Fotostrecke

Günstige Oldtimer - Alfa Romeo 75: Der letzte seiner Art

Foto: Alfa

Günstige Oldtimer - Alfa Romeo 75 Viel Aufwand für wenig Geld

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: Alfa Romeo 75.
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat – und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Alfa Romeo 75

Alfa Romeo 75

Alfa Romeo 75

Foto: Alfa

Allgemeines zum Modell: Das Zauberwort lautet Transaxle. Der Alfa Romeo 75 zählte zu jenen Modellen des italienischen Herstellers, die über diese aufwendige Antriebstechnik für die Hinterachse verfügten: Der Motor saß vorne, das Getriebe und die Kupplung hinten, verbunden durch die sogenannte Transaxle-Welle. Mithilfe dieser exotischen Bauart ließ sich die Gewichtsverteilung zwischen Front und Heck perfekt ausbalancieren und somit eine besonders gute Straßenlage erzielen.

Als erster Alfa Romeo war 1972 die Alfetta mit Transaxle-Antrieb auf den Markt gekommen und hatte Maßstäbe in Sachen Handling und Sportlichkeit gesetzt. Weitere Transaxle-Alfas wie Giulietta, GT und GTV folgten. Fahrspaß bietet jedes dieser Autos - aber keines ist so günstig zu haben wie der Alfa 75.

Von der Mittelklasse-Limousine, die von 1985 bis 1992 gebaut wurde, kommen die ersten Modelle gerade erst ins H-Kennzeichen-Alter. Als Klassiker wird der Wagen aber noch nicht so richtig wahrgenommen. Vielleicht liegt es an seinem Äußeren - der kantige Keil ist sicherlich nichts für Liebhaber des Kindchenschemas. Das eckige Design setzt sich fort im Innenraum, Armaturenbrett und Mittelkonsole sind quasi ein einziger Plastikblock, wie auf diesem Foto gut zu sehen ist:

Foto: Alfa

Der Luxus hält sich beim Alfa 75 in Grenzen, in der Serienausstattung musste man mit Stoffsitzen und Kurbelfenstern vorliebnehmen. Lederpolster, Schiebedach oder Sitzheizung gab es nur gegen Aufpreis. Modelle der Limited Edition (bis Herbst 1992 ausgeliefert) hatten Recaro-Sportsitze und spezielle Alufelgen.

Mit dem Dreiliter-V6 und 185 PS kann man heute noch manchen BMW- oder Audi-Schnösel das Fürchten lehren, schließlich wiegt der rassige Italiener leer deutlich weniger als anderthalb Tonnen. Die Twin-Spark-Vierzylinder (mit leistungssteigernder Doppelzündung) sind aber auch nicht zu verachten: Die Zweiliter-Aggregate haben einen "perfekt rotzigen Sound" (Auto Bild Klassik), und knapp 150 PS waren zumindest in den Achtzigerjahren eine echte Ansage. Zudem sind die Vierzylinder günstiger in Unterhalt und Wartung.

Eine Rarität ist der 75 Turbo, der aus 1,8 Litern Hubraum 155 PS holt. Und ja, es gab den Alfa 75 auch mit Dieselmotor. Die Nachfrage nach der Selbstzündervariante hielt sich allerdings in Grenzen - ein Diesel in einem sportlichen Alfa, das schloss sich zumindest vor zwanzig Jahren noch aus. Ebenso wie ein Automatikgetriebe: Ein solches hatte Alfa Romeo zwar im Programm, aber fast alle Käufer des 75 entschieden sich für die klassische Handschaltung.

Warum ausgerechnet der? Der Alfa Romeo 75 wird von Fans der Marke als "letzter echter Alfa" verehrt. Seine Bezeichnung geht zurück auf das 75-jährige Firmenjubiläum, das die Marke 1985 feierte. Kurz darauf übernahm jedoch der Fiat-Konzern den Mailänder Traditionshersteller. Für die folgenden Alfa-Modelle sollte das weitreichende Konsequenzen haben.

Nach dem 75 wurde die Produktion weitestgehend auf die Fiat-Plattform angepasst - und das bedeutete die Umstellung auf zeitgemäßere (weil in der Produktion günstigere) Frontantriebler. Transaxle und Hinterradantrieb wurden fortan zur Ausnahme.

Der 75 ist zudem noch mit einer sogenannten De-Dion-Achse ausgestattet. Ebenso aufwendig konstruiert wie der Transaxle-Antrieb lässt diese die Vorteile einer Starrachse zu Geltung kommen (Sturz und Spur der Räder bleiben beim Einfedern konstant, das ermöglicht eine gute Traktion) und reduziert gleichzeitig die ungefederten Massen, weil das Differential fest mit dem Chassis verbunden ist.

Die hervorragenden Fahrleistungen des 75 hatten in Italien auch bei den Behörden Anklang gefunden: Zahlreiche Carabinieri, Feuerwehrleute und Sanitäter durften sich über einen Alfa Romeo 75 als Dienstwagen freuen. Hierzulande war die Marke Alfa Romeo eher etwas für Individualisten, die sportlich fahren wollten und denen etwa ein BMW 3er zu gewöhnlich war.

Verfügbarkeit: Die meisten richtig guten Exemplare sind leider vom Markt, sie befinden sich längst in festen Liebhaberhänden. Ein Alfa 75 im Zustand drei bis vier kann aber auch ordentlich Spaß machen - und wenn man ihm nur ein, zwei Jahre als Auto für den Alltag gibt.

Ersatzteilversorgung: Technik- und Verschleißteile sind größtenteils noch problemlos zu bekommen. Schwieriger wird es bei Karosserie-Komponenten. Neue Kotflügel zum Beispiel findet man allenfalls noch in Restbeständen alteingesessener Alfa-Romeo-Händler, und auch manche Kleinteile der Innenausstattung sind schwer aufzutreiben.

Es besteht allerdings Hoffnung auf Besserung: Einige Klassiker-Freunde unter den Alfisti sind ziemlich umtriebig und sorgen dafür, dass vergriffene Teile wie zum Beispiel Rücklichter inzwischen wieder nachgefertigt werden.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

Satz Bremsscheiben vorn: ca. 150 Euro

Satz Bremsbeläge vorn: ca. 80 Euro

Kotflügel vorn: gebraucht ca. 150 Euro

Lichtmaschine: ca. 200 Euro

Schwachstellen: Zuerst die gute Nachricht: Ganz so schlimm wie beim Alfasud gammeln die Bleche beim Alfa Romeo 75 nicht. Aber auch 75-Fahrer haben mit der braunen Pest zu kämpfen. Häufig befallen sind die vorderen Wagenheberaufnahmen, die Reserveradmulde sowie das Abschlussblech rund um die Rücklichter. Auch die Innenraumverarbeitung ist oft unterdurchschnittlich, es knarzt an allen Ecken und Kanten.

Außerdem können sich die Nachteile der Transaxle-Bauweise bemerkbar machen. Der Präzision beim Schalten ist die vergleichsweise lange Schaltstange jedenfalls abträglich, und beim Einlegen des zweiten Gangs zum Beispiel kann es ganz schön kratzen.

Preis: Die Zeiten, als man fahrbereite Alfa Romeo 75 für ein paar Hundert Euro gefunden hat, sind vorbei. Im Vergleich zu anderen Klassikern (eine lächerlich motorisierte Ente 2CV kostet inzwischen fünfstellig) ist das Preis-Leistungs-Verhältnis aber immer noch hervorragend. Ab 1500 Euro gibt es fahrbereite Exemplare, in die man allerdings meist früher oder später Geld reinstecken muss, um sie zu erhalten. Wer 3000 Euro und mehr investiert, bekommt einen italienischen Klassiker mit Wertsteigerung.

Anlaufstellen im Internet:

alfaclub.de  - Alfa Club Deutschland e.V.

alfaforum.de  - Alfa Romeo Transaxle Forum

okp.de  - Ersatzteilspezialist für klassische Alfa Romeo

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

Fotostrecke

Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang

Foto: Mercedes-Benz
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.