Günstige Oldtimer - Alfa Romeo Alfasud Bis dass der Rost uns scheidet

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenautos. Diesmal: der Alfa Romeo Alfasud, der ungeliebte Außenseiter unter den Italo-Klassikern.
Ungeliebter Klassiker: Alfa Romeo Alfasud

Ungeliebter Klassiker: Alfa Romeo Alfasud

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Ronald Masson

Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat – und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell:

Als der Alfasud 1972 auf den Markt kam, gehörte Alfa Romeo noch nicht zum Fiat-Konzern - die Marke aus Turin war eigenständig und stand für gehobene, sportliche Autos. Damit sich auch weniger gut situierte Bürger einen Alfa Romeo leisten konnten, schuf der Hersteller ein neues Einstiegsmodell, das im neuen Werk bei Neapel vom Band laufen sollte - den Alfasud. "Er trug den Süden im Namen und sollte so etwas wie der Alfa fürs Volk sein", sagt Bernd Meyer vom Alfa Classic Club.

Für einen Einstiegspreis von 8500 Mark bekamen die Kunden viel Auto. Als einer der ersten Hersteller verbaute Alfa Romeo bei seinem neuen Kompaktwagen einen Frontantrieb. Dadurch fielen Kardanwelle und Mitteltunnel weg, was mehr Platz im Innenraum schaffte. Auch das Fahrwerk setzte Maßstäbe: Der Alfasud erhielt Scheibenbremsen rundum, die Hinterachse war für einen Fronttriebler aufwendig geführt, dazu kam eine präzise Zahnstangenlenkung.

Dass die Straßenlage exzellent war, lag außerdem an den niedrig montierten Boxer-Motoren. Dadurch geriet der Schwerpunkt des Fahrzeugs tief, auch in engen Kurven liegt der Alfasud wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße. "Um die meisten Ford, Opel oder VW der damaligen Zeit konnte man mit dem Wagen Kreise fahren", erinnert sich Bernd Meyer, dessen erstes Auto im Jugendalter ein Alfasud 1.2 war.

Dank des geringen Leergewichts von rund 800 Kilogramm fuhr sich schon diese Basisversion mit 63 PS recht flott. Der stärkere 1.3 leistete 75 PS. Topmodelle waren der Sprint 1.5 und der TI 1.5 mit bis zu 105 PS. Deren Maschinen waren mit zwei Doppelvergasern mit sehr kurzen Ansaugwegen zu den Zylindern bestückt. Dadurch sprechen die Boxer-Vierzylinder enorm schnell an. Die Höchstgeschwindigkeit der stärksten TI betrug rund 180 km/h, was vor 40 Jahren für einen Kompakten rasant war.

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Alfa Romeo Alfasud

Foto: Ronald Masson

Karg fiel die Komfortausstattung aus, das Cockpit ist auf das Wesentliche reduziert. "Hier noch eine Blende und da noch eine Anzeige, das gab es in den Siebzigern nicht", sagt Bernd Meyer vom Alfa Classic Club. Elektrische Fensterheber, Schiebedach oder gar eine Klimaanlage waren nicht erhältlich. Erst später legte Alfa Romeo die L-Variante (für Luxus) auf, die mit Extras wie Drehzahlmesser oder heizbarer Heckscheibe aufwartete. Dafür liefen die meisten Kompakt-Alfas mit Fünfganggetriebe vom Band, was selbst Porsche seinerzeit noch nicht anbot.

Alles in allem also ein großer Wurf - wenn es nicht ein großes Problem gegeben hätte: Rost. "Die Bleche waren dünn, und der Korrosionsschutz praktisch null", sagt Experte Meyer. Damals ließ zwar die Rostvorsorge vieler Hersteller zu wünschen übrig, beim Alfasud kamen allerdings weitere gravierende Produktionsfehler dazu.

Weil das Alfa-Romeo-Werk bei Neapel häufig von den größtenteils ungelernten Arbeitern bestreikt wurde, stand die Fertigung öfters still. Unbehandelte Karosserieteile sollen daher wochenlang im Freien gelegen haben. Das pure Grauen erlebten angeblich Käufer, die ein Exemplar der berüchtigten "weißen Serie" erhielten: Nach einem großen Streik sollen Hunderte verwitterte Rohkarosserien von den Arbeitern kurzerhand weiß lackiert, die Autos endmontiert und verkauft worden sein. Diese Autos standen praktisch schon mit Rostansätzen beim Händler.

Ob "weiße Serie" oder nicht: Nach einem deutschen Winter und der Begegnung mit Streusalz rosteten viele Alfasud im Zeitraffer, manche Autos mussten schon nach der ersten Hauptuntersuchung geschweißt werden, um weiter auf die Straße zu dürfen.

Mit der Modellpflege 1980 wurde der Korrosionsschutz verbessert. Die Stoßstangen waren nun aus Plastik. Den Ruf des Schnellrosters wurde der Wagen aber nicht mehr los, 1983 lief die Produktion aus.

Warum ausgerechnet der?

Kaum zu glauben, aber ausgerechnet der ungeliebte Alfasud ist das erfolgreichste Auto der 110 Jahre alten Traditionsmarke: Mehr als eine Million Exemplare wurden verkauft. Technisch war der Wagen seiner Zeit voraus. "Auf die moderne Konstruktion mit Frontantrieb und viel Platz im Innenraum hat Volkswagen später auch beim Golf gesetzt", sagt Bernd Meyer vom Alfa Classic Club. Dazu kommt ein ansprechendes Design. Gezeichnet wurde der Alfasud von Giorgio Giugiaro, der auch die Linien von Golf I und Scirocco entwarf.

"Als italienischer Klassiker wurde der Alfasud trotzdem nie gehandelt", sagt Bernd Meyer. Die Vorzeigeautos in der Alfa-Romeo-Gemeinde heißen Giulia, Spider oder Bertone - die edlen Legenden aus dem Norden. Den Volks-Alfa aus dem Süden liebten nur Menschen, die einen Bezug zu ihm hatten, weil er etwa einst in der Familie gefahren wurde, sagt Meyer.

Verfügbarkeit:

Von den rund 1,3 Millionen gebauten Alfasud sind die meisten dem Rosttod zum Opfer gefallen. Für ein Auto aus den Siebzigern ist das Angebot dennoch ordentlich, vor allem wenn man auch in Italien sucht. Dort finden sich auch noch gehegte Garagenautos, die wenig Regen und kein Salz auf der Straße erlebt haben. Generell überwiegen die Viertürer, die Zweitürer sind oft die sportlichen TI. Ein absoluter Exot ist heute die Kombiversion Giardinetta.

Ersatzteilversorgung:

So lala. Gängige Verschleißteile sind relativ problemlos erhältlich - die Boxer-Motoren wurden auch bei den Alfa-Modellen 33 und 145 verbaut. Schwierig wird es beim Interieur. Ersatz für Karosseriekomponenten wiederum lässt sich auftreiben, bei durchgefaulten Kotflügeln oder Türen etwa können spezialisierte Händler mit Originalteilen aus Altlagerbeständen aushelfen.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsscheiben vorn: circa 120 Euro

  • Kotflügel original: circa 200 Euro plus Lackierung

  • Lichtmaschine: circa 150 Euro

  • Wasserpumpe: circa 50 Euro

Schwachstellen:

Das Gros der Rostopfer ist längst in die Schrottpresse gewandert. Aber auch spätere Alfasud mit besserem Korrosionsschutz sind anfällig – zu den neuralgischen Stellen gehören Schweller, Radläufe, die Kotflügelstehbleche in den Radhäusern sowie die Scheibenrahmen.

Die drehfreudigen Motoren sind robust und vertragen auch über 6000 Touren. Läuft der Boxer unrund, arbeiten die Doppelvergaser möglicherweise nicht mehr synchron. Dies lässt sich mit einer Synchron-Uhr relativ simpel einstellen. Auch um den Zahnriemen zu wechseln, muss man kein Kfz-Mechaniker sein. Wenn die Elektrik spinnt, hilft es oft schon, die korrodierten Kontakte der Sicherungen zu reinigen.

Preis:

Fahrbereite Alfasud gibt es ab etwa 4000 Euro, teils auch mit gültiger HU-Plakette. Für gut erhaltene, rostarme Exemplare mit wenig Kilometern muss man 8000 Euro oder mehr hinlegen. Die Sportmodelle Sprint oder TI erreichen locker Preise über 10.000 Euro.

Anlaufstellen im Internet:

alfisti.net/alfa-forum 

alfa-classic-club.de 

alfaclub.de 

alfa-onlineshop.de 

Fotostrecke

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Foto: Renault
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