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Tourenwagen-Doku "Adrenalin": Rock'n'Überroll

Foto: STEREOSCREEN

Tourenwagen-Doku "Adrenalin" Die Schlitter-Ritter

Anfangs hatten die Rennwagen noch einen Aschenbecher, und ins Ziel schlitterte man schon mal auf dem Dach. Die Doku "Adrenalin" erzählt die Historie der Tourenwagenmeisterschaften.

Es war einer der verrücktesten Zieleinläufe in der Geschichte der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft: 6. Mai 1990, letzte Runde im Rennen auf der Berliner Avus-Strecke - Dieter Quester schießt in seinem BMW M3 aus der Kurve, doch der Österreicher kommt von der Spur, er touchiert den Reifenstapel, sein Wagen überschlägt sich. Funkensprühend rutscht er auf dem Dach ins Ziel. Quester wird dritter.

Natürlich taucht diese irre Szene in "Adrenalin" auf. Die Dokumentation der Brüder Tim und Nick Hahne ist eine Hommage an die DTM, vor allem an ihre früheren Zeiten. "Der Film soll zeigen, was die Faszination am Motorsport ausgemacht hat", sagt Nick Hahne.

Dass dabei keine kritischen Aspekte aufgetischt werden, lässt schon der Untertitel "Die BMW Tourenwagenstory" erahnen. Der Film ist auf den bayerischen Hersteller zugeschnitten, der allerdings auch als das Urgestein des Tourenwagenrennsports gilt. Zudem konnten sich die Tim und Nick Hahne sozusagen aus dem Familienalbum bedienen - ihr Onkel Hubert Hahne umrundete 1966 mit einem BMW 2000 TI als erster Fahrer eines Tourenwagens die Nürburgring-Nordschleife in weniger als zehn Minuten.

Die Boxengasse als Pommesbude - "So war das halt früher"

Etwa ein Jahr lang war das zwölfköpfige Filmteam in ganz Europa unterwegs, drehte bei aktuellen DTM-Rennen, sichtete Archivmaterial aus fast 50 Jahren Tourenwagengeschichte und führte rund 30 Interviews mit DTM-Piloten von damals und heute. "Es war uns wichtig, die verschiedenen Typen von Rennfahrern in den Vordergrund zu stellen. Denn außer den Autos sind es vor allem die Menschen, die diesen Sport prägen", sagt Hahne.

In den Archiven wühlten die Filmer auch bisher unveröffentlichtes Material hervor. Darauf zu sehen sind keine wilden Überholmanöver - wobei auch die reichlich in der Doku vorkommen, sondern Szenen des gemütlichen Beisammenseins im Fahrerlager. "Wir haben in den Boxen gesessen, Cola gesoffen und Fritten gefressen - so war das halt früher", erzählt Hans-Joachim "Striezel" Stuck in dem Film.

Offenbar wurde aber nicht nur Limonade getrunken: Einige Zeitzeugen berichten in den Interviews von wilden Nächten zwischen Reifenstapeln und Werkzeugkästen, in denen "bis morgens um vier Uhr gezecht" wurde. Als Schlafplatz diente anschließend oft eine wackelige Campingliege. Stuck: "Früher hatten wir keine Physiotherapeuten, die uns massierten, oder Trainer, die uns Mineralien und Drinks gegeben haben."

Rennwagen mit Nummernschildern

Für die DTM gilt das gleiche wie für die Formel 1: Die Verklärung der alten Zeiten gehört zur Motorsportfolklore. Tatsächlich ist es kaum vorstellbar, dass der Titelkampf zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg mal Stoff für einen Hollywoodfilm liefert - so wie es das Duell von 1976, Lauda gegen Hunt, getan hat.

Im Vergleich zu damals wirkt auch die DTM heute viel steriler, die Autos hochgezüchtet. Dabei konnte man schon in den Siebzigern und Achtzigern den wirklich wilden Zeiten nachtrauern, so viel wird in "Adrenalin" deutlich. Als Hubert Hahne nämlich 1966 den Rundenrekord aufstellte, hieß die Rennserie noch Deutsche Automobil-Rundstrecken-Meisterschaft (übrigens mit der etwas unglücklichen Abkürzung DARM); als Rennwagen kamen Großserienfahrzeuge zum Einsatz, die technisch nicht verändert werden durften.

Es gab weder einen Überrollkäfig noch ein modifiziertes Fahrwerk, sogar der Aschenbecher musste im Auto bleiben. Viele Fahrer reisten damals in ihren Rennwagen an. Vor dem Start schraubten sie das Nummernschild ab, und nach dem Zieleinlauf wieder dran.

"Adrenalin - Die BMW-Tourenwagen-Story", Tim und Nick Hahne, 123 Minuten, DVD (23,90 Euro), Blue-Ray, (25,90 Euro)
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