu Bundfaltenjeans. Die Jackenärmel sind sportiv gen Ellenbogen geschoben. Sein CLK hat die kleinstmögliche Motorisierung (200er Kompressor) - deshalb trägt er aus Kompensationsgründen eine schwarze McLaren-Mercedes-Kappe.

Betont langsam rollt Mr. Cabrio an dem Café vorbei und linst dabei betont lässig durch seine tropfenförmige "Top Gun"-Sonnenbrille. Er sieht genauso aus, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Bis auf den Schnurrbart. Aber man kann ja nicht an alles denken.



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